Home » Weniger Grundstücke in Sasel überschwemmungsgefährdet

Trotzdem angeblich 77 Häuser von Wassermassen bedroht

Weniger Grundstücke in Sasel überschwemmungsgefährdet

Sasel - Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hatte im Sommer vergangenen Jah­res Überschwemmungsgebiete für Hamburg festgelegt. In diesen Gebieten war es den Grundeigentümern fortan erheblich erschwert bis unmöglich, Veränderungen auf ihren Grundstücken oder an ihren Häusern vorzunehmen. Das sorgte in einigen Stadtteilen, auch an der Berner Au, für lautstarken Protest (das Heimat-Echo berichtete).

Die schnell gegründete Nachbarschaftsinitiative „Kein ÜSG Berner Au“ wies bei unterschiedlichen Witterungszuständen nach, dass in diesem Bereich keinerlei Überschwemmungen auftreten. Im Gegensatz zu benachbarten Gewässern, die bei stärkeren Niederschlagsverhältnissen über die Ufer traten, blieb es im Umfeld der Berner Au trocken. Behörde und Politik versprachen eine Prüfung des Überschwemmungsgebietes. Jetzt kam das Ergebnis, das für Verwunderung und Enttäuschung sorgte: Statt bisher 115 Immobilien unterliegen jetzt nur noch 77 Häuser und Grundstücke den Einschränkungen, die in Überschwemmungsgebieten gelten. Die ermittelte überschwemmte Fläche reduziert sich damit von 43 auf 32 Hektar.

Strikte Gesetzeslage

Dazu die Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Blömeke von den „Grünen“ aus Wohldorf-Ohlstedt: „Ich bin erleichtert, dass durch die Nachberechnung immerhin 38 Wohngebäude jetzt nicht mehr betroffen sind. Der Politik ist es jedoch nicht möglich, das ganze Gebiet aus der Festsetzung als Überschwemmungsgebiet zu entlassen. Auch nach erneuter Prüfung bleibt es leider dabei, dass Paragraph 78 des Wasserhaushaltsgesetzes diese Ausweisung vorschreibt. Erst nach der Festsetzung können Maßnahmen zum Hochwasserschutz getroffen werden, so dass bei einer Neuberechnung, die alle sechs Jahre vorgesehen ist, weitere Häuser aus dem ÜSG-Gebiet entlassen werden könnten.” Sie verweist auch darauf, dass mit Anwohnern – entgegen den Behauptungen der Bürgerinitiative Berner Au – mehrere Ortsbesichtigungen und auch Gespräche geführt und Hinweise der Anwohner in die Neuberechnung aufgenommen worden seien. Blömeke weiter: „Die Hoffnung der Anwohner, dass die Berner Au aufgrund der Neuberechnungen komplett aus der Liste der Überschwemmungsgebiete herausfällt, hat sich damit nicht erfüllt, denn es bleiben immer noch 77 Gebäude im ÜSG-Gebiet. Ich kann verstehen, dass die weiterhin betroffenen Bürger jetzt enttäuscht sind, aber unser Handlungsspielraum ist leider aufgrund der Gesetzeslage gering.“ Entlastung und Enttäuschung lägen hier nahe beieinander. Es sei aber gut, dass die Umweltbehörde mit ihrem Leitfaden und weiteren Festsetzungen dafür gesorgt habe, dass ein hohes Maß an Transparenz gegeben sei, und dass die Auswirkungen auf die Anwohner so gering wie möglich gehalten würden.

Ein Schildbürgerstreich?

Deutlich anders sieht das der Alstertaler Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Thering von der CDU: „Ich verstehe den Unmut der betroffenen Anwohner. Es ist nicht damit getan, wenn das Überschwemmungsgebiet verkleinert wird. Die Ausweisung als solches war, ist und bleibt ein Schildbürgerstreich und muss umgehend rückgängig gemacht werden.“ Die Grünen, die diesen Begriff noch 2014 selbst verwendet hätten, seien nun voll auf Kurs ihres großen Koalitionspartners.
„Wenn es der Preis für ein paar Kilometer Fahrradstraße im Jahr wert ist, die Glaubwürdigkeit der Partei aufs Spiel zu setzen, dann weiter so. Einen kleinen Bach, der die meiste Zeit des Jahres trocken liegt, als Gefährdung einzustufen, klingt in den Ohren der Bürger wenig glaubhaft“, so Thering. Hier zeige sich die „selbstherrliche Politik“ des rot-grünen Senats. „Diese Art von Politik setzt sich auch bei der Flüchtlingsunterbringung in den Stadtteilen fort, die keine Beteiligung und keinen Dialog vorsieht. Für mich ist das eine unmögliche Art Politik zu machen. Ich verstehe daher die Reaktion der Initiative „Kein ÜSG Berner Au“, wenn diese sich mit einer Verkleinerung des unnötig ausgewiesenen Überschwemmungsgebietes nicht zufrieden gibt“, sagt Thering. Es sei an der Zeit, dass der rot-grüne Senat anfange zu regieren und sich nicht nur damit begnüge, seine anvertrauten Hamburger Bürger abzuspeisen. (ed)