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Einmal inspizieren, bevor es losgeht - Ausgabe 08.08.2018

Belegung der neuen Folgeunterkunft in Volksdorf beginnt. Hilfe rollt an. Kindergarten eröffnet Ende September

Von Oliver Spatz

Volksdorf – Seit Dienstag ­ziehen die ersten Flüchtlinge in der neu errichteten Folgeunterkunft an der Eulenkrugstraße 199 ein. Zuvor nutzten am Donnerstag vergangener Woche zahlreiche Volksdorfer die Gelegenheit, auf Einladung des Betreibers fördern und wohnen (f&w) das Gelände zu erkunden.

Neben den Räumlichkeiten für Verwaltung sowie gemeinschaftliche und ehrenamtliche Aktivitäten standen zwei Wohnhäuser zur Besichtigung offen. Karlheinz Baumann leitet das Team des Sozial­managements. Mit drei Mitarbeitern und zwei Hausmeistern ist er fünf Tage pro Woche vor Ort und fungiert als Ansprechpartner für die Bewohner und das Umfeld der ­Unterkunft. Etwa 30 Menschen werden pro Woche einziehen, bis die Maximalbelegung von 260 erreicht ist.
Die Relation zwischen Familien und Alleinstehenden – ein irreführender Begriff, da viele bereits Familie in ihren Herkunftsländern haben – soll wie angekündigt bei 60:40 liegen. Die neuen Bewohner kommen aus unterschiedlichen Hamburger Erstaufnahmen und stammen zunächst vor allem aus Afghanistan und dem Iran. Voraussichtlich haben viele einen ­Duldungsstatus, was nach deutschem Aufenthaltsrecht die „vorübergehende Aussetzung der Abschiebung“ bedeutet. Die f&w-Verantwort­lichen erfahren oft erst einen Tag vorher, wer einziehen wird. Jeder ­Neuankömmling erhält zum Einzug einen Begrüßungs­ordner mit Informationen zu örtlichen Gegebenheiten.

Erst mal eingewöhnen

Franziska Amaraegbu, zuständige f&w-Bereichsleiterin, bittet darum, sowohl dem Betreuungsteam als auch den neuen Bewohnern Zeit zu ­lassen. Den groben Ablauf skizziert sie so: erst einziehen lassen, dann Kinder und Jugendliche auf Schulen und Kindergärten verteilen und wenn sich der genaue Bedarf herauskristallisiert, konkrete Hilfe organisieren. Die Häuser bestehen aus Wohnungen für vier bis sechs Personen, die stets in Zweibettzimmern untergebracht sind. Die vorhandene Grundausstattung ist in allen Häusern ähnlich: je Doppelzimmer zwei Betten, zwei Stühle, zwei Schränke und ein Tisch, die ­Küche mit Spül­becken und Ofen/Herd, dazu Kühlschränke für je zwei Personen, schließlich Badezimmer. Den Rest müssen die Bewohner in Eigenregie oder mithilfe von Sachspenden organisieren, die über die Einrichtungsleitung verteilt werden.
Wie bei Folgeunterkünften im Gegensatz zu Erstaufnahmen üblich, wird das Gelände an der „Eule 199“ nicht bewacht. Neben der Zuwegung von der Eulenkrugstraße soll es auch vom Tonradsmoor einen Zugang zum Areal geben. In dieser Richtung liegt auch der entstehende Sportplatz.
Bereits fertiggestellt ist der Spielplatz zwischen den Unterkunftshäusern. Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich die Kindertagesstätte „Tonrads­­moor“, die in Modulbauweise jüngst rasch hochgezogen wurde. Künftig sollen hier 50 bis 60 Kinder in drei Gruppen – Krippe, Elementarbereich und beide Altersgruppen gemischt – betreut werden. ­Betreiber ist der Hamburger Schulverein von 1875 e.V., der in Wurfweite auch die Kita auf dem ehemaligen Ferck’schen Hof unterhält. Ein Verbindungsweg zwischen beiden Einrichtungen soll folgen. Durchmischung, was die Herkunft der Kinder angeht, ist am neuen Standort ausdrücklich erwünscht. Es gibt bereits Anmeldungen von außerhalb der Unterkunft. Ende September soll Eröffnung gefeiert werden.

Veränderung im Stadtteil?

Abzuwarten ist, wie sehr sich durch die zunehmende Unterkunftsbelegung eine Veränderung im Volksdorfer Stadtbild bemerkbar machen wird, ob sich der allgemeine Verkehr von der Unterkunft vor allem zum nahen U-Bahnhof Buchenkamp und dem dortigen Discounter oder eher in Richtung des weiter entfernten Ortskerns bewegen wird.
SPD-Regionalsprecher Peter Pape erklärte gegenüber der Heimat-Echo-Redaktion, Sorgen von Anwohnern sollten nicht unbegründet vom Tisch gewischt werden. Einige flankierende Angebote seien bereits in die Wege geleitet worden, zum Beispiel in Koopera­tion mit dem Walddörfer Sportverein und dem Jugendzentrum „Manna“. Inzwischen haben sich auch mehr als 100 Menschen auf der Unterstützerliste der Initiative „Volksdorf hilft“ eingetragen. Christine Garbe von der Flüchtlingskoordination des Bezirks­amts Wandsbek nannte gegenüber dieser Zeitung denn auch einen ersten größeren Termin: Auf Einladung von f&w und Bezirk soll es am 11. September um 18 Uhr auf dem Gelände um direkte, praktische Hilfsangebote gehen.


fdjs