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Was folgt auf die Unterkunft am Fiersbarg in Lemsahl?

Pläne für Bebauung nach Ende der Erstaufnahme werden ­konkret. „Wohnen am Spechtort“ dient als Vorbild

Von Oliver Spatz

Lemsahl-Mellingstedt – Noch bis 22. Januar 2019 ist die Erstaufnahme am Fiersbarg 8 für die Belegung mit bis zu 452 Flüchtlingen genehmigt. Ende April 2018 wohnten dort 343 Menschen, davon 58 Kinder und Jugendliche. Direkt im Anschluss an die laufende Nutzung soll auf dem Areal einvernehmlich Wohnungsbau entstehen und der Bebauungsplan Lemsahl-Mellingstedt 19 umgesetzt werden.

So wurde es im entsprechenden Bürgervertrag vom Juli 2016 vereinbart – wenige ­Wochen, nachdem die ersten Flüchtlinge eingezogen waren. Eine Nutzungsverlängerung oder Umnutzung jedweder Art wurde ausgeschlossen. Bis spätestens 30. Juni 2019 soll der Rückbau der Erstaufnahme abgeschlossen sein.

Investoren sind bekannt

Doch welche Art von Bebauung genau folgt auf dem in Rede stehenden, insgesamt rund 30.000 Quadratmeter großen Grundstück? Jetzt gibt es mehr Klarheit für die Bewohner des Doppeldorfs. Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete für den Wahlkreis Alstertal/Walddörfer Dennis Thering stellte eine entsprechende Schriftliche Kleine Anfrage an den Hamburger Senat. Laut Antwort wurde Mitte Mai
der Kaufvertrag geschlossen. Demzufolge sollen auf ­einer Fläche drei Stadtvillen mit 15 öffentlich geförderten Wohneinheiten entstehen, da­runter in einer Hausgemeinschaft acht Einzelappartements für pflegebedürftige beziehungsweise behinderte Menschen. Ein entsprechender Träger ist noch nicht bekannt. Daneben sind 27 frei finanzierte Häuser geplant, davon fünf Einzel-, zehn Doppel- und zwölf Reihenhäuser.
Gegenüber vier weiteren Investoren, die sich um die Bebauung der Fläche beworben hatten, erhielt die Fiersbarg Projekt GmbH den Zuschlag. Hinter der vor wenigen Wochen gegründeten Firma stehen Ulrich Tröger, Kristina Schwetlick-Tröger und Olaf Schilling. Alle drei sind keine Unbekannten: Tröger ist geschäftsführender Gesellschafter der IPG Stadtbau GmbH und zusammen mit seiner Frau Investor und Projektentwickler von „Wohnen am Spechtort“ (siehe dazu auch Seite 2 dieser Ausgabe). Architekt Schilling hat unter anderem den Bau der dortigen WABE-Kindertagesstätte verantwortet. Man hat also Erfahrung mit dem großen Lemsahler Neubaugebiet, das als Orientierungsmuster für den Fiersbarg dienen soll, wie Ulrich Tröger gegenüber der Heimat-Echo-Redaktion betont. Generell werde die Bebauung großzügig ausfallen. Allein die drei Stadtvillen, architektonisch an Hamburger Kaffeemühlen angelehnt, verteilten sich auf rund 3.000 Quadratmeter. Der grüne Ring bleibe definitiv erhalten.

CDU mahnt

CDU-Verkehrspolitiker Thering bewertet die kommenden Veränderungen so: „Es ist gut, dass die Erstaufnahme am Fiersbarg laut Senatsantwort zum 22. Dezember dieses Jahres schließt. Schön wäre es gewesen, wenn SPD und Grüne die Bürgerinnen und Bürger bei der Entscheidung über die weitere Nutzung der Fläche am Fiersbarg mit einbezogen hätten.“ Dennis Thering weiter: „Jetzt ist es wichtig, dass die soziale und verkehrliche Infrastruktur in Lemsahl-Mellingstedt endlich der wachsenden Einwohnerzahl angepasst wird. Es kann nicht sein, dass der Senat immer mehr bauen lässt und es am Ende an Kindergärten, Schulen und Sportmöglichkeiten fehlt. Außerdem muss das Busangebot ausgeweitet und ein Stau­chaos auf den Straßen verhindert werden.“
Nicht wenige Lemsahl-Mellingstedter sehen dem zweiten Neubaugroßprojekt im Stadtteil gespannt entgegen und erhoffen sich auch etwas atmosphärische Beruhigung. Am späten Dienstagabend vergangener Woche etwa musste die Polizei mit insgesamt 14 Funkstreifenwagen zu einem Einsatz in der Flüchtlingsunterkunft ausrücken. Nachdem sich ein 19-jähriger Kosovare und ein 26-jähriger Serbe zunächst verbal auseinandergesetzt hatten, bewaffnete sich der 19-Jährige mit einem Teppichmesser und einem Stuhlbein und bedrohte den 26-Jährigen damit. Die alarmierten Beamten konnten gemeinsam mit den Sicherheitsmitarbeitern der von den Johannitern betreuten Erstaufnahme weitere Streitigkeiten zwar verhindern. Da die aufgebrachte Stimmung der Bewohner aber umzuschlagen drohte, wurden weitere Einsatzkräfte angefordert. Von den beiden Streitenden gingen immer wieder Störungen und Provokationen aus, sodass sie in Polizeigewahrsam genommen wurden. Gegen den 19-Jährigen läuft zudem ein Strafverfahren wegen Bedrohung.


fdjs