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Poppenbüttler Messerstecherin erneut vor Gericht - Ausgabe 25.03.2020

Prüfung: Kann lebenslange Haftstrafe abgemildert werden?

Poppenbüttel – Vor genau einem Jahr wurde eine damals 40-jährige vom Landgericht Hamburg verurteilt.
Florian Büh
Bei einem brutalen Überfall hatte sie mit einem Messer 32-mal auf eine im Hospital zum Heiligen Geist lebende 93-jährige Frau eingestochen, dabei 400 Euro Bargeld und eine Bankkarte erbeutet. Das Urteil: lebenslange Haft wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes. Damals sprach die Richterin von einer „unfassbar brutalen Tat“, die sehr nah an der Vollendung gewesen sei.
Seit 11. März 2020 befasst sich das Gericht nun erneut mit diesem Fall, bestätigt Dr. Kai Wantzen vom Hanseatischen Oberlandesgericht. Dabei handele es sich ausschließlich um die „Strafzumessung“. Es geht also darum, ob die ausgesprochene „lebenslange“ Strafe Bestand haben kann. Denn tatsächlich handelte es sich ja um einen versuchten Mord, das Opfer hatte überlebt. In so einem Fall muss das Gericht prüfen, ob das Urteil abgemildert werden kann.
Strafmilderung?
Der Bundesgerichtshof hob das Urteil von 2019 teilweise auf. Es bestünden Zweifel, ob das Landgericht wirklich alle Möglichkeiten einer Strafmilderung beachtet habe: „Der Geschehensablauf steht fest, es sind wohl nur wenige Verhandlungstage nötig“, so Wantzen Anfang der Woche auf telefonische Heimat-Echo-Nachfrage. Die Prüfung sei durch die Vorsitzende durchgeführt worden. Vielleicht sei sie aber nicht ausführlich genug begründet worden, so die Vermutung von Prozessbegleitern. Eine andere Kammer des Land­gerichts prüft nun genau dies nach. Auch hier hat eine ­Vorsitzende den Fall übernommen.
Für vergangenen Dienstag war ein Termin anberaumt worden, eine ärztliche Stellungnahme sollte eingebracht werden. Diese lag aber nicht vor – der Termin wurde abgesagt. Wann es einen weiteren Verhandlungstermin geben soll, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Die lebenslange Haft könnte auf eine Strafe „von bis zu 15 Jahren“ gemildert werden, so Wantzen.
Zum ersten Mal hatte sich die Verurteilte beim erneuten Prozessbeginn am 11. März geäußert: Sie gab die Tat zu und erklärte, sie schäme sich. Unter Tränen betonte die Frau, dass sie damit nicht leben könne. Schulden und Depressionen hätten sie in diese Lage gebracht.


fdjs