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Bremer Sportlegende zu Gast in Volksdorf - Ausgabe 15.01.2020

24. Neujahrsempfang des Walddörfer SV

Volksdorf – „Am Wochen­ende darf man auch einmal in Turnschuhen arbeiten“, so die Meinung von Sport- und Innensenator Andy Grote (51, SPD) bei der Ankunft auf dem Neujahresempfang des Walddörfer Sportvereins, als er auf sein Schuhwerk angesprochen wurde.
Von Florian Büh
„Wir haben den Tag unter das Motto ‚Jugend ist Zukunft‘ gestellt“, erklärte Ulrich Lopatta (58) und lud drei junge Damen aus seiner Jugendabteilung – dem Young Motion Team – auf die Bühne des Walddörfer Sportforums ein: Jasmina Westphal, dritte Jugendwartin, die Auszubildende Finja Wendt und Antonia Farr, Trainerin in der Leichtathletik.
Gemeinsam entlockten sie den beiden Ehrengästen manch erstaunliche Antwort. Mit Willi Lemke aus Bremen baute sich so etwas wie eine Sportlegende neben dem Hamburger Sportsenator auf. Der 73-jährige SPD-Politiker und Sportfunktio­när war nicht nur für die Vereinten Nationen in Sachen Sport unterwegs, zuvor war er Senator für Bildung und Wissenschaft und für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen. Auch als langjähriger Manager des SV Werder Bremen wurde er bekannt.

Jugend im Fokus
Modern und jung präsentiert sich der Sportverein – der in wenigen Jahren seinen 100. Geburtstag feiert – nicht nur beim Neujahresempfang: Von den 8.600 Mitgliedern, so der ­Vorstandsvorsitzende Lopatta, seien 38 Prozent unter 18 Jahren, 45 Prozent unter 27 Jahren alt. 15 Prozent der 426 Trainer seien unter 18 und unter 27 Jahren seien etwa 40 Prozent. Die Jugendwarte Rika Gerke und Marcel Reimers führten durch den Abend, der mit einem Film startete. Darin: die Motivation der Jugendlichen für Sport – und einige Angebote des Walddörfer SV. Party, Spaß, Gemeinschaft werden gepaart mit den sportlichen Werten Respekt, Toleranz und Teamgeist. „Runterkommen, rausgehen, Menschen treffen“, so die Botschaft des Films, sei im Sportverein möglich. Für besonderes Aufsehen sorgten Spielbilder vom „Bubble Ball“. Erstmals werde es in diesem Jahr eine Sportreise nach Sylt für die Jugend geben, betonten die Organisatoren beim „größten Neujahrsempfang, den wir je hatten. 320 Anmeldungen sind eingegangen“, freute sich Ulrich Lopatta über das Gedränge im Obergeschoss.

Prominent-pointiert
Andy Grote betonte, dass „Sport gut ist für unsere Gesellschaft. Zudem haben wir wieder ein olympisches Jahr“, auf das er sich sehr freue.
Willi Lemke war in Zürich um 4.38 Uhr aufgestanden, um dann beim Neujahrs­empfang mit einer spannenden Anek­dote zu über­raschen: „Ich war 1958 und 1959 schwer verknallt in Volksdorf. In eine Volksdorferin, um genau zu sein“, verriet er. Als etwa 15-Jähriger sei er zudem der Sprintstrecke verfallen. „Dann war der Flirt leider vorbei und ich wechselte zur Leichtathletik des HSV. Leider“, so Lemke. Schon länger beobachte er „Muckibuden“ und ärgere sich darüber. Sie brächten keine Erfahrungen, seien wie das Internet. „Nichts Menschliches. Nur wenn man den Schweiß des anderen riechen kann, bringt das mehr als dieses Herumgedaddel.“ Sozialkompetenzen und erbrachte Leistungen, die für eine Gesellschaft wichtig seien, bringe der Sport einer Gemeinschaft, waren sich die Bühnengäste einig.
Mit einem Versprechen ging Andy Grote aus dem einzigen offenen Dissens des Tages: „Ich schau mir das mal an“, erklärte er. Bei der Frage ging es darum, wa­rum es beim Stadtteilfest in Volksdorf nicht mehr möglich sei, dass der Truck der jungen Sportler fahren dürfe. „Uns wurde es von der Polizei verboten. Sollten wir einen Antrag stellen, würden die Auflagen an Sicherheit so groß werden, dass wir es nicht bezahlen könnten“, erklärte ­Jasmina Westphal und ergänzte: „Wir wollen nicht immer zur ­Reeperbahn.“
In Bezug auf „schwierige Eltern“ und „verhaltensoriginelle Kinder“, die immer wieder im Sportverein den Trainern Herausforderungen böten, appellierte Grote an eine Vernetzung im Stadtteil: „Hier sind viele Akteure im Quartier. Die müssen enger zusammenarbeiten.“


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