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Von Fluch und Segen der eigenen Weltsicht - Ausgabe 13.11.2019

Die „Sichtweisenproduzentin“ Sofie Busch ist zu Gast bei „Denken denken“

Volksdorf Kritisches Denken und freie Meinungsäußerung – diese beiden Aspekte philosophischen Denkens machen ein friedliches und menschenwürdiges Leben überhaupt erst möglich, davon ist die UNESCO überzeugt und ehrt die Disziplin seit 2006 jedes Jahr in der dritten Novemberwoche mit dem „Welttag der Philosophie“.
Susanne Lorenz
In den vergangenen fünf Jahren hat man an diesem „Feiertag“ in der Volksdorfer Philopraxis „Denken denken“ schon so einige faszinierende Gäste begrüßen dürfen – die für Volksdorf und Umgebung zuständige Pröpstin Isa Lübbers zum Beispiel, zwei Ärzte, ein Onkologe und ein Palliativmediziner, mit denen man über Medizinethik diskutierte, ein Richter zu der ewigen Frage, ob ein faires Verfahren auch automatisch zu einem gerechten Urteil führe. In diesem Jahr, am Donnerstag, 21. November, ist die Hamburger Malerin Sofie Busch zu Gast. Unter dem Titel „Philosophie trifft Künstlerin“ lassen Helmut Stubbe da Luz und Tanja Trede-Schicker ihre Gäste mit Sofie Busch über vergoldete Häuserfassaden diskutieren, über Kunstkritik und das Philosophieren mit Farben und Formen.

Auseinandersetzung – aber friedlich

Philosophisches Denken ist nicht nur alltagstauglich, sondern unerlässlich – heute wie zu allen Zeiten: Wer sich nicht scheut, gesellschaftliche Phänomene kritisch zu beleuchten und Diskussionen zu entzünden, bringt die friedliche Auseinandersetzung zwischen Menschen in Fluss: Man denkt gemeinsam, ist unterschiedlicher Meinung, diskutiert, gewinnt neue Erkenntnisse, stellt neue Zusammenhänge her – und schließlich findet jeder zu seiner ganz eigenen Sicht der Dinge. Ganz ähnlich ist es in der Kunst: „Ein jeder und eine jede bringt eigene Ansichten mit, vielleicht eine andere Ästhetik und einen anderen Kunstbegriff. Man muss selbst denken. Zulassen, dass man Dinge anders sieht als andere, einen eigenen Blick ausbilden, sich diesen auch zugestehen und anderen den ihren. Kunst bringt Menschen ins Gespräch“, weiß Sofie Busch.

Freiheit kostet
Sichtweisen zu produzieren, einen eigenen Blick auf die Dinge haben, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln, ist nicht immer bequem. Er verpflichtet. Macht Umdenken nötig, zieht Konsequenzen für das eigene Verhalten nach sich. Unter Umständen. Und er ist nicht gratis – bedingt einen finanziellen Background und gegebenenfalls die Bereitschaft zum Verzicht. „Kunst und Philosophie bedeuten Freiheit“, sagt Sofie Busch. „Und wo die Freiheit beginnt, beginnt auch die Verantwortlichkeit. Ob man sich dabei auf dem Kunstmarkt etablieren kann und will, entscheiden letzten Endes fördernde oder hemmende Bedingungen, auch materielle, und natürlich auch die eigenen Prioritäten.“
Sofie Busch ist Künstlerin aus Berufung. „Kunst ist subjektiv, vielgestaltig, nicht immer schön und oft nicht vollständig erklärbar“ sagt sie, „umso wichtiger ist das Sprechen darüber, das Umkreisen dessen, was Kunst sein kann, und weshalb die Freiheit der Kunst für eine zukunftsfähige Gesellschaft notwendig ist.“ Auch Fragen zu ihren eigenen Erfahrungen als Malerin wird Sofie Busch in der Volksdorfer Kunstkate gerne beantworten.

Mehr Info zur Philopraxis und zu Sofie Busch gibt es auf www.denkendenken.com und www.sofiebusch.de. Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 21. November um 19 Uhr in der KunstKate Volksdorf, Eulenkrugstraße 60–64, der Eintritt ist frei.


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