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Leser-Echo - Ausgabe 10.04.2019

zum Artikel „Aufschub und Rückzug vom 27. März 2019

Nach dem Krieg waren die alten Bauernhöfe in Volksdorf überflüssig. Sie sollten abgerissen werden für Wohn- und Straßenbauten. Heute bilden sie den Kern des Museumsdorfs. Später wurde die Ohlendorff´sche Villa überflüssig; der Hamburger Staat wollte sie verscherbeln. Jetzt dient sie in alter Schönheit als Kultur- und Begegnungsstätte des lebendigen Stadtteils. Auch drei Katen schienen überflüssig zu sein: Die Räucherkate wurde nach dem Brand wieder aufgebaut; das als Kunstkate bekannte Landarbeiterhaus der Ferck-Familie wurde saniert; die alte Volksdorfer Schule aus dem 18. Jahrhundert wurde später als Scheune in Duvenstedt überflüssig und abgebaut, dann aber gerettet und erstand als Eulenkrug in Volksdorf neu. So ergeht es überflüssigen Bauten im „gallischen Dorf“ Volksdorf, wenn engagierte Bürger ihren Wert erkennen und sich kreativ für ihre Erhaltung einsetzen. Das kostet manchmal Zeit …
Und der angeblich überflüssige Kirchenbau St. ­Gabriel? Zweifellos überragt er an kunsthistorischem Wert alle anderen Gebäude dieses Stadtteils. Trotzdem: Abwickeln? Aufgeben? Entweihen? Womöglich abreißen? Wie verantwortungslos wäre das denn?
Verantwortungsvoll und korrekt wäre es gewesen, wenn der KGR das Problem nicht jahrelang wie ein „Politbüro“ als interne Sache vor sich her geschoben, sondern schon viel eher das Kirchenvolk und auch die säkulare Gemeinde eingebunden, sich stark gemacht für hätte für dieses grandiose Denkmal der Kirchenbaukunst mit den einmaligen Glasfenstern Hanno Edelmanns.
Ich kenne mehr engagierte Mitglieder, die sich aus Frust über das starrsinnige Verhalten in der Pastorenschaft aus der ehrenamtlichen Gemeindearbeit zurückgezogen haben als aus Gründen der Dauer des Ringens um die Zukunft dieses bedeutenden Kirchbaus. Dieser Kampf gereicht allen, die sich daran beteiligen, zur Ehre. Und wenn sich nicht abzeichnen würde, dass er sogar zu finanziellen Entlastungen des Gemeindeetats führen kann, dann wäre das Moratorium wohl nicht immer wieder verlängert worden.

Wulf Denecke,
22359 HH-Volksdorf


Jedem Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes werden besondere Verpflichtungen zu dessen Erhalt auferlegt und im Interesse der Allgemeinheit zugemutet. Diese Verantwortung sollte auch für die Kirche gelten und Sonderrechte abgeschafft werden. Der Michel gehört zu Hamburg und sollte nicht eigenwillig von der Kirche abgerissen werden können; St. Gabriel gehört zu Volksdorf und sollte ebenfalls erhalten werden. Nur so wird die Kirche ihrer Vorbildfunktion für eine zukunftsweisende, ökologische und gemeinwohlorientierte Gesellschaft gerecht. Seit Jahren steht unentgeltlich eine Plakette des Denkmalschutzamts bereit und es wäre ein Zeichen des Respekts kollektiver Werte, sie vor dem nächsten Denkmalschutztag am 7./8. Sept. 2019 anbringen zu lassen. In diese gut erhaltene Kirche kommen regelmäßig Besucher von weit über Hamburg hi­naus, um den Gottesdiensten in der schönen Atmosphäre ihrer kunstvollen Glasfenster beizuwohnen.
So wie Wachstum nicht immer weitergeht, so werden auch Kirchenmitgliederzahlen nicht immer weiter abnehmen. Lineare Statistik-Auswertungen entsprechen nicht der Lebensrealität, da Entwicklungen zyklisch sind. Ehe wir uns versehen, werden wir in einer autofreien, ökologisch orientierten Gesellschaft leben, in der „Natur- und Pilger-Kirchen“ wie St. Gabriel hoch im Kurs stehen. Dafür wählte die Kirchengemeinde bei der letzten KGR-Wahl über­wiegend Befürworter/-innen St. Gabriels in den KGR. Da­raufhin wurden zwei nicht gewählte Gegner St. Gabriels in den KGR kooptiert, um gegen den Willen der Gemeinde abstimmen zu können. Möge die Obrigkeit künftig den Willen der Basis besser respektieren und dankbar für deren große finanzielle und ehrenamtliche Unterstützung sein, ohne die Kirche nicht funktionieren kann.
Sobald der KGR das zukunftsweisende Modell zur Aufwertung St. Gabriels realisiert, werden lange blockierte Kräfte für ein nachhaltiges Miteinander freigesetzt und eine Win-win-Situation zum Wohle der Gemeinde und ganz Volksdorfs geschaffen.

Felix Baritsch,
Vorstandsmitglied Förderverein St. Gabriel Volksdorf e.V.

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