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Wo Fremde zu Freunden werden - Ausgabe 14.08.2019

Internationales Flair beim Open Day der Children’s International Summer Villages in Lemsahl

Lemsahl-Mellingstedt – Warum an Berührungsängsten, Vorurteilen, Ressentiments oder Unwissen festhalten, wenn es so einfach sein kann, einen Schritt auf den anderen oder nur anders aus­sehenden Mitmenschen zuzugehen? Die weltweit aktive Organisation der .„Children’s International Summer Villages“ (kurz: CISV) bietet Möglichkeit zu Begegnungen weltweit. Auch in Hamburg.
Von Robert Cherkowski
„Beim CISV gibt es keine Fremden. Es gibt nur Freunde, die man noch nicht ­kennengelernt hat“, betonte Katrin Becker, Vorstandsmitglied des Hamburger CISV-Chapters. Um aus Fremden Freunde zu machen, werden sich in den nächsten vier Wochen genug Gelegenheiten finden. So lange nämlich beziehen die jeweils vier Teilnehmer – zwei Jungen, zwei Mädchen – aus den teilnehmenden zwölf Gastnationen das CISV-Haus im Sarenweg in Lemsahl-Mellingstedt und das anliegende Gelände zum Camping.

Dolmetscher nicht immer nötig
Im Camp gibt es auch sogenannte Jaycees (sprich: „J.C.’s“ für „Junior Counsellors“), die ihrerseits aus unterschiedlichen Natio­nen kommen und im Zweifelsfall auch in dolmetschender Funktion eintreten, was aller Sprachvielfalt zum Trotz jedoch gar nicht so oft nötig ist, wie Nina Lund, Leiterin der Geschäftsstelle Hamburg, zu berichten weiß: „Zunächst treten die Kinder einfach so miteinander in Kontakt, wobei oft mit Händen und Füßen kommuniziert wird, wenn das Schulenglisch nicht weiterhilft. Wenn dies nicht reicht oder bei einer der täglichen Programmpunkte eine Hilfe dolmentschender Art gebraucht wird, ist dies ein Fall für die Jaycees, die den jungen Campern zur Seite stehen.“

Man wächst nie aus dem CISV heraus
„Wenn man dem CISV auch über die Kindheit hinweg treu bleiben will, kann man als Camper anfangen und später in der Jaycee-Funktion am Ball bleiben“, sagt Lund. Sie selbst lernte den CISV als Kind kennen und nahm 1989 an einer Reise nach Schweden teil. „Überflüssig zu erwähnen, dass dies einen ganz starken Eindruck auf mich gemacht und ich Teil davon bleiben wollte.“
Einst in Kalten-Kriegs-Zeiten gegründet, war die Institu­tion stets auf die Über­windung von Länder- und Ideologiegrenzen bedacht. Lund: „So haben wir damals schon eine Delegation von Teilnehmern aus der DDR vor Ort gehabt. Wenig später kamen noch andere Länder aus dem damaligen Ostblock hinzu.“
Der Kontakt über Grenzen hinweg ist nach wie vor ein Schwerpunkt. Noch immer finden sich Projekte zur Konfliktvermeidung auf der Tagesordnung. Das Gleichgewicht aus unbedarftem Spiel und ernstem Anlass soll gewahrt werden, doch gibt es immer wieder Themenschwerpunkte, wie in diesem Jahr das Thema „Klima“, die es in Wort und Tat zu ­behandeln gilt.

Selten so wichtig wie heute
Themen kommen, gehen, kehren wieder und gewinnen an Dringlichkeit. Das CISV selbst, gegründet von der US-Psychologin Doris Allen, existiert seit nun schon 69 Jahren und hat in den Jahren des Bestehens so manche Zeitwende erlebt. „Selten jedoch“, das betonte auch die Gastrednerin Melanie Leonhard, Hamburgs Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, zur Begrüßung, „war der Gedanke länderübergreifender Freundschaft, die im Zentrum des CISV steht, so wichtig und dringend wie heute.“ Dass die nach und nach in den Kreis tretenden Delegationen aus aller Welt den Geist des interkulturellen Brückenbaus verinnerlicht haben, mussten sie an diesem Tag nicht betonen.


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