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Poppenbüttels Dorf vor Neugestaltung - Ausgabe 08.01.2020

Aldi plant Tiefgarage, Praxen und Restaurant

Poppenbüttel – Es tut sich etwas am Poppenbüttler Markt 1 bis 3. Wie das ­Heimat-Echo exklusiv erfuhr, „wurde im November ein Abbruchantrag genehmigt“. Das bestätigte die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG in Essen auf Nach­frage der Redaktion.
Von Florian Büh
Damit sollen für alle Gebäudeteile, die dem Discounter an der Poppenbüttler Hauptstraße gehören, nun die letzten Wochen geschlagen haben. Nach jahrelanger Hänge­partie. Wie Christian Salmen von der Aldi-Pressestelle mitteilt, will der Konzern nun „in das Genehmigungsverfahren für die Baumaßnahmen gehen“. Ziel sei es, die Baugenehmigung noch in der ersten Jahreshälfte 2020 zu erhalten, „um dann zeitnah mit den Arbeiten beginnen zu können“. Geplant ist ein Abriss noch im Frühjahr.

Leerstand im Ortskern
Lange leer stehend, mit Plakaten an Fensterscheiben und offensichtlich ­baufällig, so präsentiert sich das ­Gebäudeensemble zwischen dem Poppenbüttler Wochenmarktgelände und dem Poppenbüttler Markt heute. Mehrere Mieter – von Büros, einem Briefmarkenladen, einem Restaurant, einer Apotheke bis zum Modegeschäft – haben die Räume längst verlassen und in der Nähe neue Geschäftsräume gemietet. Zuletzt verließ nun zum Jahresende das Spielwarengeschäft von Heike Post den alten Standort: „Ich kann nichts Schlechtes über Aldi als Vermieter sagen. Sie haben uns immer sehr geholfen und tun es noch. Wir wussten schon lange, dass es hier einmal abgerissen werden soll. Warum es so lange dauert, versteht niemand.“ Ihre „Kinderpost“, die seit fast 20 Jahren „im Dorf“ besteht, hat seit 1982 eine weitere Filiale in Wellingsbüttel. Mindestens einmal ist sie mit beiden Geschäften bereits umgezogen. Auch in Poppenbüttel geht es bald weiter. „Ich liebe meine Arbeit und kann auch gar nicht aufhören“, sagt sie und visiert eine Eröffnung Mitte April an. Direkt an der nahe gelegenen Wochenmarktfläche, als Nachmieterin des jetzigen Blumengeschäfts. „Auch von der dortigen Inhaberin bekommen wir viel Unterstützung“, so Heike Post.

„Kinderpost“ kommt wieder
Der Aldi-Markt und ­Zafer Gorgulu sind damit die Einzigen, die die ansonsten komplett leer stehenden Gebäude nutzen. Seit 15 Jahren lebt der Türke aus Ankara in Deutschland, seit bald fünf Jahren betreibt der 43-Jährige die kleine Änderungsschneiderei auf nicht einmal 30 Quadratmetern plus Kellerraum und Toilette im Obergeschoss. Seine Selbstständigkeit in Poppenbüttel ist ihm wichtig: „Die Menschen sind sehr nett. Viele meiner Kunden kommen seit Jahren. Daher hoffe ich auf eine Lösung, dass ich hier bleiben kann. Auch während gebaut wird.“ Derzeit hat er keinen Vertrag mehr mit dem Vermieter, der letzte ist mit dem Jahreswechsel ausgelaufen. Dennoch musste er nicht raus: „Die Änderungsschneiderei wird bis zum Beginn der Abbrucharbeiten im Gebäude verbleiben. Hier arbeiten wir derzeit an einer Interimslösung“, erklärt Aldi-Sprecher Dr. Axel vom Schemm.

Aldi fairer Vermieter
Nur wenige Schritte und tatsächlich „ums Eck“ hat Elisa Kiendl mit ihrem Geschäft für Bekleidung und Accessoires eine neue Heimat gefunden: „Ich bin hier sogar glücklicher“, erzählt die 42-Jährige, während sie eins der großen Schaufenster dekoriert. Dass sie ihre Räume genau dort beziehen konnte, wo sie als Kind zur Ballettschule ging, freut sie sehr. Seit 2007 war „Elisa“, wie das Geschäft heißt, direkt vor dem Eingang des Aldi-Markts beheimatet: „Meine Kunden fanden keine Parkplätze. Hier, direkt am Durchgang vom großen Parkplatz zum Supermarkt, schon.“ Vor einer großen Baustelle direkt vor der Tür hat sie aber ein wenig Respekt. „Was das für Auswirkungen hat, wissen wir ja alle noch nicht.“

Planungen seit Jahren
Ohnehin ist längst noch nicht alles klar, was am Poppenbüttler Markt passieren soll. Einig sind sich Verwaltung und Aldi in der Frage, ob Wohnraum geschaffen werden kann und soll: „Wohnbebauung sieht der B-Plan für diesen Gewerbegebietsstandort nicht vor“, erklärt Aldi. Auch Jacob Löwenstrom vom Bezirksamt Wandsbek erklärt: „Eine Wohnnutzung ist nicht vorgesehen.“ Hinter vorgehaltener Hand ist aber von verschiedenen Seiten zu hören, dass es vielleicht ja doch noch private Räume für Mieter im Neubau geben könnte. Denn mit dem politischen Willen – und der ist ja in Hamburg klar vorhanden – kann es vom Bauausschuss eine Ausnahmegenehmigung dafür geben. Ob das passiert, wird die Zeit zeigen. 2017 wurde in Langenhorn über einem Aldi-Markt Wohnraum etabliert. Dafür ließ sich der Konzern damals groß – samt Bezirksamtsleiter – feiern. Warum ist das nicht auch in Poppenbüttel möglich? Ohnehin sei im Antragsverfahren wohl noch vieles möglich, heißt es aus dem Bezirksamt.
Den Aldi-Markt am Poppenbüttler Markt übrigens gibt es seit dem 28. Juli 1977. Bereits 2018 wurde, so Aldi auf Nachfrage, der Eckbau in Richtung Lemsahl „von einer Privatperson erworben“. Hell und freundlich soll der Neubau werden – vor allem im Inneren. Die Einkaufsfläche des Discounters soll von derzeit 600 auf mehr als 1.200 Quadratmeter wachsen. Dazu ist eine Tiefgarage geplant. „Der Aldi-Markt im Erdgeschoss sowie ein Restaurant im ersten Obergeschoss“, so die Aldi-Pläne, sollen neben Praxisbetrieben im zweiten Obergeschoss Raum finden. Einen ersten Bauantrag gab es bereits im Oktober 2018: „Eine geänderte Variante wurde im September 2019 eingereicht“, bestätigt das Bezirksamt und erklärt: „Der geänderte Antrag befindet sich zurzeit in Prüfung. Es liegen noch nicht alle für eine Entscheidung erforderlichen Unterlagen und Nachweise vor.“


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