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Wohldorfer Denkmal wird saniert - Ausgabe 22.01.2020

Geldspritze für Bahnhof mit Kleinbahnmuseum

Wohldorf – Ein Stück Stadt- und Verkehrs­geschichte in den Walddörfern soll erhalten bleiben. Der ehemalige Endpunkt der elektrischen Kleinbahn Alt-Rahlstedt–Volksdorf–Wohldorf, gleichzeitig Hamburgs nördlichster Bahnhof, wird bald wieder zu einem attraktiven Ausflugsziel.
Matthias Damm

Rückblick
Für die Jüngeren eine knappe historische Übersicht: 1904 wurden die Walddörfer per Straßenbahn an die Eisenbahnstrecke Hamburg–­Lübeck angeschlossen. Vom Bahnhof Rahlstedt führte die Strecke entlang der Oldenfelder Straße, dann parallel zur späteren B 75, über den Meiendorfer Weg und die Farmsener Landstraße nach Volksdorf. Das Koralle-Kino und das angrenzende Gebäude waren damals der Bahnhof, auf dem Marktplatz befanden sich die Gleisanlagen und eine Wartungshalle, die später noch einige Jahre als Markthalle diente. Ab 1907 ging es dann auf dem bekannten Radwanderweg entlang der heutigen U 1 weiter bis nach Ohlstedt und schließlich durch den Wald über die ­Tannenallee bis nach Wohldorf. Der Hochbahn-Bau in die Walddörfer startete erst 1914 – und bedeutete dann auch das baldige Ende der Straßenbahn.
Die Älteren werden sich gern erinnern: Bis 1961 gab es noch einen Restbetrieb auf der idyllischen Strecke Ohl­stedt–Wohldorf, mitten durch den Wald. Danach blieb nur noch das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude direkt am Naturschutzgebiet Wohldorfer Wald. Hier präsentiert der Verein ­Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V. (VVM) seit 1996 eine Ausstellung mit Originalteilen, Dokumenten, Modellen und Fotos zur Geschichte der Kleinbahn und des öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg und Umgebung. Der Fortbestand des kleinen Museums in dem über 100 Jahre alten Fachwerkhaus war ungewiss. Besonders Feuchtigkeit und statische Probleme führten im März 2019 zur Schließung der Ausstellung für Besucher.

Vereinsarbeit lang­fristig sichern
Jetzt steht fest: Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen als Eigentümer des Gebäudes stellt für die umfassende Sanierung rund 900.000 Euro zur Ver­fügung, weitere 490.000 Euro kommen aus dem Quartiersfonds. Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) überreichte dem Vorsitzenden des VVM Dr. Harald Elsner am vergangenen Donnerstag den Finanzierungsbescheid für die beschlossene Wiederherstellung. Dressel: „Nun haben wir eine Perspektive für das denkmalgeschützte ­Gebäude und das Museum, um das sich der Verein mit seinen ehrenamtlichen Mitstreitern seit vielen Jahren mit enorm viel Engage­ment kümmert. Das ­Museum ist ein wichtiges Stück Hamburger Verkehrs- und Heimatgeschichte.“ Harald Elsner ergänzt: „In dem renovierten Gebäude wird ein größeres und sehr interessantes Museum rund um die Geschichte der Kleinbahn Platz finden.“
Für Hans-Detlef Schulze vom örtlichen Bürgerverein ist wichtig, dass es für den VVM nach Abschluss der Sanierung auch langfristig eine Nutzungsoption durch moderat angepasste Mietbedingungen geben muss.
Thilo Kleibauer, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter für den Wahlkreis Alstertal-Walddörfer, sieht Senator Dressel im Wahlkampfmodus: „Das Kleinbahnmuseum Wohldorf mit der Erinnerung an die regionale Geschichte ist eine gute Institution, die mehr Aufmerksamkeit verdient. Wenn allerdings ein Senator fünf Wochen vor der Wahl im Alleingang Haushaltsmittel von knapp einer Million Euro für ein Projekt in seinem Wahlkreis umschichtet, ist das sehr fragwürdig. So bekommt man den Eindruck, es geht hier mehr um die schnelle Publicity als um ein langfristiges Nutzungskonzept.“
Zurzeit befinden sich der Verein, die Stadt und die Sprinkenhof GmbH, die die Realisierung der Baumaßnahmen übernimmt, in der Planungsphase. Sprinkenhof-Geschäftsführer Jan Zunke geht davon aus, dass die aufwendigen Arbeiten 2021 abgeschlossen werden. Dann würde das Museum genau 60 Jahre, nachdem der letzte Triebwagen den Bahnhof Wohldorf erreicht hat, die Geschichte der Kleinbahn am nördlichsten Bahnhof Hamburgs weitererzählen.
Wer übrigens mal in einem Wagen der ehemaligen Hamburger Straßenbahn mitfahren möchte, kann das am Schönberger Strand an der Ostsee tun. Bei der dortigen Museumsbahn, die ebenfalls zum VVM gehört, nimmt Straßenbahnführer Detlef Schulze-Hagenest (Foto oben) Interessierte in Originaluniform mit auf die Reise.


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