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Quo vadis, Volksdorfer Marktplatz? - Ausgabe 11.07.2018

Engagierter Austausch beim Auftaktgespräch zur Grundinstandsetzung der Wochenmarktfläche

Von Oliver Spatz

Volksdorf – Ob es am Ferienbeginn lag, am sommerlichen Wetter oder gar an mangelndem Interesse, dass sich nur rund 25 Bürger einfanden, als das Bezirksamt Wandsbek in seiner Funktion als Bauherr am vergangenen Mittwoch zum Auftaktgespräch über die bevorstehende Sanierung des Volksdorfer Marktplatzes in die Aula der Stadtteilschule Walddörfer einlud?
Wenig Interesse scheint kaum vorstellbar und wäre auch erschreckend kurzsichtig, zählt doch der Volksdorfer Wochenmarkt zu den beliebtesten in ganz Hamburg, wie auch die anwesenden Verantwortlichen des Sanierungsprojekts noch einmal hervorhoben. Dr. Stefan Rauterkus, Fachamtsleiter Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt im Bezirksamt, führte aus, dass der Platz nicht mehr den Anforderungen an zeit­gemäße Marktlogistik entspreche. Ein fertiger Plan wurde an diesem Abend nicht präsentiert, der Beteiligungsprozess beginnt vielmehr gerade.
Die Ausgangslage: Auf der ­sanierungsbedürftigen Fläche bieten zweimal pro Woche, ­immer mittwochs und sonnabends von 8 bis 13 Uhr, die Marktbeschicker ihre Waren an. An den übrigen Tagen dient das Areal als viel genutzter Parkraum, außer wenn zweimal jährlich der Jahrmarkt ein langes Wochenende dort gastiert und an vier Sonntagen im Jahr der Volksmarkt als Familienflohmarkt der Walddörfer die Massen anzieht.

Zeitgemäße Infrastruktur

Rund 2,5 Millionen Euro sollen insgesamt für die Grund­instandsetzung des Markt­platzes investiert werden, die vor allem als Tiefbauaufgabe zu verstehen ist: Unterbau, Befestigung, Entwässerung und die marode Stromversorgung werden erneuert. Größere ­optische Veränderungen an der Oberfläche soll es nur ­geben, sofern entsprechend begründete Wünsche geäußert werden.
Das Parken soll anhand von Markierungen erleichtert werden, die Zahl der Plätze nach jetzigem Stand gleich bleiben. Die Frage, ob es eine Gebührenpflicht auf der Parkfläche geben werde, wurde tenden­ziell verneint, aber nicht abschließend beantwortet. Aus dem Publikum kam der Wunsch nach mehr Raum für Fahrräder und Lastenräder. ­Was parallel die Hochbahn ­beziehungsweise die P+R Betriebsgesellschaft mit Blick auf Auto- und Radstellplätze vor Ort planen, wissen die Verantwort­lichen nach eigener Aussage bisher nicht – Anlass für Clamor von Trotha, Grünen-Abgeordneter im Regionalausschuss Walddörfer, ein unbedingt abgestimmtes Vorgehen anzumahnen.
Diskutiert wurde auch über das Für und Wider von Sitzbänken, den Erhalt von Bäumen – gerade im Vergleich mit dem sanierten Bramfelder Markt, wo seitdem der Wind durchziehe – und energieeffiziente, insektenfreundliche Beleuchtung. Malte Jahn, Sprecher der Inte­ressengemeinschaft Volksdorfer Wochenmarkt, erinnerte an den eigentlichen Anlass des Abends: die überfällige Sanierung des Marktplatzes. Die derzeitige Infrastruktur sei „von Robin Hood, uralt“. Die Marktbeschicker jedenfalls hätten ihre Wünsche präzise ausge­arbeitet. Unter anderem möchten sie mindestens drei Wasseranschlüsse statt bisher einem einzigen.

Ein Forum für den Stadtteil, ohne Schnickschnack

Frank Mario Stussig, Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Alstertal/Walddörfer und einer von drei anwesenden Lokal­politikern, gab zu bedenken, der Boden solle ebenerdig sein, es müsse aber auch funktions­fähige Siele geben, damit Regenwasser zuverlässig abfließen kann. Schon aus Hygienegründen müsse die Wochen-
marktfläche größtenteils versiegelt sein, erteilte Karsten Schmidt-Grunert, Regionalbeauftragter des Bezirks­amts
für das Alstertal, Forderungen nach verteilten Grünzonen eine Absage. Siegfried Stockhecke, seit mehr als 30 Jahren Organisator des Volksmarkts, ergänzte hierzu, eine durch­gehende Fläche sei viel leichter zu reinigen.
Mehrfach meldete sich der streitbare Aktivist zu Wort und zeigte sich erfreut über den Abend als Plattform, konstruktiv miteinander umzugehen. „Umso trauriger, dass erst ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden musste, um gehört zu werden.“ Stockhecke warb für seine Idee eines Shared Space im Ortskern und betonte, die Marktfläche müsse einen ­Gebrauchswert haben, jedoch keine unnötige Dekoration, die aufwendig zu pflegen sei. Je mehr Leute mit dem Rad kämen, desto weniger nutzten das Auto. „Sonnabends bei gutem Wetter hingehen, sich treiben lassen – das macht den Markt aus.“ Denn, so Stock­hecke: „Wir sind hier in einer kriegerischen Konkurrenzsituation: Die großen Lebensmittelketten würden sich freuen, wenn der Wochenmarkt nicht mehr da wäre.“ Wenn also der Marktplatz dazu diene, Hamburg vor Ort schöner zu machen, bringe er sich gern mit ein. Auf dem Podium versicherte man, gestalterisch darauf zu achten, „dass Volksdorfs Mittelpunkt schön wird. Wir müssen es gut machen, auch damit es lange hält.“

Ambitionierter Zeitplan

Auch während der Bauzeit soll der Wochenmarkt durchgängig stattfinden, allerdings auf deutlich kleinerer Fläche. Geplant ist, dass jeweils etwa auf der einen Hälfte saniert und auf der anderen Handel ge­trieben wird. Dafür rücken die rund 70 Marktstände zusammen und werden notgedrungen verkürzt, bestätigte Markthändler-Sprecher Jahn.
Die genaue Dauer der Bauarbeiten hängt derweil davon ab, welche Aufgaben noch auf die Verantwortlichen zukommen. Der Zeitplan sieht vor, dass es einen zweiten Workshop geben soll, bevor man im vierten Quartal 2018 mit der konkretisierten Planung an die Öffentlichkeit und in den zuständigen Ausschuss gehen will. Im Winter soll der übliche Weg der Bürgerbeteiligung folgen und im Juni/Juli 2019 die ­Baumaßnahme beginnen. Ein durchaus sportlicher Terminplan, wie auch die Vertreter von Bezirk, Ingenieur- und Landschaftsarchitekturbüro zugaben.
FDP-Mann Stussig bedauerte gegenüber der Heimat-Echo-Redaktion die geringe Teilnehmerzahl, bewertete die Veranstaltung selbst aber als gelungen: „Ich finde es gut, dass kein fertiger Plan präsentiert, sondern unvoreingenommen rangegangen wurde. Das wünsche ich mir bei allen Planungen dieser Art.“


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