Home » Ohlstedt hilft Geflüchteten nachhaltig

Begleitung und Hilfestellung von der Ankunft bis zur Job- und Wohnungssuche

Ohlstedt hilft Geflüchteten nachhaltig - Ausgabe 03.02.2016

Ohlstedt – Auf dem Ohlstedter Platz leben augenblicklich rund 400 Menschen zusammen. Die beheizten Zelte sind nicht als Dauerzustand gedacht. Bereits im Sommer, kurz nach dem Einzug der Menschen, die in Hamburg Schutz vor Krieg und Terror suchen, fanden sich viele Menschen zusammen, um zu helfen. Schnell entstand eine gut strukturierte Organisation.

Engagement aus den Nachbardörfern

Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Ehrenamtliche gemeldet, die mithelfen wollten. Manche der freiwilligen Helfer kommen auch aus benachbarten Stadtteilen. So auch Dieter Reis (75) aus Lemsahl-Mellingstedt, der sich mit seinem Einsatz einen langgehegten Wunsch erfüllen kann: „Früher wollte ich Lehrer werden, jetzt im Alter kann ich unterrichten. Es ist beglückend, was an Dankbarkeit zurückkommt. Es ist doch eine Notlage, da müssen wir helfen. Ich habe in nur vier Monaten so viele positive, freundliche Menschen kennengelernt. Das gilt für die Flüchtlinge und für die Helfenden”, freut sich der engagierte Mann.

Verlässlich: Deutschunterricht, Kleidung, Kinderbetreuung

Der Deutschunterricht im Zeltlager findet schon lange regelmäßig statt, und immer wieder stoßen Interessierte dazu. Ähnlich ist es bei der Kleiderkammer und der Kinderbetreuung. Je nach Interesse und Möglichkeiten, kann man sich unterschiedlich engagieren. Stefanie Reischauer aus Sasel hat noch im August im Internet nach Hilfsmöglichkeiten recherchiert und kam so auf Ohlstedt: „Am Anfang war ich schon ein bisschen abgeschreckt, ich wusste ja gar nicht, wie so eine Unterkunft aussieht, und dann war da sogar Security”, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke.
Zunächst engagierte sich die vierfache Mutter in der Kleider­kammer und wechselte dann in die Kinderbetreuung. Gern denkt sie an die Anfänge der Arbeit mit den Kindern zurück: Laub wurde hochgepustet und Kastanienfiguren gebastelt. Heute gibt es ein warmes Zelt mit einem breiten Fundus von Spielmöglichkeiten und ein kleines Gerätehaus. Die Kita „Kinderkreisel“ hat kürzlich hochwertige, ausrangierte Tische gespendet. „Da kamen sogar die Lernenden aus dem Deutschzelt und haben beim Einrichten des Kinderzelts geholfen. Alle sind sehr dankbar, das ist ganz toll,” freut sich Stefanie Reischauer.

Mit den Kräften haushalten

Anfangs war sie irritiert, als ihr gesagt wurde, sie solle sich ihre Kraft einteilen. Heute versteht sie den Rat: „Jetzt weiß ich, dass die Organisa­tion und Struktur dahinter eine gute Idee sind. Wir konnten bis auf einen Tag bisher täglich im Einsatz sein, weil es feste Teams und Pläne gibt, so dass Ersatz auch verfügbar ist, wenn mal jemand krank wird. Und das ist wichtig, damit niemand vergeblich zum Deutschunterricht kommt oder zu lange auf dringend nötige Kleidung warten muss“. (ed)