Home » Leser-Echo

Leser-Echo - Ausgabe 29.04.2020

Kommentar/Stellungnahme zur Einstellung des „Heimatecho“

Erst in der letzten Woche habe ich aus der letzten Print-Ausgabe am 16.4. mit Entsetzen von der unvermittelten Einstellung des „Heimatecho“ erfahren. Damit entsteht eine schmerzhafte Lücke hinsichtlich Informations- und Diskussionskultur im lokalen Gemeinwesen. Dabei hat sich gerade in den letzten Jahren eine zunehmende Identifikation alteingesessener und neuer Bewohner der Stadteile des Hamburger Nordostens (bis über die Landesgrenze hinaus!) entwickelt – Heimat nicht volkstümelnd, sondern im besten Sinne als regionale Teilhabe verstanden, auch für Menschen mit Behinderung!
Wir brauchen eine interessen-, partei- und branchenübergreifende Plattform, die Information und Meinungsaustausch für alle Bevölkerungsschichten zugängig macht – „barrierefrei“. Das können weder Social Media noch Amtsblätter, Kirchen- und Vereinsmitteilungen und schon gar nicht hochglanzpolierte Monats-Werbebroschüren leisten, auch wenn sie den Regionalbegriff „Alster“ benutzen. Auch wenn der redaktionelle Teil des Heimatecho begrenzt war, konnte ihm jeder interessierte Bürger/-in entnehmen, welche öffentlichen Bebauungsplanänderungen, Verkehrsprobleme, lokale Veranstaltungen oder spannende Vereinsaktivitäten stattfanden.
Man nimmt oder nahm man das Blatt wegen des redaktionellen Regionalteiles zur Hand - bei aller Nützlichkeit regionalbezogener Werbeanzeigen. Es bleibt die Frage, ob heute solche, besser eigentlich auf Gemeininteressen hin orientierte Printmedien noch auf der Basis von Anzeigenfinanzierung und Renditeerwartung ihrer Medienkonzerne funktionieren oder existieren können. Oder wäre so etwas – ähnlich wie Rundfunk, öffentlicher Nahverkehr oder Gesundheitswesen – eher ein Element der demokratischen Daseinsvorsorge?
Wie kann es weitergehen, wer koordiniert Zukunftslösungen? Eine staatliche Beihilfe für die jetzigen Verlage kann nicht die Lösung sein. Wie wäre es mit der Idee einer Stiftung oder Genossenschaft, an der die vielen regionalen Gruppierungen, Vereine und Gewerbetreibenden (dann mit Werbeanspruch) und ggf. private Förderer beteiligt wären, mit kleiner unabhängiger Redaktion? Oder eine ähnliche Form der Crowd-Finanzierung, vielleicht haben Siegfried Stockhecke, Andreas Dressel oder Wirtschaftsexperten Ideen? Es sei nur an den Erhalt des Koralle-Kinos erinnert: „wir Walddörfler“ haben schon andere Sachen geschafft und hinbekommen!
Bergstedt, 19.04.2020
Dr. Andreas Borkamp
-Vorsitzender Freunde & Förderer SNH e.V.-