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Für sich selbst und für andere: Jugendliche engagieren sich bei „Give 40“

40 Stunden im lebendigen Museum - Ausgabe 09.10.2019

Volksdorf Es ist wie immer, wenn man ins Museumsdorf Volksdorf kommt: Man hat das Gefühl, hier sei die Welt noch in Ordnung, überschaubar und friedlich.

Susanne Lorenz

Im Augenblick ist man dabei „klar Schiff“ zu machen: Die Erntewagen auf dem Hof sind vom Erntefest am Wochenende teilweise noch beladen und müssen abgeschmückt werden, der Wagnerhof wird schon für die nächste Veranstaltung vorbereitet.

Teil eines Ganzen sein

Fiona Neumann striegelt gerade den Kaltblutwallach Eric. Sie besucht die Oberstufe des Gymnasiums Rahlstedt. Im Rahmen von „Give 40“, so der Name eines Projekts, initiiert von den SeniorTrainerInnen Hamburg, dem Seniorenbüro Hamburg e.V. und dem AKTIVOLI Wandsbek Freiwilligenzentrum, engagiert sie sich insgesamt 40 Stunden lang im Museumsdorf, mistet aus, kümmert sich um die Pferde, packt mit an, wo es nötig ist. Jede helfende Hand ist hier willkommen, das hat sie sofort gespürt. „Es macht Spaß, etwas Sinnvolles zu tun und an einem Ort zu arbeiten, an dem so viele Menschen vor allem ehrenamtlich zusammenarbeiten“, findet Fiona. Heute ist ihr letzter Tag im Museumsdorf: Die 40 Stunden sind voll, ihre Zeit hier ist um.
„Give 40“ möchte Jugendliche ab Klasse 8 in ihrer sozialen Verantwortung und ihrem Demokratieverständnis stärken. „Freiwilliges soziales Engagement bringt diese Stärkung mit sich“, weiß SeniorTrainerin Anneliese Kron. „Man kommt bei so einer Tätigkeit zwangsläufig mit gesellschaftspolitischen und sozioökonomischen Fragestellungen in Berührung, macht sich Gedanken, sammelt Erfahrungen. Und entwickelt ganz nebenbei Fähigkeiten wie Respekt, Toleranz und Empathie – Kompetenzen, die man braucht, um gesellschaftliche Zusammenhänge mitgestalten zu können“.

Punkten mit Zertifikat

Auch viele Ausbildungsbetriebe würdigen es, wenn die jungen Bewerber bereits erste Erfahrungen mitbringen und schon ein Gefühl dafür haben, was es heißt sich für etwas, das sie selbst als sinnvoll empfinden, einzusetzen. „Für die 40 geleisteten Stunden erhalten die Jugendlichen ein Zertifikat“, berichtet Anneliese Kron. „Das kann man gut der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz beifügen“.

Unterstützung garantiert

Allein gelassen ist man während seiner Tätigkeit nicht: „Give 40“ stellt den Jugendlichen einen erfahrenen Coach zur Seite. Sie oder er hilft ihnen dabei, sich für einen Einsatzort zu entscheiden und steht ihnen bei allen Fragen als Ansprechpartner zur Seite. So wie Gudrun Niessen, ehemalige Kollegin am Gymnasium Rahlstedt, die seit ihrer Pensionierung zu den SeniorTrainerInnnen gehört, Fiona während ihrer Zeit im Museumsdorf begleitet hat und auch noch in anderen Projekten aktiv ist, die das gute Miteinander von Alt und Jung nutzen, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.

Wenn einem etwas wichtig ist…

Aber zurück zu Fiona: Geht das überhaupt? Zur Schule gehen, lernen, seinen Hobbies nachgehen und sich nebenbei noch freiwillig engagieren? „Man muss schon Prioritäten setzen“, sagt Fiona, die neben der Vorbereitung aufs Abi auch noch Snairdrum in einer Märzing-Band spielt, Zumba tanzt und sich gern mit Freunden trifft. „Aber ich finde es einfach sinnvoll, und es sind nur 40 Stunden insgesamt, die man sich frei einteilen kann. Das geht dann schon. Wenn einem etwas wichtig ist, nimmt man sich halt Zeit dafür – und wer das einmal gemacht hat, kommt auf den Geschmack…“

Interesse geweckt? Mehr zu „Give 40“ gibt es auf http://seniorenbuero-hamburg.de unter Treffs&Gruppen&Projekte


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