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Der Poppenbüttler Fynn Utermark über seinen Traum Musical-Darsteller zu werden

Ein Riesenglück – und ganz viel Arbeit - Ausgabe 09.10.2019

Poppenbüttel – Auf der Bühne stehen, dem Applaus lauschen, wissen, dass man gerade die Herzen hat höher schlagen lassen – viele Jugendliche träumen davon. Fynn Utermark, ehemaliger Schüler der Stadtteilschule Poppenbüttel, hat es erlebt – schon mehrfach.

Susanne Lorenz

Seither weiß er: Ich will Musical-Darsteller werden. Wie realistisch ist dieser Traum? Wie ist er entstanden? Und: Wie wird man überhaupt Musical-Darsteller?

Weltmeisterschaft der darstellenden Künste
Juli 2019, Long Beach. Fynn hat sich beim „World Championship of Performing Arts (WCOPA)“ für das Team Germany beworben – und ist angenommen worden. Mehr als 2000 junge Teilnehmer aus aller Welt sind nach Kalifornien gekommen, um miteinander und gegeneinander zu singen und zu schauspielern – im Team ebenso wie einzeln. Der Wettbewerb ist dabei jedoch nur eine der vielen Facetten des Events. Das offene, herzliche, kameradschaftliche Miteinander inspiriert Fynn weit mehr als die Medaillen, die er dabei für sich selbst und mit seinem Team geholt hat. „Alle waren total offen und interessiert. Wir haben unglaublich viel voneinander gelernt und hatten einen Riesenspaß“, begeistert er sich. „Der WCOPA hat uns alle enorm viel weiter gebracht. Und wir hatten die Möglichkeit mit großen Musikproduzenten, Choreographen und Universitätsleitern zu sprechen, konnten Kontakte knüpfen und haben viel hilfreiches Feedback erhalten.“ Das Beste: Fynn hat für den nächsten Sommer ein Stipendium für einen preisgekrönten Workshop an der „New York Film Academy“ gewonnen. Die Teilnahme am WCOPA hat viel Arbeit gekostet – und Mut: Auch wenn intensive Coachings und Workshops die Teilnehmer gut vorbereiten, performen können muss man schon – und das vor Tausenden von Menschen. Wie hat Fynn diesen Mut erworben und wer hat ihn gefördert?

Wie alles begann
Singen ist doof – fand der kleine Fynn zumindest. Aber dann, in der fünften Klasse, kommt er in den Poppenbütteler Kirchenchor – und singt mit Leidenschaft. Chorleiter Michael Kriener erkennt sein Talent, fördert ihn, lässt ihn Solopartien singen. So also fühlt es sich an, wenn man mit seinem Talent etwas transportieren, Menschen erfreuen darf? Fynn hat Blut geleckt. Mit der Zeit entwickelt er ein Faible fürs Genre Musical, versteht, dass auch Bewegung und Schauspiel zu diesem Metier gehören, lernt tanzen. 2014 bewirbt er sich um eine Rolle in dem Musical „Das Wunder von Bern“, das von einer Vater-Sohn-Beziehung im Ruhrgebiet der deutschen Nachkriegszeit vor dem Hintergrund der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 erzählt. Beim Casting hat er Erfolg: Fynn wird als einer von acht Jungs für die Hauptrolle des Matthias ausgewählt. Ein halbes Jahr trainiert er hart, fast täglich – neben der Schule natürlich. Ein- bis zweimal pro Woche steht er auf der Bühne, fühlt: Das ist meins, das will ich machen. Es ist nicht nur das Singen und Schauspielern – vor allem das Miteinander mit den anderen Darstellern, die enge, kameradschaftliche Zusammenarbeit im Team, die konstruktive Kritik an- und die Offenheit füreinander ebenso wie die Freude an all dem Neuen begeistern und erfüllen ihn. Man wächst zusammen, ein enges Freundes- und Kollegennetzwerk entsteht.

Von anderen lernen
Noch aber ist von Bühne und Karriere keine Rede, noch ist die Schule vorrangig: Fynn will Abi machen. 2016 geht er, wie so viele Jugendliche, für ein Jahr ins Ausland. „Ich hatte ein Riesenglück“, erzählt er. „Ich kam in eine Kleinstadt in Iowa und dort in eine durch und durch kreative Gastfamilie. Einer meiner Gastbrüder schreibt Drehbücher, mein Gastvater ist Lichtdesigner und meine Gastmutter malt Porträts. Die ganze Stadt ist sehr künstlerisch ausgerichtet“. Fynn tritt der Märzing-Band bei, in der auch seine Gastbrüder aktiv sind. Er lernt Tuba spielen, verinnerlicht die Choreografie, nimmt mit der Band an Footballspielen und Paraden teil. Gegen Ende seiner Zeit in Iowa erhält er eine Rolle im Schulmusical. Wieder sind die Proben intensiv, die gemeinsame Arbeit wiederum enorm bereichernd, und wieder ist da dieses Gefühl: Das ist meins, das will ich machen.

Dranbleiben!
Die Rückkehr nach Hamburg ist nicht einfach – so wie es für viele junge Erwachsene schwierig ist, nach einem Auslandsjahr wieder im heimischen Alltag Fuß zu fassen und dabei die neu erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen nicht zu verlieren sondern auszubauen. Und das will Fynn auf jeden Fall: Er entscheidet sich für das Musikprofil der Oberstufe, nimmt Gesangsstunden, schreibt Songs und singt in einer kleinen Band. Rückhalt findet er nicht nur bei Freunden, sondern auch zu Hause. „Meine Mutter hat mich immer unterstützt, aber mich auch nicht im Zweifel darüber gelassen, dass dieser Beruf nicht zu den sichersten gehört und dass es wichtig ist, Alternativen zu haben“, weiß Fynn. Also legt er sich auch schulisch enorm ins Zeug – als Zweitbester seines Jahrgangs schließt er die Schule ab.

Es wird „ernst“
Jetzt kann es losgehen. Ernsthaft. Nach den Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft im letzten Sommer ist es klarer denn je: Fynn wird Musical-Darsteller. An mehreren Universitäten und Musical Schools will er sich bewerben, in Holland, Deutschland und den USA. Sein Favorit? „Am liebsten ginge ich in die USA“, sagt Fynn, aber dafür brauche ich ein Studien-Stipendium. Im Augenblick jobbt er. Und bereitet sich vor: Viel Einsatz ist nötig, um die „Auditions“, die anspruchsvollen Aufnahmeprüfungen, zu schaffen: Mehrere Lieder, Monologe und Tänze muss Fynn einstudieren, nimmt Gesangs- und Ballettstunden – Grundlagen in Gesang, Schauspiel und Tanz muss er vorweisen.
Hat Fynn einen Plan B, falls Plan A – was natürlich völlig unwahrscheinlich ist – nicht klappt? „Es gibt viele Möglichkeiten“, sagt er. „Dann beginne ich erst ein FSJ oder FÖJ und mache die Prüfung im nächsten Jahr wieder“. Und wenn alles schief geht? „Ich könnte mir auch vorstellen, Lehrer zu werden, dann am liebsten auch im künstlerischen Bereich, an Musik- oder Musicalschulen. Oder Regisseur oder Choreograf. Aber erstmal bleib ich dran: Mit vielen Menschen gemeinsam so etwas Schönes zu gestalten, die ganze Atmosphäre – das macht mich einfach glücklich.“

Mehr Info zur Ausbildung zum Musicaldarsteller und zum Beruf gibt es beispielsweise auf https://www.studycheck.de/berufe/musicaldarsteller und http://www.buehnenverein.de/de/jobs-und-ausbildung/berufe-am-theater-einzelne.html?view=27


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