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Erste Flüchtlinge ziehen am Poppenbütteler Berg ein

Erste zwei Wohnblöcke fertiggestellt. Neues Quartier nimmt weiter Form an. Stabiles Miteinander im Stadtteil angestrebt

Von Oliver Spatz

Poppenbüttel – Ortstermin am Poppenbütteler Berg. Eigentlich heißt es hier inzwischen Ohlendieckshöhe, ein Straßenschild fehlt noch. Post und Müllabfuhr kommen aber schon. Ein Polizist auf Fußstreife schaut nach dem Rechten. Fragt auch sofort freundlich, aber wachsam, wer man denn sei. Presse, aha, in Ordnung.

Eine riesige Baustelle, wo im Frühjahr 2016 lediglich Bauzäune standen. Die ersten zwei Wohnblöcke sind fertig. Jeweils viergeschossig, das eine hat noch ein zurückgesetztes Staffelgeschoss obendrauf.
Seit Anfang November sind die ersten 120 Flüchtlinge eingezogen. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und dem Iran. Manch einer von ihnen hat zuvor statt der vorgesehenen maximal sechs Monate ganze zwei Jahre in einer Erstaufnahme gehaust, berichtet Thomas Littmann, Vorsitzender des Vereins „Poppenbüttel hilft“. Nun leben 30 allein geflüchtete Menschen in Wohngemeinschaften und 90 im Kreis ihrer Familien.
Das Sozialmanagement von Fördern und Wohnen (f & w), dem Träger und Investor der Einrichtung, ist bereits vollzählig vor Ort, um die vielen kleinen und großen Fragen von der Wohnungsausstattung bis zur Ummeldung zu begleiten.

Basisausstattung vorhanden

Fotos aus dem Inneren der Häuser erlaubt f & w nicht. Die Wohnungen sind hell und modern. Eine Grundausstattung ist vorhanden: ein Stuhl, ein Metallbett und ein 60 Zentimeter breiter Schrank pro Bewohner, ein Tisch für je vier Personen, dazu steht ein Kühlschrank bereit, die Küche samt Herd funktioniert. Was recht spartanisch wirkt, hat natürlich finanzielle, aber auch politische Gründe, gewährt Gudrun Herbst, Lei­terin des f & w-Sozialmanagements vor Ort, Einblick. Schnell heiße es sonst wieder, „die Flüchtlinge bekommen eh alles“. Aber, sagt sie, „eine neue Wohnung ist auch eine Botschaft“. Und doch fehlt eben vieles – Gardinen etwa, mit denen so etwas wie Privatsphäre möglich wird. Aus dem Kreis der Poppenbütteler Bevölkerung gehen bereits erste Angebote zur Unterstützung ein. Möbel werden am dringendsten benötigt. „Poppenbüttel hilft“ verfügt nicht über Lagerräume, vermittelt aber gern zwischen Spendern und ­den dankbaren Empfängern. Der schnellste Weg: sachspenden@poppenbuettel-hilft.de.

Blumen und Stadtplan zum Einzug

Bereitwillig zeigt uns ein irakischer Flüchtling seine neue Wohnung. Er spricht ein wenig Deutsch, die Verständigung klappt mal besser, mal schlechter. In drei Zimmern lebt er nun mit seiner Frau und den drei Kindern. Noch ist vieles provisorisch. Ob sie hier zufrieden sind? Er nickt.
„Poppenbüttel hilft“ hat die neuen Nachbarn mit Blumen willkommen geheißen und einem in Deutsch, Englisch und Arabisch abgefassten Stadtplan. Dieser stellt alle relevanten Anlaufpunkte im Stadtteil dar, von Ärzten und Apotheken über Schulen und Kindergärten bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Fortan bietet der Verin gemeinsam mit f & w ­einen wöchentlichen Jour fixe an, bei dem es um Hilfestellungen, Problemlösungen und Unterstützung bei der Ausstattung der Wohnungen gehen wird.

Für stabile Verhältnisse

Ende 2019 müssten gemäß dem 2016 abgeschlossenen Bürgervertrag etwa 40 Prozent der Flüchtlinge ihre Wohnungen wieder verlassen, gibt Littmann zu bedenken: „Es darf aber nicht passieren, dass man die Leute ohne eine gleichwertige Alternative hier rauswirft.“ Insgesamt habe sich die Stimmung seit Planungsbeginn 2015 sehr positiv verändert, es gebe viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Und dennoch: „Die Annahme, dass es keinerlei Schwierigkeiten geben wird, ist weltfremd“, so Littmann. Nie dürfe man die persönlichen Biografien samt traumatisierenden Fluchterlebnissen aus den Augen verlieren. Umso mehr arbeiten die rund 150 Mitglieder seiner Initiative an dem Ziel, stabile Verhältnisse im Stadtteil aufzubauen, Austausch zwischen alten und neuen Nachbarn zu befördern. Etwa beim Sprachunterricht: „Der muss nicht nur im Klassenzimmer stattfinden, sondern zum Beispiel auch im Wohnzimmer bei einer Tasse Tee.“

Der weitere Zeitplan

Am 30. November kommt der Erste Bürgermeister, um den siegreichen Entwurf des Ar­chitektenwettbewerbs zum Begegnungshaus vorzustellen, das auf Initiative von „Poppenbüttel hilft“ von Flüchtlingen, Studenten, Gewerbeschülern, Nachbarn und weiteren Unterstützern gemeinsam gebaut wird.
308 Wohneinheiten werden es sein, wenn alle 21 Mehr­familienhäuser im kommenden Sommer fertig sein sollen. Schon jetzt aber besteht dringender Handlungsbedarf, was den Ausbau von Taktung und Abendfahrplan der Buslinie 176 angeht, formuliert Littmann eine klare Erwartungshaltung an den HVV.
Im Februar 2018 sollen laut f & w alle Flüchtlinge ihre ­Wohnungen bezogen haben. Ab März sollen die angrenzenden Sozialwohnungen bezogen werden und im August der Bezug der letzten frei finanzierten Wohnungen am Kramer-Kray-Weg abgeschlossen sein. Ein „gemischtes Quartier“ also, wie im Bürgervertrag festgeschrieben.
Für Silvester 2018 ist mit ­Bezirksamtsleiter Thomas ­Ritzenhoff fest vereinbart, im ­Begegnungshaus zu feiern – Littmann ist zuversichtlich, dass es klappt.


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