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Unterkünfte: Es bewegt sich was im Alstertal - Ausgabe 27.04.2016

Aktuelle Entwicklungen in der Feldmark und am Poppenbütteler Berg

Alstertal – Nachdem das Hamburger Oberverwaltungs­gericht vergangene Woche den Baustopp am Fiersbarg in Lemsahl-Mellingstedt aufgehoben hatte, kommt nun insgesamt mehr Bewegung in das Thema Unterbringung von Flüchtlingen im Alstertal. Die Regierungsparteien laden verstärkt zu Informationsveranstaltungen ein und werben für von ihnen präferierte Lösungen.

Im Zuge des Bürgerbegehrens „Wandsbek für gute Integra-tion“ indes waren kürzlich von den Initiatoren weit mehr als die erforderlichen Stimmen abgegeben worden. Das Bezirksamt hatte das Begehren jedoch für unzulässig erklärt. Juristen beschäftigen sich nun mit der Angelegenheit – Ausgang offen. Das Begehren  ist auch Thema im Hauptausschuss am Montag, 2. Mai um 17.30 Uhr im Bürgersaal Wandsbek.

Einigung in Hummelsbütteler Feldmark möglich?

Vergangene Woche trafen sich Vertreter von SPD und Grünen aus Bürgerschaft und Bezirk mit dem Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark (i.G.) und anderen Initiativen zu einem weiteren Gespräch. Die Politik hatte dabei ein Angebot für die Vertreter auf der anderen Seite des Tisches im Gepäck. Wesentliche Eckpunkte: Der Standort Wildes Moor an der Glashütter Landstraße wird für das aktuelle Programm nicht weiterverfolgt. Die Bebauung am Rehagen soll realisiert, die Belegung angepasst werden. Geplant sind in einem ersten Abschnitt 196 Wohnungen für Flüchtlinge und in einem zweiten Abschnitt 182 reguläre Wohnungen. Zudem wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Möglichkeiten für weiteren Wohnungsbau in der Feldmark prüft. Die maximal mögliche Belegung in der Feldmark soll sich von knapp 3500 auf unter 1000 Flüchtlinge reduzieren. Zusammen mit den bisherigen im Stadtteil verteilten Unterkünften käme Hummelsbüttel damit auf eine Flüchtlingszahl von gut 1500.

Rot-Grün: tragfähiger Kompromiss

Die Grünen-Wahlkreisabgeordnete Christiane Blömeke spricht von einem tragfähigen Kompromiss für alle Beteiligten. Trotz des Verzichts auf den Standort am Wilden Moor bleibe aber der Eingriff in die Natur schmerzhaft. Die Koalition wolle, so ein Grünen-Vertreter, auch und gerade am sensiblen Standort Rehagen auf ökologische Bauweisen setzen und die Kaltluftschneise möglichst wenig beeinflussen. Anja Quast, Fraktionsvorsitzende der SPD in der Bezirksversammlung, sagt, es gelte nun, von bezirklicher Seite die Planungen für den Flüchtlingswohnungsbau engmaschig zu begleiten. Hierzu gehöre auch die Stärkung der vorhandenen sozialen Infrastruktur vor Ort.

Initiative erkennt Umdenken

Der Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark ging nach eigenen Angaben erstmals mit dem Gefühl aus den Gesprächen, dass es einen ernsthaften Umdenkprozess gegenüber den ökologischen Ressourcen Hamburgs gibt. Vertreter Jens Seyer: „Gut, dass die Politik von Bezirk und Stadt nun die Wichtigkeit der Kaltluftentstehungsgebiete anerkennt.“ Die Bebauung am Rehagen und die geplante Prüfung des Landschaftsschutzgebiets für weiteren Wohnungsbau sieht der Verein aber nach wie vor kritisch: „Die Planungen waren vor dem Angebot der Politik falsch und sind nun sicher nicht richtiger.“

CDU: Ergebnisse dürfen nur der Anfang sein

Wie die Initiative hält auch die CDU an ihrem Nein zu Großunterkünften mit mehr als 300 Menschen fest. Der Wahlkreisabgeordnete Dennis Thering begrüßt zwar die Entscheidung, die Fläche am Wilden Moor nicht zu bebauen. Für den Erhalt der Feldmark sei die Entscheidung aber nur ein Anfang. Gegen jegliche Kritik von Umweltverbänden, Bürgern und der CDU halte der Senat an einer massiven Bebauung am Rehagen fest und breche so mit dem jahrzehntealten Grundsatz, keine Bebauung der Feldmark zuzulassen. Der Senat dürfe die Flüchtlingskrise nicht nutzen, um sein Wohnungsbauprogramm voranzutreiben, und dadurch auf Flächen zugreifen, die sonst für eine Bebauung niemals infrage gekommen wären. Zudem müsse der Koalitionsvertrag gelten, der eine Bebauung der Feldmark ausschließe.

Poppenbüttel: feste Woh­nungen statt Modulbauten

Mit Blick auf die Fläche Poppenbütteler Berg/Ohlendieck bestätigte der künftige Betreiber „Fördern und Wohnen“ auf einer Arbeitssitzung der Flüchtlingsinitiative Poppenbüttel hilft e.V., dass statt provisorischer Modulbauten alle Bauten in Festbauweise im Standard des sozialen Wohnungsbaus errichtet werden. Insgesamt sind bis Jahresende 308 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe geplant, in denen 1300 Flüchtlinge ein neues Zuhause finden sollen. Versorgungsunternehmen haben bereits mit Erschließungsarbeiten zur Wasser- und Gasversorgung des Areals begonnen.

Politik sucht die Öffentlichkeit

Am 28. April stehen die SPD-Abgeordneten Dr. Andreas Dressel, Dr. Tim Stoberock und Xavier Wasner um 20 Uhr im Forum Alstertal, Kritenbarg 18, Rede und Antwort. In der Woche darauf lädt die SPD am 3. Mai um 20 Uhr am selben Ort zu einem Talk zur Integration rund um die Flüchtlingsunterbringung ein. Zusammen mit Sozialstaatsrat Jan Pörksen und Prof. Dr. Sabine Stövesand von der HAW erörtern sie, welche Maßnahmen die Politik ergreifen muss, um die Integration von Flüchtlingen zu gestalten, und wie das Zusammenleben in der Nachbarschaft funktionieren kann. Anschließend besteht die Möglichkeit zur offenen Diskussion. (os)


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