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Neue Chance für Über­schwemmungsgebiet in Sasel?

Kritik an der Ausweisung des Überschwemmungsgebietes Berner Au von vielen Seiten – kommt jetzt die komplette Wende?

(ed) Seit die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) im Frühsommer vergangenen Jahres das Gebiet um die Berner Au in Sasel zum Überschwemmungsgebiet (ÜSG) erklärt hat, wächst die Kritik bei den Anwohnern und in der Politik. Die BSU verweist bei ihrer Entscheidung auf eine EU-Verordnung, Betroffene und Politiker beklagen die massiven Auswirkungen (das Heimat Echo berichtete).
Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die Krögerkoppel in Sasel, deren Grundstücke unmittelbar am geplanten ÜSG liegen, endgültig hergestellt werden soll. Eine solche bauliche Maßnahme wird zu 90 Prozent von den Anwohnern getragen, sie müssen mit Rechnungen im fünfstelligen Bereich rechnen.

Endgültige Herstellung der Krögerkoppel ausgesetzt?

Unabhängig von den Klagen über das ÜSG will die rot-grüne Bezirksregierung in der Bezirksversammlung Wandsbek jetzt dafür sorgen, dass die endgültige Herstellung der Straße Krögerkoppel ausgesetzt wird – zunächst soll abgewartet werden, bis die BSU das Überschwemmungsgebiet verbindlich ausgewiesen hat.
„Dies macht vor allem auch deshalb Sinn, weil noch gar nicht klar ist, wie und ob auch eine Ausweisung als ÜSG noch Auswirkungen auf die Straßenplanung haben wird. Wir möchten nicht noch mehr Verunsicherung bei den Grundeigentümern und Anliegern hervorrufen, als dies ohnehin schon der Fall ist. Andere notwendige Maßnahmen können daher aus unserer Sicht vorgezogen werden”, so André Schneider, Regionalsprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Wandsbek.
Dennis Paustian-Döscher, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksversammlung Wandsbek: „Erst wenn klar ist, wie es vor Ort weitergeht, und nach Inkrafttreten einer Verordnung über die Festsetzung des Überschwemmungsgebietes Berner Au soll der Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr über die Wiederaufnahme der Maßnahme Krögerkoppel in das EEH-Arbeitsprogramm beraten. Die Grundeigentümer und Anwohner werden in den weiteren Planungsprozess selbstverständlich eingebunden und können ihre Wünsche mit einbringen.”

Politik fordert nochmalige gründliche Prüfung

Unabhängig von einer möglichen endgültigen Herstellung der Krögerkoppel fühlen sich die Betroffenen von der Verwaltung alleingelassen. Während der Regenperioden vor Weihnachten und zu Beginn des neuen Jahres traten zahlreiche kleinere Gewässer über ihre Ufer – nicht aber die Berner Au. Das haben sie dokumentiert.
Dr. Andreas Dressel, Fraktions­vorsitzender der SPD in der Bürgerschaft: „Ich kann den Ärger der Anlieger über die Informationspolitik der Behörde weiterhin gut verstehen. Ich bin in sehr ernsten Gesprächen mit der Behörde und erwarte, dass aufgrund der Einwendungen alles nochmal auf den Prüfstand kommt, und  alle vom Gesetz her möglichen Spielräume auch ausgeschöpft werden.”
Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen lädt für Sonntag, den 25. Januar um 11 Uhr zu einem Rundgang an der Berner Au mit Christiane Blömeke und Jens Kerstan ein. Gemeinsam wollen sie mit Betroffenen und Interessierten über die Ausweisung der Überschwemmungsgebiete ins Gespräch kommen und sich vor Ort informieren.
Christiane Blömeke: „Das Thema ist bei uns hoch aufgehängt und darum ist es wichtig, dass der Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat sich selbst direkt vor Ort ein Bild macht. Zu Recht kämpfen die Betroffenen um Gehör und um Lösungsmöglichkeiten. Das sie jetzt ein Bürgerbegehren eingereicht haben, ist nur folgerichtig und zeugt von der desolaten Politik der Fachbehörde unter Senatorin Blankau. Es kann nicht sein, dass die Menschen an der Berner Au einseitig die Folgen der zunehmenden Bebauung mit der dazugehörigen Entwässerung tragen müssen. Hier sind weitere Ideen zur Entwässerung und zum Hochwasserschutz gefragt, doch genau an diesem Etat hat der Senat im kommenden Haushalt gekürzt.”

Neue Planung

Jetzt könnte sich die bisherige Sachlage entscheidend verändern. Die BSU wird eine vollständige Überprüfung der Überschwemmungsgebiete mit einer erneuten Berechnung der Festsetzungen vornehmen. Das könnte bedeuten, dass die Berner Au kein Überschwemmungsgebiet werden würde.
Dazu Dr. Andreas Dressel: „Die Planungen werden damit noch einmal komplett auf den Prüfstand gestellt, das finde ich gut. Das ist auch ein sichtbares Entgegenkommen gegenüber den Initiativen vor Ort. Die Einwendungen wurden nicht, wie einige befürchtet hatten, einfach vom Tisch gewischt, sondern sind Anlass für eine vollständige Überplanung der bisherigen Festsetzungen. Das Engagement vor Ort und unsere Interventionen haben damit noch einmal richtig Bewegung in dieses Thema gebracht. Was dabei herauskommt, wird man erst am Schluss sagen können. Da geht jetzt Gründlichkeit vor Schnelligkeit.”