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Auf Wiedersehen, Heimat-Echo! - Ausgabe 15.04.2020

Einstellung verkündet. Über das Ende einer Ära

Alstertal/Walddörfer – Liebe Leserinnen und Leser! Nein, es ist kein verspäteter Aprilscherz, sondern bitterer Ernst.
Von Oliver Spatz
Einen Artikel wie diesen möchte man niemals schreiben müssen. Das Heimat-Echo erscheint mit der vor Ihnen liegenden Ausgabe zum letzten Mal. Die beiden Gesellschafter – zu je 50 Prozent die Funke Mediengruppe und die Madsack Mediengruppe – haben entschieden, die Produktion dieser Zeitung einzustellen. Damit enden fast 63 Jahre intensiver Begleitung lokaler und regionaler Geschehnisse in den Walddörfern und im Alstertal, einer ausgesprochen lebenswerten Ecke unserer ohnehin schönen Stadt Hamburg.
Vom unmittelbar bevorstehenden Ende erfahren haben wir nach Drucklegung der Ausgabe von vergangener Woche. Wir bedauern diese Zäsur außerordentlich und können es immer noch nicht recht glauben. Die Resonanz, die uns auf diese sich verbreitende Nachricht bisher schon erreicht hat, zeigt uns, dass das, was wir redaktionell Woche für Woche in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben, so falsch nicht gewesen sein kann. Wenn aber konzernintern an entscheidender Stelle die Zahlen nicht stimmen, hilft uns das leider nicht. Das Aus allein auf die Corona-Krise zu schieben wäre wohl zu kurz gesprungen; sie beschleunigt aber zumindest teilweise die sich seit Jahren verschärfende Krise in der Medienbranche, vor allem im Anzeigengeschäft.

Markenkern

Wir sind traurig und hätten sehr gern weitergemacht. Denn das Lokale ist und bleibt das Salz in der Suppe. Die Themen liegen auf der Straße und wollen aufgegriffen werden. Und der Austausch mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Kundinnen und Kunden lag und liegt uns immer am Herzen. Positive Rückmeldungen in Form von Anrufen, E-Mails und auch kritisch-konstruktive Leser-Echos auf Artikel, in denen viel Herzblut und Recherche stecken, haben uns bestärkt, unseren Weg weiterzugehen.
Deutlich wird in vielen Gesprächen: Das Heimat-Echo ist eben kein x-beliebiges Anzeigenblatt, sondern viel mehr, etwa wegen seines ausgeprägten lokalpolitischen Schwerpunkts.
Ursprünglich als SPD-Parteiblatt im August 1957 gegründet, entwickelte es sich im Laufe der Zeit zu einer überparteilichen Lokalzeitung. Lange Zeit inhabergeführt, wurde das Heimat-Echo schließlich Stück für Stück Teil großer Medienkonzerne. Schon seit 1977 erschien es immer mittwochs, keine Woche ohne. Die Zahl der Ausgaben geht in die Tausende.
Zeit, einigermaßen überlegt und ausgedehnt Bilanz zu ziehen, blieb mit Blick auf die wegen Ostern verkürzte Produktion nicht wirklich. Themen gab es über die Jahrzehnte indes reichlich: vom Bau des Hallenbads Volksdorf über die seinerzeitige Standortfrage des Alstertal-Einkaufszentrums und hochumstrittene Bebauungspläne wie Wohldorf-Ohlstedt 13 bis hin zur Flüchtlingskrise, um nur wenige Punkte anzureißen. Das noch heute gefeierte Volksdorfer Stadtteilfest beruht auf der Idee und Initiative unseres langjährigen, 2016 verstorbenen Redak­tionsleiters Manfred Schult, der über Jahrzehnte federführender Organisator war. Auch der beliebte Kostüm-Silvesterlauf um die Teichwiesen geht mit auf ein Ansinnen Schults zurück.

Bewegte Zeiten
Ohnehin haben die Schults viel bewegt: Vater Hans-Erich war lange Zeit der Kopf des Unternehmens. Sein Sohn Manfred sollte das Blatt inhaltlich prägen. Er initiierte eine Reihe erfolgreicher Bürgerbegehren und nutzte das Heimat-Echo als Plattform – ob es um die Erweiterung des Vereinshauses des Walddörfer Sportvereins ging, den Erhalt des P+R-Platzes am U-Bahnhof Volksdorf oder das Fortbestehen der Revierförsterei Volksdorf, den Umzug der Polizei-Außenstelle Volksdorf an den U-Bahnhof, den Erhalt der Ohlendorff’schen Villa für die Öffentlichkeit oder die damals noch verhinderte Schließung des Kundenzentrums Walddörfer. Volksdorfs Ruf als Hamburgs gallisches Dorf wurde dadurch begründet.
Als Verlagssitz war Volksdorf naturgemäß immer ein Schwerpunkt der Berichterstattung, aber hier passiert eben auch viel, und die übrigen Walddörfer und das Alstertal fanden ebenfalls Berücksichtigung. Wer einen genaueren Blick auf die vergangenen Dekaden werfen möchte, kann das in der großen 60-Jahre-Ausgabe aus dem Jahr 2017 tun, online auf unserer Website.
Oft werden wir dieser Tage gefragt: Wer soll jetzt relevante lokale Inhalte bringen, auch lokalpolitische Belange und Missstände zwischen Poppenbüttel und Bergstedt, zwischen Wohldorf-Ohlstedt und Volksdorf thematisieren, wenn es euch nicht mehr gibt?

Verbunden bleiben
Mit vielen von Ihnen gab es rege Kontakte und fruchtbaren Austausch, wofür wir uns sehr herzlich bedanken möchten. Sehr gern wollen wir mit Ihnen in Verbindung bleiben. Melden Sie sich unter redaktion@heimatecho.de
mit Ihren Gedanken. Wir bilden weitere Reaktionen aus der Bevölkerung online über die weiterbestehende Website www.heimatecho.de ab und freuen uns auch unter Tel. 040 5544-72455 oder -72464 über Rückmeldungen und Anregungen.
In den Walddörfern und im Alstertal sagen wir erst mal Tschüss. Machen Sie das Beste aus diesen merkwür­digen Zeiten und behalten Sie das Heimat-Echo in guter Erinnerung!

www.heimatecho.de


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