Home » Wellingsbütteler Traditionsorgel prägt Kirchenmusik

Wellingsbütteler Traditionsorgel prägt Kirchenmusik - Ausgabe 18.04.2018

Organist Moritz Schott verbindet in seinem Orgelfrühling neue mit alter Musik. Namhafte Künstler sind zu Gast in der Lutherkirche

Von Susanne Lorenz

Wellingsbüttel – Sie ist 56 Jahre alt, ihr Corpus schimmert warm und honigfarben, ihre Pfeifen sind wohlgeformt. Die Hände so einiger vortrefflicher Organisten haben sie in der Vergangenheit bespielt und ihr geistliche wie weltliche Klänge entlockt: Es geht um die Wellingsbütteler Schuke-Orgel.

Ihr aktueller Meister ist Moritz Schott, seit fast sechs Jahren Kantor und Organist in der wunderschönen Lutherkirche. „Die Schuke-Orgel ist ein sehr besonderes Instrument“, schwärmt Moritz Schott, „an ihr ist Musikgeschichte geschrieben worden“.

Raum für Altes und Neues


Das Originalinstrument stammt aus der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke und ist speziell für die Lutherkirche Wellingsbüttel entwickelt und erbaut worden – und zwar maßgeblich nach den Vorstellungen Gerd Zachers, der Anfang der 60er Jahre Organist der Lutherkirche war. Zacher, der auch selbst komponierte, hat die Wellingsbütteler Kirchenmusik maßgeblich geprägt: Er war gut bekannt mit einer ganzen Reihe renommierter Tonschöpfer, mit denen er gemeinsam musizierte und musikalisch experimentierte: Geschmähte und zu Unrecht verurteilte Werke erweckte Zacher zu neuem Leben, hinterfragte Altes und beleuchtete es neu und inspirierte Komponisten zu Werken, die er dann zum Teil in Wellingsbüttel auch uraufführte. So experimentierte er gemeinsam mit György Ligeti, der ihm eins seiner Stücke widmete, arbeitete mit dem französischen Komponisten Olivier Messiaen und initiierte Uraufführungen von Werken Kagels, Cages und Saties.
Bis heute ist die Orgel prägendes Element unzähliger Konzerte – von klassisch bis modern, solo oder mit Orchester. Sie begleitet und stützt den Gemeindegesang und oft auch den der Kantorei. „Orgelmusik wird zu Unrecht als gleichförmig und ausschließlich „sakral“ wahrgenommen“, findet Moritz Schott. „Gerade die Schuke-Orgel ist so vielseitig, so variantenreich in ihrem Klang und macht sowohl alte, traditionsreiche wie auch neue und experimentelle Musik zum Hörerlebnis. Das ist mir wichtig, denn ich fühle mich nicht nur der Musik von der Barockzeit bis zur Jahrhundertwende verbunden und verpflichtet, sondern auch neuer Musik. In Wellingsbüttel darf auch gern mal über Musik diskutiert werden. Es ist sogar gewünscht“.

Namhafte Organisten
geben sich die Ehre

Um Vielfalt geht es Moritz Schott auch bei der Gestaltung seines „Wellingsbütteler Orgelfrühlings“. Ähnlich wie einst Gerd Zacher verfügt Schott, der in Köln, Hamburg, Paris und Leipzig Kirchenmusik und Orgel studiert hat, über ein ausgedehntes Netzwerk exzellenter Organisten, von denen der eine oder andere während des Orgelfrühlings zu Gast in der Lutherkirche ist: Am kommenden Sonntag, 22. April beispielsweise sitzt der Leipziger Universitätsorganist Daniel Beilschmidt an der Schuke-Orgel und bringt Werke von J.S. Bach, Machaut, Soler (Fandango) und Cage zu Gehör. Am Pfingstmontag, 21. Mai ist dann gar der Nachfolger des großen Gerd Zacher, der jetzt in Freiburg wirkende Prof. Zsigmond Szathmáry, gemeinsam mit seiner Tochter, der Violinistin Anikó Szathmáry, mit eigenen Kompositionen und Werken von Bach und Liszt zu Gast in Wellingsbüttel. Und am 3. Juni spielt Organist Moritz Schott dann selbst an „seiner“ Schuke-Orgel Werke von Bach, Franck, Messiaen und andere. Im Anschluss sind alle Zuhörerinnen und Zuhörer eingeladen, noch mit den Künstlern zu sprechen. Alle Konzerte beginnen um 18 Uhr und können einen wunderbar stimmungsvollen Abschluss für einen langen sonnigen Frühlingssonntag im Alstertal bilden. Übrigens: Moritz Schott steht jederzeit gern für Fragen zur Verfügung und – wenn es gerade passt – auch für eine kleine Orgelführung.


fdjs