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„Von uns werden alle Tafel-Kunden gleichbehandelt“

Hummelsbüttel/Langenhorn – Die Aktion der Essener Tafel wird ein Alleingang bleiben, dessen ist sich Ingrid Ernst sicher. In Nordrhein-Westfalen hatte man entschieden, nur noch deutsche Staatsbürger mit gespendeten Lebensmitteln zu versorgen. Weil der Migranten-Anteil unter den „Kunden“ auf 75 Prozent gestiegen ist, würden deutsche Senioren und Alleinerziehende abgeschreckt und verdrängt. Für Ingrid Ernst widerspricht die Anordnung ihrer Essener Kollegen der Tafel-Idee drastisch und schadet ihr zudem. „Die Herkunft der Menschen darf doch keine Rolle spielen. Von unseren Mitarbeitern werden alle Bedürftigen gleichbehandelt – egal welches Alter, Hautfarbe oder Ausweisdokumente“, bekräftigt die Langenhornerin.
Seit 15 Jahren leitet die 65-Jährige die Norderstedter Tafel, die unter anderem auch Ausgabestellen in Hummelsbüttel und Langenhorn mit etwa 250 regelmäßigen Besuchern betreut. In Zeiten des größten Zustroms von Geflüchteten waren es gut doppelt so viele, doch schon da hatte Ingrid Ernst die Gruppen geteilt – jeder Berechtigte durfte nur noch alle zwei Wochen zur Ausgabestelle kommen. „Das entzerrte den Andrang, das oft lange Warten in der Schlange und möglichen Frust.
Die Tafel ist schließlich keine Vollversorgung, sondern ein zusätzliches Angebot, das jeder nutzen kann – wenn er denn kommen möchte.“ Und das sei die Krux, sagt die leidenschaftliche Tafel-Leiterin. „Es gehört schon eine Portion Mut dazu, sich einzugestehen, dass man Hilfe nötig hat.
(blu)