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Direkt ins Mark getroffen - Ausgabe 18.04.2018

Eine Glosse aus aktuellem Anlass

„Haste schon gehört? Hier soll demnächst irgendwo ’n ,Butterblumenweg‘ eingeweiht werden.“ „Nee, da haste dich verhört! Ein ,Butterbauernstieg‘ führt in die neue Wohnsiedlung, die am 1. Mai von 300 Flüchtlingen bezogen wird.“ „Wie? Willste mich veräppeln?“
Da hat der „grüne Tisch“ mal wieder gesprochen, nachdem just auf jenem eine katasteramtliche Karte von anno dazumal ausgerollt worden war. ­Behördenvertreter hatten eine Stichstraße zu benennen, die vom Ring 3 in die Hummelsbüttler Feldmark führt, wo ein lang diskutiertes Wohnquartier entsteht, das – so die Grünen – durch eine „optimale Durchmischung der Integration von Geflüchteten“ dienen soll. Ja, da steigt man gern einmal hinab in die Historie der hiesigen Feldmark, in der es bereits uralte Flurnamen wie Rehagen – ein Hag oder Gehölz, in dem sich Rehe aufhielten – und Kieshorst gibt. Die Bezirkspolitiker wie Beamten spürten förmlich den Hauch der Geschichte, als sie in Kirchenbüchern und Kartenwerken auf Bauern stießen, die einstmals zwischen Kieshorst und Rehagen ihrer Milch den Rahm abschöpften und zu Butter stampften, um diese über den Alsterlauf in die Innenstadt zum Verkauf zu bringen. Das waren die „Butterbauern“, allerdings ein Begriff, der selbst ­alten Hummelsbüttlern nur schwer über die Lippen kommt, denkt man heute doch eher an Bio- oder Milchbauern. „Butterbauer“ hört sich indes so ursprünglich, so heimatverbunden, so überaus markig an. Also nannten die Namensgeber rund um den grünen Tisch die Stichstraße ins Herzen der Feldmark „Butterbauernstieg“, abgeleitet von „Steig“, der dem Ursprung nach einen engen, nicht befahrbaren Wanderpfad durch Anhöhen und Berge darstellt. Nun denn.
Dass auf diesem Areal vornehmlich Geflüchtete aus aller Herren Länder ansässig sein werden, dass dort günstiger Wohnraum für sozial Schwache entsteht, spielte bei der Namensschöpfung wohl eher eine geringe Rolle. Sieht man einmal vom zungenbrecherisch anmutenden, fünfsilbigen Wortungetüm ab, an dem sich Arabisch oder Farsi sprechende Neubürger am Butterbauernstieg abarbeiten, so liegt die Assoziation nahe, dass es sich bei Butterbauern um wohlhabende, gut genährte Landmenschen handelt. Das Wort „Butter“ suggeriert zudem, dass man wohl­situiert sei – „alles in Butter“, „sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“ – und dass es einem mit der „guten Butter“ recht gut ginge. Da liegt das biblische Land, in dem Milch und Honig fließen, nicht fern. Insofern ist die Wortwahl, klanglich wie inhaltlich gesehen, eher suboptimal gelungen. Wieso konnte man es nicht wie beim angrenzenden Reinckeweg beim dreisilbigen Bauernstieg belassen? Wieso mussten überhaupt Bauern herhalten, die sich zum Teil vehement gegen das Quartier gewehrt haben? Wieso konnte man diese Sackgasse nicht einfach „An der Feldmark“ nach dem eigent­lichen Entstehungsort taufen? Aber um nicht untergebuttert zu werden, musste irgendwie „Butter bei die Fische“. Ganz ­geschichtsträchtig. Nur dass die hier recht ranzig schmeckt. Doch was willste machen?
Der Fisch stinkt vom Kopf her!

Bernd Großmann

Übrigens wurde der Straßen­name „Butterbauernstieg“ im Regionalausschuss Alstertal mit den Stimmen von SPD und Grünen beschlossen. Die CDU hatte vorab Alternativen vorgeschlagen und sich gegen den Namen ausgesprochen. (os)