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Im Zeichen von Familie, Sport – und Nudeln - Ausgabe 16.01.2019

Traditioneller Jahresauftakt beim Walddörfer Sportverein

Von Oliver Spatz

Volksdorf – Nudeln gehören in kochendes Wasser, klar. Die Gäste des Walddörfer Sportvereins wurden allerdings in kaltes Wasser geworfen, als sie auf der Zielgeraden des Neujahrsempfangs bunte Schwimmnudeln ausgehändigt bekamen.

Unter fachkundiger Anleitung von Nadja Lopatta absolvierten sie ein kurzweiliges Bewegungsprogramm light, das auch die Lachmuskeln einbezog. Statt eine sportliche Vereinsdarbietung zu bewundern, waren diesmal also die Gäste selbst gefordert, sich aktiv zu zeigen.
Knapp 300 Menschen fanden sich am vergangenen Sonntag im Walddörfer Sportforum ein. Das Thema des Empfangs 2019: „Familiensportverein“. Passend dazu moderierte die Tochter von Ulrich Lopatta, Vorstandsvorsitzender des Walddörfer SV, Beginn und Ende der Veranstaltung. Familie konnte aber auch weiter gefasst werden. So stellte Lopatta Hildegard von Karstedt vor. Seine frühere Grundschullehrerin stärkt heute mitsamt ihrer Familie nicht nur ihren Rücken im Klub. Erwähnung fand auch, dass sich der Walddörfer SV seit inzwischen 37 Jahren der Behindertenarbeit widmet. Wirkliche Integration, bemerkte der Vereinsboss mit Blick auf die Sportstadt Hamburg, sei allerdings erst geschafft, wenn Menschen mit Handicap schon an der Planung von Sportstätten und anderer Infrastruktur beteiligt würden.

Familie im Fokus

Um das Thema Familie prominent zu diskutieren, baten Lopatta und seine Vorstandskollegin Linda Kammer Hamburgs Familiensenatorin Melanie Leonhard (SPD) auf die Bühne. Zwar ist Sport dem Zuständigkeitsbereich von Innensenator Andy Grote (SPD) zugeordnet, doch verdeutlicht der Besuch der Senatorin, dass Sport mit seinen vielfältigen Anknüpfungspunkten eben auch wesentlich in eine Behörde wie die ihre ausstrahlt. Stefan Clotz, Coach und Berater unter anderem für Kinder­tagesstätten, komplettierte das Quartett.
Hauptamt stützt Ehrenamt im Sportverein, aber umgekehrt gilt es genauso. Angesprochen darauf, wann ehrenamtlicher Arbeit mehr Anerkennung etwa auf Zeugnissen zuteilwerde, berichtete Leonhard von entsprechenden Anstrengungen auf politischer Ebene. „Solches Engagement sagt zum Beispiel auch für die Uni mehr aus als mancher Notenschnitt“, bekräftigte die Senatorin unter Beifall.

Kindheit unter Druck

Wie sehr sich indes Erwachsensein und Kindheit verändert haben, skizzierte Stefan Clotz: „Kinder brauchen Orte und Zeiten, zu denen sie unbeobachtet sind. Waren sie in den 80ern im Schnitt noch vier Stunden am Tag allein, sind es heute kaum 20 Minuten.“ Viele Eltern stünden kurz vorm Burn-out. Beim Blick in die Terminkalender der Kinder wisse man, warum.
Leonhard bewertete Sportvereine als enorm wichtig – um sich körperlich zu betätigen, aber auch um zusammenzukommen, von ganz klein bis ins hohe Alter. Lopatta ergänzte, Vereine hätten teils die Funk­tion der Kirchen als soziale Dreh- und Angelpunkte übernommen, samt der Fähigkeit, die Jugend anzusprechen.
Einigkeit herrschte auf dem ­Podium darüber, dass Lernen Bewegung und Ruhe zugleich braucht. Apropos Bewegung: Seit September 2018 darf sich Hamburg als eine von wenigen Städten weltweit Global Active City nennen. In dem Bewegen innerhalb gemeinsamer Wertegemeinschaften sah Clotz denn auch die Kernbotschaft des Neujahrsempfangs. Das dürfte nicht nur Ulrich Lopatta freuen, der nebenher als Sprecher der Hamburger TopSportVereine fungiert – ist der Walddörfer SV doch seit 2017 auch Stützpunktverein für die Integration durch Sport.
Nach den Wassernudeln machten sich die Gäste über das reale Buffet her und tauschten sich über Gott und die Welt aus – und natürlich über den sport­lichen Jahresauftakt beim größten Sportverein der Walddörfer.


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