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375.000 Euro für den Brandschutz, ­damit das Sasel-Haus sicher bleibt - Ausgabe 08.08.2018

Sasel – Als „wunderbare Stadtteilkultur-Einrichtung“ wurde das Sasel-Haus vergangene Woche innerhalb der eigenen Mauern betitelt, und es „strahle weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus“, wurde es gerühmt.

Doch es war nicht etwa ­Geschäftsführer Friedemann Boltes, der dies über „sein“ ­Sasel-Haus sagte. Die Bürgerschaftsabgeordneten Chris­tiane Blö­meke (Grüne) und ­Isabella Vértes-Schütter (SPD und Intendantin des Ernst-Deutsch-Theaters) waren ins Sasel-Haus, eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude des Stadtteils, gekommen: „Wir werden bis zu 375.000 Euro hier investieren“, so die Poli­tikerinnen. Aus dem „Sanierungsfonds 2020“ der Stadt sollen dringend nötige Auflagen des Brandschutzes erfüllt werden. Wann die Arbeiten beginnen, steht allerdings noch nicht fest. Zuvor müssen weitere Papierberge bewegt werden.
„Es ist wunderschön – aber auch eine alte Dame. Seit fast 40 Jahren hat Kultur hier einen festen Platz“, attestierten die Anwesenden dem Sasel-Haus, das früher eine Schule war. Seit der vergangenen Spielzeit können bei Konzerten nur noch 412 Sitzplätze verkauft werden, 50 weniger, als eigentlich Besucher einen Platz finden würden. Der Grund: keine ausreichenden Fluchtmöglichkeiten. Ein bisher als Atelier genutzter Raum wurde zum Archiv umfunktioniert. Auch dies machten die Auflagen der Feuerwehr nötig. „Das alles haben wir als ganz ernste Bedrohung empfunden“, so die weitere Geschäftsführerin Christine Weiß. Sie ist für Personal und Finanzen im Sasel-Haus zuständig und bildet mit Friedemann Boltes, der für die Veranstaltungen verantwortlich ist, und Angela Dieseldorff für den Kindergartenbereich die Geschäftsführung.
Nun wird jedoch nach vorn geschaut: „Unsere Hoffnung ist, in den nächsten Sommerferien die Umbauten – zu denen auch neue Wände und eine Fluchttreppe außen am Gebäude gehören – fertigstellen zu können“, erklärt Weiß. Nur diese Zeit steht zur Verfügung. Sonst müssten vielleicht sogar Veranstaltungen ausfallen, was nicht nur die 300 Abonnenten der Kammermusikreihe verärgern würde.
„Wir alle wissen: Sie sind nicht nur kulturpolitisch von herausragender Bedeutung“, so Isabella Vértes-Schütter. „Es ist unser erklärtes Ziel, die Zugänge zu Kunst und Kultur für alle offen zu halten. Die Herkunft ist dabei egal.“ Der Stadtteil sei nun einmal „der Humus, aus dem alles wächst“, so die Bürgerschaftsabgeordnete. „Wir bilden hier nicht nur den Humus, aus denen junge Leute an die Kultur herangeführt werden, wir sind auch gerade für Senioren wichtig, die keine weiten Wege in die Innenstadt mehr auf sich nehmen können“, ergänzte Boltes.
„Mängel, mit denen niemand rechnen konnte“, so wird das jetzige Problem unisono beschrieben. Dabei hatte es im Januar 2016 bereits 100.00 Euro aus dem Sanierungsfonds gegeben: „Was den Finanzierungsbedarf nur teilweise abgedeckt hat. Teile der Mittel wurden unter anderem für die Installation einer Brandmeldeanlage und Notausgangsbeleuchtung eingesetzt“, lautet die Erklärung im Antrag, der nach der Sommerpause in der Bürgerschaft vermutlich eine Mehrheit finden wird, gemeinsam eingebracht von Abgeordneten der SPD und den Grünen. Hamburgs Kultursenator Dr. Carsten Brosda unterstützt den Antrag ebenfalls.
Den Sanierungsfonds, aus dem das Geld nun entnommen wird, gibt es seit gut sieben Jahren. Viele hätten seither davon profitieren können: „Etwa 55 Millionen Euro sind insgesamt seit 2011 in die Sanierung von Kulturinstitutionen geflossen“, erklärt Vértes-Schütter. Im Doppelhaushalt 2017/2018 waren zunächst 30 Millionen Euro veranschlagt worden: „Inzwischen ist der Fonds noch einmal um 18 Millionen aufgestockt worden.“
Große Einrichtungen der Stadt haben davon profitiert – die Deichtorhallen etwa oder das Planetarium, das Thalia Theater und das Deutsche Schauspielhaus – aber eben auch kleinere Häuser wie der Kulturpalast Billstedt oder das Brakula in Bramfeld. Und auch in den Walddörfern kam Geld bereits an: Die Grundsanierung des Allhorn-Stadions in Volksdorf wurde ebenso bezuschusst wie die neue Bücherhalle.
Christiane Blömeke verbindet indes ihre ganz eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Sasel-Haus: „Vor gut 30 Jahren war ich hier zum Geburtsvorbereitungskurs und zum Mutter-Kind-Turnen. Daran erinnere ich mich gerne zurück.“ So wird hoffentlich das Sasel-Haus auch weiterhin als Ort für Menschen jeden Alters und mit ganz unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen erhalten bleiben. (büh)


fdjs