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Fachamt lud zu Integrations-Workshop nach Lemsahl ein

Bezirk Wandsbek forciert Sozialplanung vor Ort - Ausgabe 06.04.2016

Lemsahl-Mellingstedt – In einem Workshop zum Thema „Integrierte Sozialplanung“ am 1. April im Lemsahler Jugendhaus JULE sollten Ideen entwickelt werden, um die künftigen Nachbarn im Stadtteil einzugliedern.

Denn seit dem 7. März bewegen Bagger die Erde auf dem vormaligen Rapsfeld, und für das Bezirksamt gilt der erste Schritt „Bauplanung“ der Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen am Poppenbütteler Berg/Ohlendieck als eingeleitet.
Das Fachamt Sozialraummanagement hatte freiwillig Engagierte aus dem Alstertal ebenso eingeladen wie Verantwortliche aus Einrichtungen und Institutionen. Der Workshop mit mehreren Arbeitsgruppen dauerte vier Stunden. Amtsleiter Harald Lindner wünschte sich Kooperation, Vertrauensbildung und den Aufbau von Kontakten. Im Angebot hatte das Amt einen Imbiss für die Teilnehmer und in Aussicht gestellte Fördermittel für künftige Freiwilligen-Projekte. Eigene fundierte Integrationskonzepte fehlen noch. „Dies ist der allererste Workshop im Bezirk. Die Akteure sollen sich kleinteilig austauschen, und wir sammeln die Ergebnisse“, erklärten Harald Lindner und seine Mitarbeiterinnen. „Wir wollen ihre frischen, gärenden Gedanken.“

Teilnehmer aus vielfältigen Bereichen

So trafen die Ehrenamtlichen aufeinander, zum Beispiel die Vertreter der Initiative „Poppenbüttel hilft“ und von „Gemeinsam in Poppenbüttel“ (GiP). Auch das Ehepaar Wolfgang und Christel Seidlitz war dabei: Im Rahmen des CVJM arbeiten sie seit 2015 ganz praktisch für Flüchtlinge. „Wir wollten echte Praxis-erfahrung sammeln und unterstützen Bewohner in der Unterkunft Poppenbütteler Weg 3, haben das Café Global im JULE initiiert, Migranten-Schülernachhilfe in der Marktkirche mitaufgebaut und begleiten Gruppenfreizeiten für Flücht-lingsfamilien.“ Ilse Kaminowski vom 2001 gegründeten „Freiwilligen Forum“ der Kirchengemeinde Poppenbüttel beteiligte sich – und die Iranerin Farzaneh Yousefi, die seit 23 Jahren in Poppenbüttel lebt und als Deutsch-Farsi-Türkisch-Sprechende noch auf der Suche nach einer flüchtlingsbegleitenden Aufgabe ist.

Wichtige Mahnungen

Gerald Gönen, Leitung offene Kinder- und Jugendarbeit, und Marion Helm, Leiterin des Marktkirche-Kindergartens, notierten in ihrer AG, dass bei Flüchtlingseltern das Zutrauen erst langsam wachsen würde und der Kita-Platzbedarf damit anstiege. Die Eltern sollten auf das Beantragen von Kita-Gutscheinen für „erhöhten Förderbedarf“ hingewiesen und zu Eltern-Kind-Zentren empfohlen werden. Norbert Boock, Leiter des Jugendmigrationsdienstes, und Jan Hochthurn vom Jugendamt Wandsbek mahnten in der AG Stadtteilangebote an, dass, wie im benachbarten Tegelsbarg, viel mehr Hauptamtliche nötig seien als dass Ehrenamtliche die Flüchtlingsbetreuung schultern müssten.

Professionelles Sozialmanagement

In der AG Erwachsenenbildung ging es ebenfalls konstruktiv-kritisch zu: Junge Erwachsene von 15 bis 27 Jahren seien mehrheitlich männlich und müssten durch (Re-)Qualifizierung vor wachsender Perspektivlosigkeit aufgefangen werden. Bei den überwiegend Alleinstehenden fruchteten familienorientierte Integrations-maßnahmen nicht, denn sie leben auch nach dem Deutschkurs in engen Wohngemeinschaften. Sie würden in den Monaten der Arbeitslosigkeit von Selbstbau-Projekten, Straßensozialarbeit und einem Bewerbungsbüro profitieren. Die Vertreter von GiP erläuterten, Eingliederung sei eine herausfordernde Aufgabe für die Zivilgesellschaft. Dennoch müsse die Politik die richtigen Rahmenbedingungen für eine gute Quartiersentwicklung schaffen, nicht nur nachbessern oder Fördergelder bereitstellen. Integrationsförderliche Größe, gemischte Belegung und berufsmäßiges Sozialmanagement seien erforderlich.

Separationsneigung

Das Phänomen der kulturellen und religiösen Seperationsneigung wurde in der AG Frauen besprochen. Farzaneh Yousefi stellte heraus, wie stark prägend die Rolle der Mütter sei. Frauen müssten bewusst bei der Vermittlung deutscher Werte eingebunden werden.

Aktivitäten von Fördern und Wohnen

Zum AG-Thema Fördern und Wohnen (F&W) war Marina Sokolowski anwesend, Sozialmanagerin von Fördern und Wohnen AöR und Bereichsleiterin der entsprechenden Wohnunterkünfte in Wandsbek. Von ihr wünschten sich die Helferkreise, dass die künftigen Bewohner über die vielfältigen F&W-Angebote informiert werden, dass es feste Anlaufpunkte gibt und dass die Ehrenamtlichen hierfür Räumlichkeiten erhalten.

Erster Hamburger Präsenzbeamter

Auch der erste Präsenzbeamte für Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg stellte sich beim Workshop vor: Stephan Stop startet als Koordinator und soll mit bis zu 49 geplanten Kollegen stadtweit arbeiten. Er wird für das PK 35 zusätzlich zu den Bürgernahen Beamten eingesetzt werden und für zehn Stadtteile in den Walddörfern und im Alstertal zuständig sein. In den nächsten Wochen will er die Kontakte zu Hilfsinitiativen, Ämtern und Polizeikollegen vertiefen.  (sas)





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