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Licht und Schatten auf der Linie U1 - Ausgabe 04.12.2019

Taktverbesserung zum Fahrplanwechsel – aber nur auf Ohlstedter Ast

Walddörfer – Das Konzept der Metropolregion ist schön und gut, in einigen Bereichen mittlerweile durchaus mit Leben gefüllt. Aber manchmal hapert es an basaler nachbarschaft­licher Kommunika­tion, wie im Fall der geplanten Taktausweitung im U-Bahn-Verkehr.
Von Oliver Spatz
Zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und dem schleswig-holsteinischen Landkreis Stormarn wurde offenbar nicht genug oder viel zu spät miteinander gesprochen – dabei geht es um ein Anliegen der Hamburger Seite.
Im Sommer stellte der Hamburger Senat weitere Planungen für den öffentlichen Personennahverkehr vor, die sogenannte Angebotsoffensive II, die dazu beitragen soll, Umwelt und Klima weniger zu belasten, den Verbrauch an Ressourcen zu senken und die Mobilität in Hamburg für alle Menschen gleichermaßen verfügbar und bezahlbar zu machen. Der so beworbene „Hamburg-Takt“ sieht vor, dass jeder Hamburger in Zukunft maximal fünf Minuten auf Bus oder Bahn warten muss. Damit soll bis 2029 die Notwendigkeit entfallen, sich über Fahrpläne Gedanken zu machen.
Schon zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 soll laut Senat „die größte Angebotserweiterung seit Bestehen des Hamburger Verkehrsverbunds“ erfolgen. Auch in den Walddörfern tut sich etwas. So hieß es im Sommer, auf den nordöstlichen Abschnitten der U-Bahn-Linie 1 solle in den Hauptverkehrszeiten morgens und spätnachmittags beziehungsweise abends der Zehn-Minuten-Takt zwischen Volksdorf und Großhansdorf sowie zwischen Volksdorf und Ohlstedt verlängert werden. In den Monaten danach folgte einiges Hin und Her.

Kommando zurück
Inzwischen ist klar: Wenn kommende Woche Sonntag der neue Fahrplan in Kraft tritt, profitieren nur Fahrgäste auf dem Ast ab Volksdorf nach Ohlstedt. Hier wird der Zehn-Minuten-Betrieb morgens und abends um jeweils mehr als eine Stunde ausgedehnt. Demnach endet er ab Ohlstedt in Richtung Volksdorf und weiter in die Innenstadt künftig statt um 8.05 Uhr um 9.25 Uhr sowie statt um 18.45 Uhr um 20.25 Uhr. Der Zehn-Minuten-Takt ab Volksdorf nach Ohl­stedt endet dann statt um 7.46 Uhr um 9.10 Uhr sowie statt um 18.51 Uhr um 20.30 Uhr.
Während sich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) für den Zweig nach Ohlstedt mit dem Kreis Stormarn einig wurde, sind auf dem Abschnitt zwischen Volksdorf und Großhansdorf – anders als angekündigt – nun doch keine Verbesserungen vorgesehen. Aus Heimat-Echo-Anfragen bei der Hochbahn und aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Thilo Kleibauer geht hervor, dass die endgültige Kosten­ermittlung für den auf den Kreis Stormarn entfallenden Streckenanteil dem Kreis Stormarn erst am 26. September zur Verfügung gestellt wurde. Am 10. Oktober teilte der Kreis mit, „die Leistungsausweitung auf dem Abschnitt nach Großhansdorf auch wegen der kurzfristig nicht sicherzustellenden Finanzierung nicht zu bestellen“, wie es heißt. Stormarn hätte zusätzliche Kosten in Höhe von fast 500.000 Euro jährlich zu tragen – kein Pappenstiel für das begrenzte Budget des Landkreises. Dem Vernehmen nach war man in der Stormarner Verwaltung auch nicht begeistert von der Kurzfristigkeit der konkreten Pläne.
Auf der Bahnstrecke nach Ohlstedt liegt bloß die Haltestelle Hoisbüttel auf schleswig-holsteinischem Terrain. Nach Großhansdorf jedoch führen die Gleise nur bis zum Bahnhof Buchenkamp durch Hamburger Stadtgebiet, danach über Ahrensburg-West, -Ost, Schmalenbeck und Kiekut durchweg durch das nördliche Nachbarland. Ein nicht unwichtiger Unterschied.

Kritik der Opposition
Als Wahlkreisabgeordneter für Alstertal und Walddörfer findet Thilo Kleibauer es zunächst „gut, wenn das HVV-Angebot nun auch endlich am Stadtrand im Nordosten verbessert wird“. Hierfür setze sich die CDU seit Langem ein. Von der deutlichen Ausweitung des Zehn-Minuten-Takts von und nach Ohlstedt profitierten viele Menschen in den Walddörfern. Damit der öffentliche Nahverkehr mit einem attraktiven und verlässlichen Angebot zum Einsteigen einlade, seien aber auch Taktverdichtungen bei den Bus­linien erforderlich, mit denen U- und S-Bahn, Schulen oder Ortszentren gut erreichbar seien. „Enttäuschend ist, dass mit dem Fahrplanwechsel keine einzige zusätzliche Fahrt auf der U-Bahnstrecke nach Großhansdorf mit dem Bahnhof Buchenkamp geplant ist. Ich hoffe trotzdem, dass auch hier in den nächsten Jahren Taktverbesserungen für ein attraktives HVV-Angebot möglich sind.“ Dass dem Kreis Stormarn erst Ende September die konkreten finanziellen Details einer möglichen Taktverbesserung vorgelegt wurden, kritisiert der CDU-Haushaltsexperte als „viel zu spät“ und „nicht angemessenen Umgang unter Nachbarn. Hier muss die Zusammenarbeit mit dem Umland deutlich besser werden.“
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 wird es wohl einen neuen Anlauf geben, auch den Großhansdorfer Bahnast mit verlängerter Zehn-Minuten-Taktung zu versehen.


fdjs