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Glosse

Kunden, an die Urne! - Ausgabe 19.02.2020

Am 23. Februar wird an die Urne gebeten: Kundschaftswahlen stehen an. Wie, das wissen Sie nicht? Ja, es klingt einigermaßen absurd, wenn man die vor ziemlich genau 13 Jahren vom Hamburger Senat eingeführte Sprach­regelung weiterführt. Aber es ist nur konsequent. Später wählt dann die neue Kundschaft den Kundenmeister. Aber noch sind wir nicht so weit. Ein paar Tage noch läuft der Endspurt der Kundenbindung (= Wahlkampf). Und im Wahl­lokal – welch feine Analogie zur Gastronomie, wo doch der Kunde König ist, nicht wahr? – sollte man sicherheitshalber seine Kundenkarte (= Personalausweis) dabeihaben. Bekommt man auf dieser eigentlich Punkte, wenn man brav ­seine Kreuzchen macht? Oder gibt es die erst bei weitergehendem kundschaftlichem Engagement? Ach, ich schweife ab. Wer unzufrieden ist: einfach mal ein Kundenbegehren starten. Oder in ein Kundenzentrum gehen, dort wo es noch eins gibt. Andererseits möge man nicht undankbar sein angesichts zahlreicher kundenfreundlicher Offensiven. Zum Beispiel das „Gute-Kita-Gesetz“ (okay, das kommt aus Berlin) oder andere Beschlüsse, die heute nicht mehr in ­staubtrockenem Beamtendeutsch daherkommen, sondern in rosa glitzernder Verpackung. „Showtime für den Quastenflosser“ wurde kürzlich der Ortstermin des Umweltsenators zur Instandsetzung der Poppenbütteler Schleuse in einer offiziellen Senats-Presse­mitteilung beworben – hey, da kriegt man doch gleich noch mehr Lust auf unsere schöne Alster. Ach, der Quasten­flosser treibt sich gar nicht in unseren Gefilden herum? Egal, man muss es den Leuten nur richtig schmackhaft machen. Infantilisierung der Politik? I wo! Kundennähe heißt das Stichwort. Alles andere ist defätistisches Genöle.
Oliver Spatz