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Quartiersbeirat findet sich zusammen - Ausgabe 11.07.2018

Viele Meinungen zum neuen Wohngebiet am Butterbauernstieg. Anwohner vom Tegelsbarg und Umgebung können sich einbringen

Von Florian Büh

Poppenbüttel – Erste Sitzung des Quartiersbeirats Tegelsbarg: Etwa 50 Teilnehmer kämpfen zum Teil leidenschaftlich für ihr Quartier am Tegelsbarg, fordern dazu auf, den Bereich durch Cafés und Läden schöner zu machen, wünschen sich eine schnellere, flexiblere Politik – gerade in Fragen der Schule und Ärzteschaft.

Wünsche, die weitergetragen werden sollen: „Wir wollen das Quartier aufwerten. Nicht nur für Geflüchtete. Für alle Bewohner. Neue wie alte“, erklärt Dajana Schröder. Die Projektleiterin der beauftragten BIG Städtebau GmbH fordert alle Anwohner auf, sich mit Wünschen und Meinungen zu melden: „Derzeit beziehen wir das Stadtteilbüro Johannes-Büll-Weg 5. Im August sind wir vor Ort erreichbar.“ Die Räume sind nur kurzfristig Anlaufstelle, bald geht es auf den Norbert-Schmid-Platz: „Da die Kneipe Nordlicht ausgezogen ist, können wir diese Räume übernehmen, sobald sie hergerichtet sind.“

Flüchtlinge und Verkehr im Fokus

Im Kern ging es beim ersten Treffen des Quartiersbeirats, der in der Philemon-Gemeinde tagte, vor allem darum, alle Bewohner auf einen Stand zu bringen. Die Ziele und Möglichkeiten des Beirats sollten vermittelt werden. Durch die 364 neuen Wohneinheiten, die dort geschaffen werden, sehen manche neue Herausforderungen: Ob offen oder hinter vorgehaltener Hand – einige Anwohner sehen vor allem Probleme durch die knapp 90 sperrig als „Unterkünfte mit der Perspektive Wohnen“, kurz UPW, errichteten Wohnungen für Geflüchtete. Nach 15 Jahren sollen diese dem freien Mietmarkt zugeführt werden. Ebenso wie die bereits 182 dort entstehenden frei finanzierten Wohnungen. Zudem entstehen 91 Sozialwohnungen im neuen Quartier. Ein Anwohner merkte an, dass es schwierig sei, allein die Verkehrsführung zu verstehen. Würde es nur den neu geschaffenen Butterbauernstieg geben, der vom Poppenbütteler Weg (Ring 3) abzweigt.
Auch zu solchen Dingen soll der Quartiersbeirat sich Gedanken machen und auch das Stadtteilbüro Ansprechpartner sein. „Wir können keine politischen Tätigkeiten durchführen. Wir können aber Empfehlungen aussprechen, mit denen sich Politiker dann beschäftigen müssen. Wir wollen einen Austausch und mehr Einfluss auf Entscheidungen nehmen“, ermutigte Dajana Schröder. Daher tagt der Beirat alle zwei Monate. In der kommenden Sitzung, die wie alle weiteren für jedermann öffentlich stattfinden werden, soll sich der Beirat konstituieren: „Wir werden zehn stimmberechtigte Personen und neun ebensolche Institutionen als Mitglieder haben.“
360 Geflüchtete finden neue Bleibe

Dass sich nun augenscheinlich vor allem „alteingesessene“ Anwohner getroffen haben, ist nicht repräsentativ für das Quartier: Für 360 Geflüchtete ist Platz. 343 Menschen leben dort bereits, 169 davon minderjährig. Neben einigen Wohngemeinschaften mit Einzelzimmern gibt es auch Familienwohnungen für bis zu neun­köpfige Haushalte. Drei allein lebende Frauen und 18 allein lebende Männer haben eine Bleibe in den bereits fertig gestellten Häusern gefunden. Sie werden durch Mitarbeiter des städtischen Unternehmens Fördern und Wohnen (f & w) betreut und sind bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Viele sind in Syrien (132 Menschen) und Afghanistan (125) geboren, einige im Irak, dem Iran, Somalia und Eritrea. „92,5 Prozent leben in Familien, 7,5 Prozent sind alleinstehend“, ergänzt Rosanna Paulsen von Fördern und Wohnen mit Fakten.

Keine Polizeieinsätze

Obwohl kein Vertreter der Polizei anwesend war, konnten Einsatzzahlen genannt werden: Demnach waren seit Bezug der Wohnungen bis Ende Mai keine Auffälligkeiten zu verzeichnen. Im Gegenteil, gerade einmal zwei Einsätze des Rettungsdienstes stehen in den Protokollen. Polizeieinsätze – wie von manchen prophezeit oder befürchtet – gab es keine.

Konstruktiver Abend

So passt es auch, dass die Initiatoren mit dem ersten Treffen des Beirats sehr zufrieden sind: „Es waren zahlreiche Teilnehmer aus unterschiedlichen Gebieten da. Es ist ein gutes Gefühl, dass es nun anläuft und sich viele an dem konstruktiven Abend beteiligt haben“, sagt zum Beispiel Gerald Gönen vom Bezirksamt Wandsbek, der als Gebietsbeauftragter für die Unterkunft teilgenommen hat.

Nächstes Treffen im August

Zum nächsten Treffen am
Dienstag, 28. August, das ­erneut um 19 Uhr in der Philemon-­Kirche am Poppenbütteler Weg 97 stattfinden wird, sind ­wieder alle Inte­ressierten eingeladen und aufgerufen vorbeizukommen.

Für Fragen und ­Kontakt­aufnahmen vorab
steht Dajana Schröder
(D.Schroeder@Big-Bau.de)
gern zur Verfügung 



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