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Bewussts-EI-n am Frühstückstisch - Ausgabe 10.04.2019

Poppenbütteler Geschwister betreiben lebensnahe Forschung

POPPENBÜTTEL – Es gibt viele Gründe, auf Fleisch zu verzichten.
ROBERT CHERKOWSKI
Während manche ­Kalorien zählen und andere den Fleischverzehr für unvereinbar mit dem menschlichen Verdauungsprozess halten, hat der Bogen, den die Poppenbütteler Geschwister Katharina (21) und Johanna Mau (19) um Fleisch machen, den einfachsten Grund: Empathie mit anderen Lebewesen. „Ich will nicht, dass Tiere sterben, um mich zu ernähren“, sagt Johanna. Ihre Schwester Katharina geht als Veganerin einen Schritt weiter und verzichtet auf alle tierischen Produkte wie Milch, Käse und Eier. Zu missionieren liegt ihnen dennoch fern, sodass Bruder Jannes (14) nach wie vor Fleisch isst, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Von Grenz- und Einzelfällen
Doch es gibt Grenzfälle. „Eier zum Beispiel sind etwas, was ich auch als Vegetarierin vertreten kann“, sagt Johanna und fährt fort: „Allerdings nur, wenn die Eier keine embryonalen Entwicklungsstadien aufweisen können.“ Sonst, so Katharina, sei es gleich­bedeutend mit dem Essen von ungeschlüpften Küken.
Auch wenn bei Supermarkt­eiern behauptet wird, dass keine embryonale Entwicklung möglich sei, kommt es oft genug vor, dass man als Käufer auf embryonale Spuren stößt. Katharina: „Jeder, dem das passiert, glaubt erst mal, dass es ein Einzelfall ist, wenn er so was findet.“ Wirklich nur Einzelfälle?
Johanna: „Wir wollten wissen, was passiert, wenn man Supermarkteier verschiedener Anbieter in einem Inkubator, einem richtigen Brüter, behandeln würde.“ Schnell waren die Eier und ein kleiner Inkubator für 90 Eier gekauft und es konnte losgehen.
Die Organisation zweier 25-tägiger Inkubationsprozesse machte den Großteil der Forschungsarbeit aus, die sich zum Full-Time-Job entwickelte, wie auch Jannes zu berichten weiß: „Da musste jeder seinen Anteil leisten, weil es einfach sehr zeitintensiv war, die Fortschritte im Auge zu behalten.“ Das Ergebnis: Von den 180 bebrüteten Eiern konnten 16 Eier (großteils aus Biohaltung) eine 100-prozentige Befruchtung nachweisen.
Bewusstsein schaffen
Was tun mit dem neu erworbenen Wissen? Ein Weg führte zum „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb Hamburg-Elbe, bei dem die Geschwister den ersten Platz belegten. Der Dialog mit dem Verbraucher war ihnen ebenso wichtig wie die Anerkennung einer Jury. „Wir wollten Bewusstsein schaffen“, betont Katharina. So wurde dann auch eine Umfrage in ihre Projektarbeit involviert. „Wir haben mit Passanten über die Möglichkeit der Befruchtung von Supermarkt­eiern gesprochen.“ Wie zu erwarten, war eine zunächst große Mehrheit der Meinung, dass die Wahrscheinlichkeit, an befruchtete Eier zu geraten, zu gering sei und sie weiterhin bei Bio-Eiern zugreifen würden. Johanna weiter: „Als wir sie mit den Ergebnissen konfrontiert haben, haben manche die Sache schon ein wenig anders gesehen und sich gewünscht, dass es bessere Kontrollen oder eine Form von Gütesiegel gäbe, die die Wahrscheinlichkeit embryonaler Entwicklung im Frühstücksei weiter eindämmt.“
Dass es bis dahin noch ein langer Weg ist, ist Katharina, Johanna und Jannes klar. Jeder Schritt zur Aufklärung des Verbrauchers führt für sie jedoch in die richtige Richtung.


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