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Ein Kahlschlag und die Folgen

Wie geht es weiter nach der umfassenden Entwaldung im Volksdorfer Norden? Eigentümer widerspricht Aufforstungsbescheid

Von Oliver Spatz

Volksdorf – Ende Februar ­berichtete das Heimat-Echo über den umfangreichen Kahlschlag, den der private Eigentümer des gut einen Hektar großen Waldstücks zwischen den Straßen Schmalenremen, Duvenwischen, Gustav-Weihrauch-Weg und Kurzenremen veranlasst hatte.

Nur wenige Bäume am Rand blieben stehen. Ein behörd­licher Bescheid zur Wieder­aufforstung erging unüblicherweise schon kurz nach den Fällungen – als Klarstellung gegenüber dem Eigentümer, dass auf der Fläche Wald zu ­erhalten und wieder neu zu entwickeln ist.

Eigentümer ist in der Pflicht

Konkret sieht der Bescheid vor, dass noch 2018 die westliche Fläche „mit Baumarten der ­Buchenwald- und Waldrand­gesellschaften zu bepflanzen und ein artenreicher Waldrand zu gestalten ist“. Die östliche Teilfläche kann dem Wortlaut nach durch sogenannte Sukzession entwickelt werden. Sollte diese Fläche nach zehn Jahren noch Lücken von über einer Baumlänge im größten Durchmesser aufweisen, so sind diese – wie im westlichen Teil – aufzuforsten. Darüber ­hinaus sind beide Teilflächen rehwildsicher einzuzäunen. Weiter heißt es, der Erfolg der Pflanzung und die Entwicklung der Sukzession seien mindestens einmal jährlich zu prüfen. Und: „Der Erhalt des bestehenden Bestands ist, unter Berücksichtigung der Verkehrssicherungspflicht, zu gewährleisten. Die zuständige Behörde ist über den Abschluss der Aufforstung zeitnah in Kenntnis zu setzen.“
Gegen diesen Bescheid hat der Eigentümer Ende März Widerspruch eingelegt. Bis Redak­tionsschluss allerdings lag der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) keine Begründung dieses Widerspruchs vor. Sollte in absehbarer Zeit keine Reaktion des Eigentümers auch auf das Angebot der Akteneinsichtnahme erfolgen, werde die Behörde diesen mit Fristsetzung anschreiben und eine Entscheidung ohne Prüfung der Widerspruchsbegründung ankündigen, so BWVI-Sprecherin Susanne Meinecke auf Heimat-Echo-Nachfrage.
Der örtliche CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thilo Kleibauer hakte in der Sache bereits mehrfach im Rahmen Kleiner Senatsanfragen nach. Er kritisiert: „Es reicht nicht, dass die Behörde den umfangreichen Kahlschlag nur bedauert, nachdem sie vorher eine weitreichende Genehmigung erteilt hat. Hier muss die Stadt jetzt hartnäckig für die angekündigte Aufforstung ein­treten.“

Wut und Widersprüche

Der Eigentümer beruft sich indes weiterhin auf die Notwendigkeit der ihm rechtlich ob­liegenden Verkehrssicherung. Aber wie passt diese Argumentation dazu, dass ausgerechnet direkt neben Häusern einige Bäume – bislang – stehen bleiben? Nachbarn verlieren nach eigenen Angaben immer mehr das Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat, sprechen gegenüber der Heimat-Echo-­Redaktion teils von Willkür. Für viele wird immer offensichtlicher, dass der Eigentümer eine möglichst vollständige Abholzung und die Umwandlung in Bauland anstrebt. Die im Bezirk regierende SPD hatte allerdings im Februar ­öffentlich klargestellt, man werde keinesfalls zulassen, dass die Fläche einer anderen Nutzungsart als Wald zugeführt wird.
Um genau diesen Wald – oder das, was davon übrig ist – geht es ungeachtet aller Spekula­tionen zunächst. Wie aber will die Behörde sicherstellen, dass sich die Eigentümerseite fortan an alle Vorgaben und Fristen hält und dass Wiederaufwuchs tatsächlich stattfinden kann? Auf Nachfrage bei der BWVI heißt es dazu nüchtern: „Wenn die Bestimmungen des Bescheids oder die rechtlichen Verpflichtungen nicht eingehalten werden, wird, soweit eine Beratung erfolglos bleibt, letztlich ordnungsrechtlich vorgegangen werden.“ Eine weitergehende juristische Auseinandersetzung ist wahrscheinlich.


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