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Philosophie des Alltags

„Jetzt wird’s mir zu bunt!“ – Vielfalt und Einheitlichkeit - Ausgabe 08.08.2018

Von Helmut Stubbe da Luz

„Laufen in unserer Stadt zu viele Einwanderer herum? Weist der Discounter eine hinreichende Angebotsbreite auf? Ist das Fernsehprogramm zu eintönig? Erschwert bei Wahlen nicht das Durcheinander von Parteien den Überblick?
Buntheit, Vielfalt, Multikulti regt viele von uns an, doch vielleicht ebenso viele auf: „Unterschiede beleben“, sagen die einen; Kontraste, Gegensätze, wirkten befruchtend, seien ein Zeichen von Ideenreichtum und förderten Kreativität. Vielfalt und Vielfältigkeit werden dann als schön empfunden, Abwechslung als ein Stück Lebensqualität.
Anders gestrickte Menschen ziehen Grade von Einheitlichkeit vor; auch diese können als schön, künstlerisch wertvoll oder wohltuend gelten. Einheitlichkeit kann beruhigen, entlasten, die Konzentration fördern, die Übersicht erleichtern.
Vielfalt und Einheitlichkeit sind zunächst Merkmale einer Menge; deren Bestandteile können einander mehr oder weniger ähneln. Wenn vereinbart worden ist, worin die wesentlichen Unterschiede besehen, können die voneinander abweichenden Elemente gezählt werden. Verteilen sie sich gleichmäßig oder häufen sie sich hier und da? Ist die Menge eher homogen (einheitlich) oder heterogen (bunt) zusammengesetzt?
Soweit zur Bestandsaufnahme von Tatsachen. Beim Zählen und Messen können unter den Beteiligten und Betrachtern oft noch Übereinstimmungen erzielt werden. Bei der Beurteilung hingegen stoßen Anhänger von Homogenität mit Verfechtern von Vielfalt oft und mitunter hart zusammen. Eine Mischung aus unterschiedlichen Elementen kann beispielsweise als ausgewogen oder bunt, als ungeordnet oder gar wild getadelt oder gelobt werden, als natürlich-harmonisch oder als gekünstelt-schräg.
Wir können Buntheit und Einheitlichkeit zusammenzubringen versuchen – gemäß Formeln wie „Vielfalt in Einheit“ oder „Einheit in Vielfalt“. Die Einheitsschule ist möglicherweise geeignet, eine Vielfalt von Heranwachsenden aufzunehmen. Die Geschäftsführerin eines Discounters weiß, dass bei ständiger Ausweitung des Angebots der Umsatz irgendwann seinen Höhepunkt überschritten hat. Alle Menschen sind auf der Suche nach dem Optimum, nach der besten Verbindung oder Mixtur von Vielfalt und Einheitlichkeit. Herausfinden, wo dieser „goldene Mittelweg“ verlaufen könnte, lässt sich nur teilweise. Ausschlaggebend sind das Gefühl breiter Bevölkerungskreise und die Entscheidungen der Politik.

Fragen, Anregungen und Kritik zur Kolumne sind willkommen per E-Mail aninfo@denkendenken.com


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