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Rettung in Sicht? - Ausgabe 21.08.2019

Hilfsfristen für Feuerwehr und Rettungsdienst in Alstertal und Walddörfern oft nicht eingehalten

Alstertal/Walddörfer – Wer die 112 wählt, erhält schnelle Hilfe. So ist die allgemeine und berechtigte Erwartungshaltung in der Bevölkerung.
Von Oliver Spatz
Eine möglichst kurze Zeitspanne zwischen der Alarmierung von Feuerwehr beziehungsweise Rettungsdienst und ihrem Eintreffen am Einsatzort ist von hoher Bedeutung, um Menschenleben retten zu können. Oft zählt jede Minute.
In Hamburg gilt die Vorgabe, dass bei einem sogenannten kritischen Brand die ersten zehn Einsatzkräfte binnen einer Hilfsfrist von acht Minuten nach Alarmierung am Einsatzort sein müssen, die Ergänzungseinheit nach weiteren fünf Minuten. Ziel der Hamburger Feuerwehr ist ein „Erreichungsgrad“ von 85 Prozent, das heißt die genannten Zeitfenster sollen in 85 Prozent aller Einsätze eingehalten werden.
Auch für den öffentlichen Rettungsdienst – der in Hamburg zu den Aufgaben der Feuer­wehr zählt – gelten Hilfs­fristen. Denen zufolge soll ein Rettungswagen innerhalb von acht Minuten nach der Notrufaufnahme am Einsatzort eintreffen, ein Notarzt innerhalb von 15 Minuten.
Eine Kleine Anfrage des CDU-Innenexperten in der Hamburger Bürgerschaft, Dennis Gladiator, hat Erkenntnisse zu der Frage gebracht, wie es derzeit um die Reaktionsfähigkeit der Einsatzkräfte in der Hansestadt bestellt ist. Die Zahlen aus der Antwort des Senats machen für das Alstertal und die Walddörfer wenig Mut. 

Weitgehend unter Durchschnitt
Im Jahr 2018 schafften es Rettungswagen der Berufs­feuerwehr und der am öffentlichen Rettungsdienst beteiligten Organisationen meist nicht, innerhalb von acht Minuten den jeweiligen Einsatzort im Alstertal oder in den Walddörfern zu erreichen. Während dieses Zeitziel in Lemsahl-Mellingstedt in 60 Prozent der Einsätze erreicht wurde, waren es etwa in Wellingsbüttel 26 Prozent und in Wohldorf-Ohlstedt fünf Prozent. Nur Sasel sticht mit 79 Prozent heraus und liegt über dem Hamburger Schnitt von 65 Prozent – mutmaßlich wegen der dortigen Wache der Berufsfeuerwehr.
Besser sieht es bei der 15-Minuten-Frist für Notarzteinsatzfahrzeuge und Rettungshubschrauber aus. Dennoch liegen die Erfüllungsquoten im Nordosten auch hier fast durchweg unter dem Hamburger Schnitt von 91 Prozent. Schlusslicht ist Duvenstedt mit 80 Prozent, Spitzenreiter wiederum Sasel mit 93 Prozent.
Betrachtet man die Schutzzielerreichungsgrade der Feuerwehr im vergangenen Jahr, so weist der Standort Sasel bei der Erfüllungsquote sowohl der Acht-Minuten-Frist (36,8 Prozent) als auch der 13-Minuten-Frist (74,7 Prozent) den zweitniedrigs­ten Wert aller ­Hamburger Feuer- und ­Rettungswachen auf. Nur Finkenwerder schneidet jeweils noch schlechter ab.

Forderungen aus der Union
Für den CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis ­Thering ist die Botschaft eindeutig: „Damit Feuerwehr und Rettungskräfte in einer wachsenden Stadt die Sicherheit aller Hamburger gewährleisten können, müssen sie deutlich gestärkt werden. Während Rettungskräfte in manchen Stadtteilen fast immer binnen der vorgegeben Fristen an Einsatzorten eintreffen, müssen die Menschen bei uns im Alstertal und den Wald­dörfern deutlich länger auf Hilfe warten. Dies ist gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft, was zu zusätzlichen Einsätzen führt, absolut inakzeptabel.“ Die Erfüllungsquoten beim Eintreffen der Rettungskräfte müssten in jedem Stadtteil zu 100 Prozent erreicht werden, „denn das rettet Leben. Dazu braucht es mehr Rettungskräfte und weitere Rettungswachen nach dem Vorbild in Lemsahl-Mellingstedt“, nimmt der Alstertaler CDU-Chef Bezug auf die dortige Außenstelle der Saseler Rettungswache.
Beim Hamburger Senat weiß man um die keineswegs berauschende Lage und bezeichnet die Umsetzung der Erreichungsgrade als „eine kontinuierliche Aufgabe“. Zugleich aber wird darauf hingewiesen, dass statistisch ein Schutzziel zum Beispiel auch dann verfehlt ist, wenn ein Löschzug der Feuerwehr zwar innerhalb der vorgesehenen acht Minuten, aber nur mit neun statt zehn Einsatzkräften eingetroffen ist.
Ein bundesweiter Vergleich zeigt, dass in Hamburg kurze Hilfsfristen gelten, die zudem schon ab der Annahme eines Notrufs zu laufen beginnen, nicht wie in manchen anderen Bundesländern erst ab dem Ausrücken von Einsatzkräften.


fdjs