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Auf der Zielgeraden - Ausgabe 25.03.2020

Ökologie und Bebauung am Buchenkamp

Volksdorf – Das seit Jahren umstrittene Bebauungsplanverfahren Volksdorf 46 am Buchenkamp geht auf die Zielgerade. Die Wandsbeker Kreisvorsitzenden Dr. Andreas Dressel (SPD) und Maryam Blumenthal (Grüne) präsentierten der Redak­tion nun die finale Planung (zur Vorgeschichte siehe ausführlich Heimat-Echo vom 5.2.2020, www.heimat
echo.de/artikel/12397).
Oliver Spatz
Insbesondere betonten die beiden Volksdorfer den ökologischen Ausgleich für die kommende Wohnbebauung parallel zur Straße Buchenkamp. Ein Landschaftsgürtel werde geschaffen, zwei neue Knicks sollen den östlichen Planbereich an der Nord- und der Südseite abgrenzen. Hin zum südlich gelegenen Gebiet Meienthun/Kiebitzmoor soll ein Kraut- und Staudenstreifen geschaffen werden, wodurch sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche etwas verkleinert. Eine Retentionsfläche soll nahe der Neubebauung ausreichend Versickerung ermöglichen. Die bislang direkt am Buchenkamp liegenden Schafweideflächen rücken weiter ins Innere der Grünflächen. Ein höherer sechsstelliger Betrag wird laut Dressel insgesamt für die ökologische Auf­wertung im Plangebiet aufgewendet.
Auch jenseits des unmittelbaren Plangebiets soll viel passieren, das Naturdenkmal Kiebietzmoor etwa perspektivisch zum Naturschutzgebiet entwickelt werden. Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) werde den rückwär­tigen, nördlich gelegenen ­Bereich bis zur ­Landesgrenze erwerben, erklärte Dressel, in dessen Finanzbehörde der LIG angesiedelt ist. Man wolle möglichst viel Natur erhalten und aufwerten. Die ökologischen Flächen sollen innerhalb von zwei bis fünf Jahren umgesetzt werden. Der seit vielen Jahren bemängelte, weil weitestgehend nicht erfolgte Ausgleich für den vor mehr als 20 Jahren verabschiedeten B-Plan Volksdorf 32 – die Siedlung Moorbekring – wird nun im Zuge von Volksdorf 46 gewissermaßen miterledigt.
Der straßenparallelen neuen Wohnbebauung östlich des Buchenkamp wird ein begleitender, hinter dem Knick verlaufender Gehweg vorgelagert. Die insgesamt geplanten 60 Wohneinheiten – davon 30 Prozent als sozialer Wohnungsbau – werden über eine Zufahrtsstraße mit Wendehammer erschlossen. Träger der ebenfalls vorgesehenen Dementeneinrichtung/-WG, die innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des B-Plans stehen soll, wird wohl die Immanuel Albertinen ­Diakonie sein.
Auf Nachfrage bestätigte Dressel, die Nichteinhaltung des in Kürze zu finalisierenden städtebaulichen Vertrags durch den Eigentümer sei strafbewehrt.

Widerspruch
Da die Genehmigung für die Flüchtlings-Folgeunterkunft Eulenkrugstraße an den Bebauungsplan gebunden ist, muss dieser bis 21. September 2020 stehen, will man die Unterkunft fortführen. Und daran lässt Dressel keinen Zweifel: Die Flüchtlingszahlen nähmen wieder zu, man brauche jeden Platz.
Blumenthal und Dressel zeigten sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der jahrelangen Planungen und Verhandlungen. Auch die Opposition solle diesen Weg ohne Bauchschmerzen mitgehen können. Die aber hat ihre ­eigene Meinung. In einer gemeinsamen Stellungnahme bezeichnen der Volksdorfer CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thilo Kleibauer und die CDU-Bezirksfraktionschefin Franziska Hoppermann es als „sehr fragwürdig, dass SPD und Grüne im Eilverfahren die öffentliche Auslegung dieses umstrittenen Bebauungsplans beschließen. Drei Jahre lang wurden die bezirklichen Gremien kaum über den Sachstand am Buchenkamp informiert, und jetzt wird unter Umgehung des zuständigen Planungsausschusses im Schnelldurchlauf eine Variante beschlossen, die deutlich von der bislang vor Ort vorgestellten Planung abweicht. Das ist ganz schlechter Stil.“
Der Hintergrund: Die Zustimmung zur öffentlichen Auslegung stand im eigentlich zuständigen bezirklichen Planungsausschuss vergangene Woche Dienstag auf der Tagesordnung. Dann aber kamen Einschränkungen durch das Coronavirus dazwischen, der Planungsausschuss tagt bis mindestens Ende April nicht mehr, das Thema Buchenkamp wurde in den Hauptausschuss verlagert, der dann sogar schon am Montag, 16. März zusammenkam und beschloss, den B-Plan auszulegen.
Die Unionsbedenken sind aber auch grundsätzlich: „Wir lehnen die Bebauung der Flächen östlich des Buchenkamps unverändert ab. Es handelt sich hier um einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft zugunsten intransparenter Grundstückseigentümer.“ Auch angesichts laufender Nachverdichtung im Stadtteil sei es gar nicht erforderlich, diese Grünachse zu bebauen, so Kleibauer und Hoppermann.
Natur- und Landschaftsführerin Dr. Ann-Carolin ­Meyer von der Bürgerinitiative ­Lebenswerter Buchenkamp findet: „Die geplanten Maßnahmen im Bereich Moorbek und Meienthun klingen vielversprechend. Im Nahbereich des Neubaugebiets würde ich mir – neben dem Gehölzstreifen – allerdings weitere Aufwertungsmaßnahmen wünschen, um eine künftige Bebauung wirksam zu verhindern. Ich hoffe, dass sich nun alle Bürger und Anwohner die Zeit nehmen, den Plan V46 zu begutachten, und ihr Recht auf Stellungnahmen bei der öffentlichen Auslegung im April wahrnehmen.“


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