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Ohlstedt begleitet Menschen in Not - Ausgabe 10.02.2016

Rund 140 Ehrenamtliche helfen den Menschen, die in den Zelten leben

Ohlstedt – Seit August leben auf dem Ohlstedter Platz rund 400 Menschen in Zelten.

Von Beginn an haben sich ehrenamtliche Helfer gefunden, die hier den Menschen, die vielfach auf sich allein gestellt sind, die deutsche Sprache nicht verstehen und die hiesige Kultur nicht kennen, das Eingewöhnen erleichtern.

Wohnungsnot

Nachdem immer mehr Bewohner der Unterkunft inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis haben, sind Wohnungen ein vorrangiges Thema. Die Initiative „Ohlstedt hilft” baut jetzt systematisch Kontakte zu Vermietern auf, um möglichst schnell helfen zu können. „Wenn alle alleine loslaufen und sich fünf Leute die gleiche Wohnung ansehen, verbrennt das Zeit und Nerven auf allen Seiten. Das ist nicht zielführend”, weiß Martin Grell vom Team der Initiative. Wer Wohnungen oder Zimmer anbieten kann, möge sich per E-Mail an die Initiative wenden: begleitung@ohlstedt-hilft.de.
Die Begleiter übernehmen zusätzlich eine Reihe von anderen Aufgaben. In mehreren Gruppen wird mit den Kindern gebastelt, gemalt oder gespielt. Zahlreiche Ehrenamtliche unterrichten die deutsche Sprache oder berichten von hiesigen Bräuchen und Sitten. In Gesprächen geht es um Rechtsfragen in Asylverfahren, notwendige Qualifikation für Jobs, Anerkennung von Abschlüssen, Praktika, Studium und anderes“. Die Erwartungen hinsichtlich Bildung und Vorstellungen von Jobmöglichkeiten klaffen bei Geflüchteten und Unternehmen oft auseinander. Die reine Profilierung beim Arbeitsamt ist oft erfolgreicher mit Hilfe einer Person, die persönliche Kontakte hat. Ein guter ehrenamtlicher Betreuer mache viel mehr möglich, berichtet Martin Grell. Bei regelmäßigen Stammtischen tauschen die Beteiligten ihre Erfahrungen aus.

Ehrenamtliches Engagement nach wie vor groß

Immer wieder melden sich neue hilfsbereite Menschen. „Es sind geschätzt 80 feste Aktive in diesem Bereich. Ich lerne immer wieder neue Menschen kennen, die Einzelfälle begleiten und ich vermute, es gibt doppelt so viele, die erst kommen, wenn sie eine Frage haben. Das läuft einfach so, aber sie wissen um uns. Ich bin für jeden, der selbstständig arbeitet, dankbar”, so Grell. Die Initiative bietet ihr Wissen, ihre Kenntnisse und ihre Kontakte allen an. Insbesondere in der Kooperation mit dem Freundeskreis Bergstedt entstehen zur Zeit Informationsbroschüren und Wissenssammlungen. Sonnabends von 15.30-17.30 Uhr gibt es das „Café Welcome“ im Gemeindesaal der Matthias-Claudius-­Kirche an der Bredenbekstraße 59. Dort engagieren sich Margot und Peter Bramekamp. Sie nehmen auch manchmal Geflüchtete mit nach Hause, zum Beispiel zum Kochen wie beim Syrerfest. „Wir machen das ohne Rücksicht auf Nation oder Geschlecht, wir handeln aus dem Bauch heraus. Uns geht es um die Menschen, nicht um Politik”, sagen die beiden, und Margot Bramekamp drückt den jungen Syrer auch schnell mal ans Herz, wenn er die Geschichte seiner Flucht per Boot erzählt. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht, egal, ob jemand schon Deutsch sprechen kann oder nicht.
Wir werden auf alle Fälle weitermachen, egal was andere sagen.”

Kinderbetreuung

So denkt auch Hilke Grundzinski, Grafikerin im Ruhestand. Nach ihrem „Ausflug” in die Kleiderkammer ist sie jetzt mit Begeisterung im Kinderzelt tätig. „Es bringt mir viel Spaß, mit Jüngeren im Team zusammenzuarbeiten. Ich bereite Bastelaktivitäten vor und spiele auch mal mit den Müttern der Kinder „Memory“. Es ist schön zu sehen, wenn ein Kind bei uns ankommt und die Chance hat, selbstversunken vor sich hinzuspielen.”

Angebote für Frauen

Auch ihre Tochter engagiert sich: Gerade hat sie mit ihrem Auto für das geplante Frauenzelt ein Sofa nach Ohlstedt transportiert. Das Zelt soll Mädchen und jungen Frauen zwischen 10 und 20 Jahren montagnachmittags einen Schutz- und Ruheraum bieten. Weitere Aktionen sind das regelmäßige Zeigen von Filmen zusammen mit „Moving Movie“, einem ebenfalls ehrenamtlichen Zusammenschluss, die Einführung des „Teemobils“ als Treffpunkt am frühen Abend, Kunstaktionen und andere Freizeitange­bote. Teile der Spenden würden hier sinnvoll eingesetzt werden, freut sich der Vorstand. Weitere ehrenamtliche Helfer sind willkommen, Info unter www.ohlstedt-hilft.de, kontakt@ohlstedt-hilft.de oder unter Tel. 0157 860 841 77. (ed)


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