Home » Kommt Hamburgs Bürgermeister bald aus Volksdorf?

Kommt Hamburgs Bürgermeister bald aus Volksdorf?

Beredtes Schweigen in der Debatte um mutmaßliche Scholz-Nachfolge

Von Oliver Spatz

Volksdorf/Hamburg – Die Spekulationen, ob Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Falle einer erneuten sozialdemokratischen Regierungsbeteiligung im Bund als Minister nach Berlin wechseln könnte, gedeihen wahrlich nicht erst seit Kurzem.

Neue Nahrung erhielten die Gerüchte vergangene Woche Mittwoch, als im Zuge der Einigung auf eine weitere Große Koa­lition teilweise durch­sickerte, wer einen Ministerposten erhalten soll. So soll Scholz dem Vernehmen nach Finanz­minister sowie Vizekanzler werden.
Bislang wollte sich Hamburgs Senatschef nicht offiziell äußern. Auf der SPD-Führungsebene beschwört man allseits, dass der parteiinterne Mitgliederentscheid über das Zustandekommen der „GroKo“ abgewartet werden soll, bevor es gegebenenfalls Anfang März Entscheidungen über Änderungen beim Personal gebe. Überhaupt bemühen sich die Parteivorderen von Berlin bis Hamburg, die Diskussion wieder einzufangen: Man wolle über Inhalte, nicht über Personalfragen reden. So auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft Dr. Andreas Dressel, zugleich Wahlkreisabgeordneter für Alstertal und Walddörfer.
Zwar deutet alles auf ihn hin, wenn es um die wohl anstehende Scholz-Nachfolge geht, jedoch hält er sich auf Heimat-Echo-Nachfrage bedeckt und bleibt bei der offiziellen Sprachregelung. Der 43-jährige Jurist, der aus Volksdorf kommt und mit seiner Familie nach wie vor dort wohnt, verweist auf den vereinbarten Fahrplan mit bundesweitem Mitgliederentscheid. Entsprechend gebiete der Respekt vor den SPD-Mitgliedern, das Votum abzuwarten. Und wenn im Anschluss daran ein neuer Erster Bürgermeister gefunden werden muss? Dann ­werde man zu gegebener Zeit solidarisch und gemeinschaftlich in Partei und Fraktion einen Personalvorschlag machen, so Dressel.
Wink mit dem Baumstamm

Am vergangenen Sonntag allerdings gab Scholz – nachdem er ­wenige Tage zuvor ­bereits ­inhaltlich Position zur Finanzpolitik einer künftigen Großen Koalition bezogen hatte – beim Neujahrsempfang der SPD-Bürgerschaftsfraktion selbst Hinweise auf mögliche Veränderungen im Personaltableau. Den Namen seines Fraktionschefs nannte er nicht. Ohnehin wiederholte das Stadtoberhaupt das Man­tra, es gelte, nicht über Namen, sondern über Inhalte zu diskutieren. „Wo wir doch so gerne über Personen diskutieren würden“, sagte Scholz mit ­einem Schwenk in Dressels Richtung – „auch über eine, die hier steht.“
Dieser vielsagenden Signale des amtierenden ­Bürgermeisters hätte es kaum noch bedurft. Es
ist ziemlich offensichtlich, dass Dressel als sein ­Nachfolger bereitsteht. Aber Scholz war dieser Fingerzeig wichtig. Umso deutlicher ist nun, dass die anderen kursierenden Namen Beiwerk sind, die für die mutmaßlich anstehende Entscheidung eine theoretisch existierende, aber praktisch zu vernachlässigende Auswahl suggerieren. Es wäre freilich auch naiv zu glauben, Perso­nalia würden ernsthaft ­komplett hintangestellt. Da unterscheidet sich der Politikbetrieb nicht von anderen Tätigkeitsfeldern.
Für den Volksdorfer Dressel wäre der Aufstieg indes eine glückliche Fügung: Er könnte zwei Jahre Erfahrung auf dem neuen Posten sammeln, dann aus dem Amt ­heraus in die nächste Bürgerschaftswahl Anfang 2020 ­gehen.
Dass der grüne Koalitionspartner infolge eines solchen Wechsels im Bürgermeisteramt die Zusammen­arbeit ­aufkündigt wie 2010 beim abrupten christdemokratischen Übergang von Ole von Beust zu Christoph ­Ahlhaus, ist keinesfalls zu erwarten. Zu geschmeidig läuft das rot-grüne Miteinander – nicht zuletzt durch das eingespielte Zusammenwirken des „A-Team“ genannten Duos aus Dressel und dem grünen Fraktionschef Dr. Anjes Tjarks.


fdjs