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Geschichtsbild endlich geradegerückt - Ausgabe 11.09.2019

Kriegerdenkmal Wulfsdorf wird zum Mahnmal. Ein Gastbeitrag anlässlich des 80. Jahrestags des Überfalls auf Polen

Volksdorf/Wulfsdorf – Mindestens ein Spaziergänger aus Volksdorf konnte es schon vor Jahren nicht mehr aushalten.
Von Wulf Hilbert
„Den Beschützern der Heimat von 1939 – 1945 aus Dankbarkeit“ steht auf einem in Bronze gegossenen Schild am Kriegerdenkmal Wulfsdorfer Weg/Am Scharberg, unweit der U-Bahnunterführung. 16 Wulfsdorfer Soldaten fielen in den Kriegsjahren; ihrer wird gedacht neben den Toten aus dem Ersten Weltkrieg. Dass jene 16, freiwillig oder verpflichtet, alles andere als die Heimat beschützten, als sie ihr Leben verloren, hätte man 1949 schon wissen können. In dem Jahr wurde die Tafel angebracht. Während der jährlichen Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag blieb die geschichtsverdrehende Aussage öffentlich bis heute unkommentiert.
Doch nach einer Privatinitiative stellt seit wenigen Wochen eine Tafel mit weißer Schrift auf blauem Grund wenigstens eines richtig. Die Gedenkstätte ist nun allen Toten, nämlich den Opfern der Kriege, Diktaturen und Gewaltherrschaft gewidmet, und Bundestagspräsident a.D. Norbert Lammert wird zitiert: „Am 8. Mai war ein Weltkrieg [in Europa] zu Ende, der von Deutschland, einer deutschen Regierung begonnen und betrieben wurde und mehr als 50 Millionen Menschenleben gekostet hat, darunter auch etwa 8 Millio­nen Deutsche“ (2015). Der Auftraggeber für die Tafel gibt sich selbst nicht zu erkennen – vielleicht ist es der Rat der Stadt Ahrensburg?
Nun lud der mit dem Thema befasste Runde Tisch Ahrensburg für Zivilcourage und Menschenrechte zum 1. September den Historiker Georg Erdelbrock ein. Erdelbrock rückte im Vereinshaus der Allmende Wulfsdorf die näheren Umstände zu Beginn des Vernichtungskriegs vor 80 Jahren ins Bewusstsein. Zum Rahmen passten das berühmte Nocturne von Chopin aus dem Polanski-Film „Der Pianist“ und ein polnisches Volkslied, vorgetragen von Teilnehmerinnen der Veranstaltung. Ein gemeinsamer Gang zum jetzt ergänzten Kriegerdenkmal schloss sich an. Mindestens der Volksdorfer Spaziergänger kann nun leichteren Herzens daran vorbeigehen.


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