Willkommen in den Walddörfern und im Alstertal

Bei den kleinen Entdeckern vom Wichelnbusch

23. Juni 2021

Im Waldkindergarten werden Erfahrungen zum Schatz fürs Leben

VOLKSDORF Eine kleine Hütte, eine Feuerstelle und ganz viel Natur drum herum – das ist der Waldkindergarten Wichelnbusch. Eine Gruppe von 20 Kindern wird dort, sommers wie winters, von drei Erziehern betreut. Oft geht es auf Entdeckungstour, heute bleiben zu Ehren des Heimat-Echo-Besuchs alle auf dem Gelände

Von Anja Krenz

Im Morgenkreis, der um 8.45 Uhr bereits vorbei ist, haben die Kinder erfahren, dass heute jemand von der Zeitung kommt. Ich werde freudig begrüßt und zu den drei Erziehern geführt. Wir nehmen auf kleinen Hockern aus Baumstämmen Platz, die rund um die Feuerstelle gruppiert sind. Trotz der Aufregung fangen die Drei- bis Sechsjährigen schnell an, sich miteinander zu beschäftigen, sodass wir „Großen“ uns in Ruhe unterhalten können. Die kleine Hütte, erfahre ich, werde „ganz wenig genutzt“ und diene vor allem als ruhiger Rückzugsraum zum Büchergucken. Strom gibt es nicht, nur „fließend Regenwasser“.

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Bilderbuch-Kino – Barbara Stobbe veranstaltet auf Wunsch der Kinder eine kleine Vorleserunde. Foto: Anja Krenz

An den wenigen ganz kalten Tagen wird auch mal der Holzofen angeschmissen, damit die Kinder, immer noch im Schneeanzug, aber ohne Mütze und Handschuhe, dort malen und schnippeln können. Wenn sie es möchten. Auf die Frage, warum Eltern ihr Kind bei Wind und Wetter in einen Waldkindergarten schicken, antwortet Gruppenleiterin Barbara Stobbe: „Weil die Kinder hier so viel Weite haben und sich treiben lassen dürfen.“ Für das Erzieherteam ist „der Naturraum der weltbeste Pädagoge überhaupt.“ Er sei vielfältig und könne sinnlich wahrgenommen werden.

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Die Matschküche: Ben und Florin „stellen Brot und Kakao in einer Fabrik her“. Foto: Anja Krenz

Regeln und der Umgang mit Widerständen ergäben sich von alleine, sei es die Pfütze, die zu nassen Füßen führt, oder der Baum, „auf den man raufkommt oder eben nicht.“ Die Kinder könnten daran wachsen und lernen, damit umzugehen. Feste Regeln und sogar Verbote gebe es selbstverständlich auch, sagt Stobbe: zum Beispiel kein Werkzeug aus dem Bauwagen tragen. Es darf geschnitzt werden, aber nur mit Handschuhen und im Sitzen. Die Kinder dürften, nachdem sie Bescheid gesagt haben, das Grundstück verlassen, müssten aber an sogenannten Haltepunkten stoppen. Das funktioniere laut Stobbe „nicht immer, aber durch Grenzüberschreitungen lernt man. Und über Konflikte baut man Beziehungen auf.“ Um so arbeiten zu können, sagt sie, sei das Allerwichtigste, die Kinder wirklich kennenzulernen und in Beziehung zu gehen. Eltern äußerten manchmal die Bedenken, dass ihr Kind nicht lerne stillzusitzen. Die Erfahrung zeige jedoch, dass sich die Kinder gut konzentrieren könnten, mit sich ganz und gar im Reinen seien und später auch gut in der Schule mitkämen. „Sich zu sammeln lernt man in der Natur eher als im Raum mit 20 Kindern“, ist die Sozialpädagogin überzeugt. Der Waldkindergarten sei ein Raum, in dem man selber etwas für sich entdeckt, das einen anzieht, anregt, inspiriert und Interesse weckt. Als mal ein Junge Knochen im Wald fand, wurden diese eingesammelt und später zusammengesetzt, bis ein ganzes Rehskelett vor der Gruppe lag. Ein Erlebnis fürs Leben.

Waldkindergarten Wichelnbusch
Hervorgegangen aus dem 1973 gegründeten Kinderladen 73 e.V. Träger ist das Kinderhaus Rahlstedt. 2004 stellten die Pfadfinder das Grundstück am Wichelnbusch zur Verfügung. Betreuungszeit: werktags zwischen 8 und 13 Uhr. Infos unter www.waldkinder-wichelnbusch.de

Last modified: 23. Juni 2021

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