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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Volksdorf mit weitreichenden Hilfsangeboten

Die Glocken, aber auch den Schuss hören! - Ausgabe 08.04.2020

Volksdorf – Aufgrund der geltenden Kontaktverbote fallen bereits seit Mitte März alle Gottesdienste und Veranstaltungen der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Volksdorf bis vorerst 30. April aus.
Oliver Spatz
Auch alle Räume der Gemeinde bleiben nun so lange geschlossen, das Kirchenbüro hat jedoch erweiterte telefonische Sprechzeiten: dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr unter Tel. 040 6031196. Das Pastorenteam ist ebenfalls unter den gewohnten Nummern erreichbar.
Jeden Mittag um 12 Uhr erklingt für einige Minuten das volle Geläut der Kirche am Rockenhof als Zeichen der Verbundenheit und Gelegenheit für ein persönliches Gebet. Dieses Hoffnungsläuten ist auch in vielen weiteren Kirchen der Nordkirche zu hören.
Gottesdienste finden zurzeit natürlich nicht öffentlich statt, aber jeden Sonn- und Feiertag auf der Website der Kirchengemeinde www.kirche-in-volksdorf.de sowie auf YouTube. Abrufbar sind die Videos jeweils schon am Vorabend.

Hilfe annehmen!
Neben den recht gut funktionierenden Telefonketten zwischen älteren Gemeindemitgliedern ist Pastor Jasper Burmester die ins Leben gerufene Nachbarschaftshilfe ein besonderes Anliegen. Montags bis sonnabends von 12 bis 14 Uhr können sich bevorzugt Senioren über 75 Jahre unter Tel. 6032401 bei der Gemeinde melden. Sie bekommen dann die Telefonnummer von einem der 40 Freiwilligen genannt, mit dem sie ihre Besorgungswünsche besprechen können. Die Einkäufe werden vor der Wohnungs- oder Haustür in ein Behältnis umgepackt, das beauftragende Senioren dort bereitstellen müssen, um persönliche Kontakte zu vermeiden. Kosten werden von der Kirchengemeinde vorgestreckt und hinterher per Rücküberweisung im Onlinebanking oder – noch einfacher – per Einzugsermächtigung ausgeglichen.
Ein praktisches Angebot, finden Pastor Burmester und seine Kolleginnen – das Problem ist nur: Es wird bislang nahezu gar nicht in Anspruch genommen. Rund 1.100 Briefe wurden an die erwähnte Volksdorfer Zielgruppe verschickt, die zugleich unmissverständlich Risikogruppe ist. Zwar gab es positive Resonanz auf die Initiative, aber lediglich drei Haushalte nutzen sie derzeit. Burmester ist nicht frei von Frust.

Scham oder Starrsinn?
„Ich kann es doch noch allein“ ist häufig zu hören. Eine Portion Stolz ist sicher bei einigen im Spiel, aber auch die Hemmung, überhaupt um Hilfe zu bitten. Wenn einem allerdings die Hilfe – es ist ja nicht die einzige Möglichkeit im Stadtteil – schon auf dem Silbertablett serviert wird und es nur einen Anruf braucht, woran scheitert es dann? Stolz oder Scham sind jedenfalls in der derzeitigen Lage völlig fehl am Platze und auch – so seltsam das vielleicht in manch angesprochenen Ohren klingen mag – egoistisch. Denn der weitgehende aktuelle Lockdown samt Kontaktverbot soll ja das Gesundheitssystem vor dem Kollaps bewahren – und gerade diejenigen schützen, die sich weiterhin allenthalben im ört­lichen Frischemarkt tummeln und sich auch sonst noch allzu häufig außerhalb der eigenen vier Wände aufhalten.
Also: Eventuelle Vorbehalte gilt es unbedingt über Bord werfen, appelliert auch Jasper Burmester nachdrücklich. Die Heimat-Echo-Redak­tion schließt sich an: Wer keinen wirklichen, objektiv triftigen Grund hat, in diesen Wochen trotz fortgeschrittenem Alter unter Menschen zu gehen, soll es bitte lassen. In Volksdorf und anderswo. Solidarität unbedingt – aber bitte von allen Seiten, und zwar nicht morgen, sondern jetzt!


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