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Neun offene Wohnzimmer mit Basar-Charakter

Bürgermeister Scholz kam zur Präsentation des Siegerentwurfs fürs Begegnungshaus im neuen Quartier am Poppenbütteler Berg

Von Oliver Spatz

Poppenbüttel – Ein Ort im Selbstbau, an dem neue und alte Nachbarn zwanglos zusammenkommen, ein offenes Forum, das vielfältige Akti­vitäten ermöglicht – mit ­dieser Maßgabe wurde das Begegnungshaus frühzeitig ein ­wesentlicher Bestandteil der Quartiersplanungen am Poppenbütteler Berg/Ohlendieck.

Unter Leitung der Bürgerinitiative Poppenbüttel hilft e.V. und der HafenCity Universität war in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit künftigen Nutzern ein Konzept für das Haus entwickelt worden. 2016 und 2017 hatte auf dem Baustellengelände je eine Summer School stattgefunden. Alteingesessene Poppenbütteler, Studierende aus verschiedenen Ländern, Flüchtlinge mit bautechnischem Know-how und Mitglieder von Poppenbüttel hilft hatten zusammen Ideen entworfen und erprobt, ein Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben. Vergangene Woche Donnerstag stellte der Japaner Tamotsu Ito jetzt seinen siegreichen Entwurf für das Gebäude vor.

Scholz lobt Projekt

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte sich bereiterklärt, Schirmherr der Begegnungsstätte zu werden – „eine Tätigkeit, mit der man nicht die meiste Arbeit hat“, wie Scholz bei seinem Grußwort zugestand, „mit der man aber Sympathie und Zuneigung ausdrücken kann“. Der Bürgermeister wies in einer Zwischenbilanz der neu entstehenden Siedlung darauf hin, dass vor ein paar Wochen die ersten Flüchtlinge in zwei bereits fertige Wohnblöcke eingezogen sind (das Heimat-Echo berichtete), und würdigte in diesem Zusammenhang die starke Unterstützung von Poppenbüttel hilft auf dem Weg zu einem gemischten Quartier, das das städtische Unternehmen fördern und wohnen (f & w) samt öffentlich geförderten und frei finanzierten Wohnungen baut und auch betreiben wird. Speziell das Begegnungshaus, äußerte sich Scholz zuversichtlich, werde „einen Beitrag leisten zu anderen Orten in unserer Stadt“, und ergänzte: „Heute ist ein guter Tag, der zeigt, was Bürger zu leisten vermögen.“

Modulare Räume, verbunden mit Umgebung

Ausführlich erklärte Architekt Tamotsu Ito, was es mit seinem auserwählten Modell auf sich hat, und stellte vier Flüchtlinge vor, die maßgeblichen Anteil an dem Entwurf haben. Jeder von ihnen, so Ito, habe eine andere Profession und sich entsprechend eingebracht. In gemeinsamer Arbeit mit vielen anderen Beteiligten hat sich nach und nach eine Konstruktion von neun flexibel gestaltbaren und vielseitig nutzbaren „Wohnzimmern“ herauskristallisiert. Diese Zimmer – jedes erhält ein in­dividuelles Dach – sind locker miteinander verbunden. Aktivitäten innerhalb der Räume können sich ausdrücklich in die Flure ausbreiten, wodurch ein marktähnliches Miteinander entstehen soll. Generell wirkt das Gebäude überaus variabel und ist nach außen hin offen gestaltet, um die Umgebung einzubeziehen. Vieles, so Ito, entwickele sich noch im weiteren Prozess. Zumal die künftigen Nutzer kein fertiges Begegnungshaus bekommen, sondern sich an seinem Bau beteiligen – ein Wesenskern des durchaus ambitionierten Vorhabens.
Für Irritation sorgte, dass Thomas Littmanns Redebeitrag mit Blick auf die Uhr seitens f & w kurzerhand gestrichen wurde. Vor dem Veranstaltungszelt hatte der Vorsitzende von Poppenbüttel hilft aber dann doch noch Gelegenheit, dem Bürgermeister und weiteren Anwesenden einen Bollerwagen als Geschenk an die Flüchtlinge zu präsentieren. Der soll Eltern ermöglichen, sich mit ihren Kindern auf dem weitläufigen Gelände ein Stück Mobilität selbst zu schaffen. Einen zweiten Bollerwagen gab es als Bausatz, getreu dem vor Ort gelebten Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“.


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