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„Servicelösung“ aufgehoben - Ausgabe 15.01.2020

Radfahrer müssen an drei wichtigen Straßen in Alstertal und Walddörfern auf die Fahrbahn

Alstertal/Walddörfer – Auf mehreren Straßen im Alstertal und den Walddörfern herrscht Verwirrung. Nachdem Radfahrer dort seit etlichen Jahren den Gehweg befahren durften, wurde diese Erlaubnis in den vergangenen Monaten entzogen.
Von Oliver Spatz
Längst nicht alle haben das mitbekommen. Und manche wollen es nicht hinnehmen und fahren weiterhin dort, wo sich Fußgänger ­fortbewegen. Wie eine Heimat-Echo-Nachfrage beim Polizei­kommissariat 35 in Poppenbüttel ergab, wurde die sogenannte „Service­lösung“, die Radfahrern in besonders ­begründeten Ausnahmefällen das rücksichtsvolle Befahren des Gehwegs erlaubt, von Juli bis Dezember 2019 auf drei größeren Abschnitten aufgehoben:
im Verlauf Alte Schmiede, Bergstedter Markt, Rodenbeker Straße zwischen Bergstedter Chaussee und Trillup,
im Verlauf Wellingsbüttler Weg, Poppenbüttler Landstraße, Stadtbahnstraße zwischen Rolfinckstraße und dem Ring 3,
im Verlauf Volksdorfer Weg, Saseler Weg zwischen Meiendorfer Mühlenweg und Farmsener Landstraße.
Verlegungen des Radverkehrs auf die Fahrbahn sorgen nicht selten für Ärger bei Betroffenen – und für Kontroversen in der Politik. Während die Grünen Hamburg zur Fahrradstadt machen und den Drahtesel zu einem gleichberechtigten, wenn nicht bevorrechtigten Teil des Straßenverkehrs machen möchten, plädiert etwa die CDU für einen ausgewogenen Mix der Verkehrsmittel und kämpft vielerorts gegen die zunehmende Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße. Das Hauptargument: Viele Menschen fühlen sich neben beziehungsweise zwischen Autos und Lastwagen auf der Straße unsicher. Die Polizei wiederum führt regelmäßig die Unfallstatistik an, der ­zufolge das Fahren auf der Straße die sicherste Variante für Radfahrer sei.

Lokale Diskussionen
In den Regionalausschüssen kam das dreifache Ende der „Servicelösung“ unter dem regelmäßigen Tagesordnungspunkt „Straßenverkehrsbehördliche Anordnungen“ ebenfalls auf den Tisch. Im Regionalausschuss Walddörfer etwa diskutierte man die Situation auf der Rodenbeker Straße und dabei über unterschiedliche Modelle der Radverkehrsführung genauso wie über eine Verlängerung der bestehenden Tempo-30-Strecke, um Radler auf der Straße besser zu schützen.
Auf dem Saseler beziehungsweise Volksdorfer Weg – in weiten Teilen bereits auf 30 km/h beschränkt – regt sich Widerstand auch aus anderen Gründen. Die Verbindungsachse zwischen Sasel und Volksdorf ist vor allem ein viel frequentierter Schulweg. Schon lange gibt es ohnehin Ärger wegen Elterntaxis: Mütter und Väter, die in Höhe der Teichwiesen-Schule am Fahrbahnrand halten, morgens ihre Kinder zur Schule bringen, mittags auf sie warten und so die schmale Straße zum Hindernisparcours vor allem für den motorisierten Verkehr machen. Aber nun, mit der jüngsten „Verbannung“ von Radfahrern vom Gehweg auf die Fahrbahn, sehen sich Biker deutlich stärker gefährdet. Bürger, die auf der Strecke regelmäßig unterwegs sind, berichten von gefährlichen Situationen, wenn etwa ein auf der Straße fahrender Radfahrer den Verkehr aufhalte und sich den Unmut seiner Hintermänner zuziehe, der sich teils verbal und manchmal sogar nonverbal Bahn breche. Riskante Überholmanöver kommen täglich vor, Radler werden abgedrängt. Aber auch um die angesprochenen Schulkinder geht es: Achten Autofahrer beim Herausfahren aus Seitenstraßen oder Grundstückseinfahrten noch auf kleine Radfahrer, wenn sie nicht mehr mit diesem Querverkehr rechnen?

Kinder weiter erlaubt
Friedhelm Petersen, Abteilungsleiter Prävention und Verkehr am PK 35, weist jedoch darauf hin, dass sich an der allgemeinen Rechtslage nichts geändert habe: Auch wenn die Gehwege in den drei Bereichen auf beiden Seiten nicht mehr mit Fahrrädern befahren werden dürfen, bilden Kinder weiterhin eine Ausnahme. Bis zum achten Geburtstag müssen sie, bis zum zehnten dürfen sie mit Fahrrädern Gehwege benutzen, auf der rechten wie auf der linken Seite. Kinder bis acht Jahre dürfen zudem von einer geeigneten Rad fahrenden Aufsichtsperson ab 16 Jahren begleitet werden.
Ein Verkehrsschild, das Autofahrer auf die geänderte Lage hinweist, kennt die Straßenverkehrsordnung (StVO) übrigens nicht. Es wurden bloß die weißen Ergänzungsschilder abmontiert, die bis dahin die Ausnahmeregelung anzeigten. Ebenso wenig existieren Schilder, die darüber informieren könnten, dass Verkehrsteilnehmer ab elf Jahren zwar nicht mehr auf dem Gehweg fahren dürfen, jüngere aber schon.
Generell verhält es sich nach der StVO so: Gemeinsame Geh- und Radwege sollen innerorts mindestens 2,50 Meter, außerorts 2,00 Meter breit sein. Unzureichende Wegbreiten sind der Hauptgrund für die Polizei, die „Servicelösung“ aufzuheben; erst recht, wenn entsprechende, rechtlich nicht abweisbare Anträge eingehen. Aber auch schwere Zusammenstöße zwischen Radfahrern und Fußgängern, wie mehrfach im Wellingsbütteler Weg geschehen, veranlassen die Straßenverkehrs­behörde, tätig zu werden.
An sämtlichen Straßen mit „Servicelösung“ auf schmalen Gehwegen soll die bestehende Regelung wohl nicht geändert werden. Mit einzelnen weiteren Änderungen ist dennoch zu rechnen. Der Waldweg zum Beispiel soll nach erfolgter Sanierung in einigen Jahren ohnehin folgen


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