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Ein zähes Ringen - Ausgabe 19.02.2020

Zwei Jahre nach dem Kahlschlag im Volksdorfer Norden

Volksdorf – 24 Monate ist es nun her, dass der private Eigentümer das gut einen Hektar große Waldstück zwischen den Straßen Schmalenremen, Duvenwischen, Gustav-Weihrauch-Weg und Kurzenremen bis auf wenige Bäume abholzen ließ.
Von Oliver Spatz
Das Entsetzen bei Anliegern und häufigen Besuchern der Gegend war groß – und ist es auch heute noch. Dreimal berichtete das Heimat-Echo seitdem über die weitere Entwicklung, zuletzt im November 2018.
Als örtlicher Bürgerschaftsabgeordneter fragte Thilo Kleibauer (CDU) beim Senat wiederholt den aktuellen Stand ab. Aktuelles Zwischenergebnis: Die von der Eigentümerseite eingereichte Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen die kurz nach dem Kahlhieb ergangene Anordnung zur Wiederaufforstung ist weiter anhängig, eine mündliche Verhandlung bisher nicht terminiert. Da die Klage aufschiebende Wirkung hat, bleibt der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) als für den Wald zuständiger Fach- und Aufsichtsbehörde nicht viel mehr übrig, als die Entwicklung der Fläche zu verfolgen. Mehrfach waren Behördenmitarbeiter 2019 vor Ort und stellten fest, dass das aufwachsende Grün zum Teil von Wild verbissen ist und sich ohne Schutzmaßnahmen wie einen durchgehenden Zaun dauerhaft nicht etablieren wird. Im Laufe der Zeit sind verschiedene Gartenblumen und -sträucher gewachsen.

Verfahren zieht sich
Zuletzt hatten im Herbst 2019 Regionalausschuss Walddörfer und Bezirksversammlung Wandsbek auf CDU-Initia­tive hin beschlossen, die BWVI um Entsendung eines Referenten zu bitten, der über den Sachstand und die Maßnahmen zur Sicherung der Waldfläche berichten soll. Bislang ist das nicht ­geschehen.
„Die aktuellen Antworten geben Anlass zur Sorge“, meint CDU-Mann Kleibauer. Daher habe seine Partei auch gefordert, dass die Behörde dem Regionalausschuss Rede und Antwort steht. „Es kann nicht sein, dass hier durch die Abholzung dauerhaft eine Waldfläche verschwindet. Für uns ist ganz klar: Diese bislang hochwertige Grün­fläche ist kein Bauland.“
Die Anwohnergemeinschaft, vor allem aus dem Gustav-Weihrauch-Weg, hat sich längst einen Anwalt genommen – nicht zuletzt, um Einsicht in einschlägige Unterlagen zu erhalten, berichtet Günter Dähling. Denn der Waldbesitzer wehre sich nicht nur gegen die erwähnte Anordnung zur Aufforstung, sondern wolle auch verhindern, dass die Anwohner das Gutachten in die Hände bekommen, das er seinerzeit in Auftrag gegeben hatte, um seinen Antrag auf Kahlhieb zu begründen.

Anwohner hoffen
„Die ganze Angelegenheit zieht sich – wie fast schon zu erwarten war – sehr, sehr lange hin. Statt Gelder in die Wiederaufforstung des Waldstücks zu stecken, investiert der Eigentümer lieber Zeit und Geld in seine Anwälte und beschäftigt die Gerichte“, so Dähling. „Es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik bei ihrer klar geäußerten Meinung bleibt, nämlich: Das Flurstück 412 ist und bleibt Wald!“
Trotz wiederholter gegenteiliger Beteue­rungen des Bauleiters der damaligen Fällmaßnahme vermuten viele Anwohner weiterhin, die Eigentümerseite spekuliere darauf, auf dem Areal doch noch bauen zu können, und spiele auf Zeit. Völlig abwegig scheint das Szenario nicht, erst recht, wenn der Wohnungsmangel in den Walddörfern weiter zunimmt und der Druck auf Politik und Verwaltung steigt. Das vom Eigentümer angeführte Kern­argument – Verkehrssicherung – hält die Anwohnerschaft nach wie vor für vorgeschoben.
Der ­Grundstückseigentümer selbst war für eine direkte Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.


fdjs