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Yoga ist keine reine Frauensache - Ausgabe 13.03.2019

Raus aus dem Hamsterrad und nach der Arbeit in sich gehen

VOLKSDORF – Was die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen betrifft, gehören viele Grundannahmen ins Reich der veralteten Klischees.

ANJA JUNGHANS-DEMTRÖDER

Bei der Verarbeitung von Stress gibt es Unterscheidungsmerkmale, die auf eine tatsächliche Differenzierung hindeuten. Forschungsuntersuchungen haben belegt, dass Männer auf physiologischer Ebene anders auf Stress reagieren. Jan Kaufmann arbeitet als Personalleiter. In seiner Berufspraxis erlebt er oft, dass Frauen bereits im kommunikativen Austausch Stresssymptome abbauen.
Während das männliche Geschlecht innerliche Stressgefühle lieber weitgehend verbirgt. „Männer reden nicht viel über ihren eigenen Stress, weil sie glauben, dass es als ein Zeichen von Schwäche interpretiert wird“, meint er. Frauen werden häufig mit psychosozialem Stress konfrontiert, der sich aus Arbeit und Familienmanagement formiert. Männertypische Stresssituationen schlagen sich hingegen im zielgerichteten Arbeitsumfeld des Mannes nieder.
Stress in die Schranken
„Gerade wenn man in einer Vorstandssitzung sitzt und die deutliche Profilierung beiwohnender Männer spürt, dann bedeutet das für mich Stress. Die Frage lautet: Wie präsentiert man sich in einer derart testosterongesteuerten ­Situation?“, betont Kaufmann seine Erfahrung. Im Berufsleben wird häufig Multifunktionalität gefordert. So ist es oftmals nicht möglich, einen Arbeitsgang zu Ende zu führen, wenn gleichzeitig aus verschiedenen Kanälen Anliegen zum Vortrag gebracht werden. „In dieser Situation sehe ich meinen potentesten Stressauslöser“, betont Kaufmann.
Um Stresssymptome künftig in ihre Schranken zu verweisen, entschied sich Jan Kaufmann, Yoga zu praktizieren. Anfänglich schreckte ihn das vorbehaltliche Image der anmutigen Yoga-Asketinnen ab. „Wenn es um die Fokussierung im Körper geht, können sich Frauen tendenziell schneller auf Entspannungstechniken einlassen, die sehr körperbasiert sind. Männer richten ihre Wahrnehmung eher nach außen als in den Körper“, sagt Yoga-Lehrer Andreas Krakau-Blunk, der
seit Januar 2018 in den Räumlichkeiten des Walddörfer Sportvereins After-Work-Yoga für Männer unterrichtet.
Ohne Leistungsdruck
Die Entwicklungen der Moderne begünstigen seiner Meinung nach ein ganz anderes Männerbild, das Hemmschwellen wie die Angst, ungelenkig zu wirken, gekonnt überwindet. „In dem Kurs geht es darum, männlichen Teilnehmern ein nach innen gerichtetes achtsames Körperbewusstsein zu vermitteln. Wir trainieren Beweglichkeit, Koordination und Achtsamkeit. Es geht nicht um Leistung, sondern um die Aktivierung von Körper und Geist“, betont Krakau-Blunk. Und diese Erholungsphasen sind sehr wichtig, um den Körper aus der dauerhaften „Alarmbereitschaft“ zu befreien. „Denn eine anhaltende Belastung kann zu Erkrankungen des Organismus führen“, betont Krakau-Blunk.
Die After-Yoga-Gruppe ist homogen und im ähnlichen Alter aufgebaut. „Damit fühle ich mich sehr wohl. Gerade wenn Männer unter sich sind, geraten sie nicht in eine Art Wettbewerbsposition und sind entspannter“, argumentiert Jan Kaufmann heute. Für ihn ist Yoga längst kein reiner Frauensport mehr.
Dank praktizierter Entspannungstechniken und achtsamer Dehnungsübungen konnte er seine Beweglichkeit, Kraft und körperliches Wohlbefinden entscheidend verbessern. „Ich habe gelernt, vom aufgebauten Stress loszulassen“, berichtet er. Yoga schont also nicht nur die Nerven der Frauen.

Kontakt: Walddörfer Sportverein, Tel. 040 645062-0, info@walddoerfer-sv.de oder www.walddoerfer-sv.de


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