Home » Fanbeauftragter beleidigt Meiendorfer Spieler – Rassismus-Eklat führt zu Spielabbruch

Fanbeauftragter beleidigt Meiendorfer Spieler – Rassismus-Eklat führt zu Spielabbruch - Ausgabe 20.02.2019

Meiendorf Es war der Aufreger des Wochenendes: Die Oberligafußballer des Meiendorfer SV haben im Auswärtsspiel beim HSV Barmbek-Uhlenhorst in der 76. Minute kollektiv das Feld verlassen, weil ihr Abwehrspieler Kevin Heitbrock zuvor von einem gegnerischen Anhänger rassistisch beleidigt wurde. Der Mann soll gerufen haben: „Verpiss dich, du Schwarzer.“ Heitbrock, ein Deutscher mit ghanaischen Wurzeln, und einige aufgebrachte Mitspieler rannten sofort in die gegnerische Fankurve, um den Zuschauer zur Rede zu stellen. Ehe die Situation eskalierte, beorderte Trainer Baris Saglam seine Schützlinge vom Platz.
Die Meiendorfer weigerten sich anschließend, die Partie fortzusetzen. Zum Zeitpunkt des Abbruchs lagen sie nach schwacher Leistung und Gegentoren von Narek Abrahamyan (9. Minute), Tim Jeske (39.) und Janis Korczanowski (47.) verdient mit 0:3 zurück. „Diesmal gibt es über das Sportliche jedoch nichts zu sagen“, sagte Saglam. Viele seiner Spieler seien von dem Zwischenfall so schockiert gewesen, dass sie mit Tränen in den Augen in der Kabine saßen. „Wir sind doch alle Menschen, ob schwarz oder weiß, sollte heutzutage wirklich keine Rolle mehr spielen“, so der Trainer.
Dass dieser Vorfall ausgerechnet an der Dieselstraße passierte, habe ihn überrascht, sagte Saglam: „Das passt eigentlich nicht zu BU: Barmbek steht für Kultur.“
Die Meiendorfer wollen ihre Weigerung, die Partie zu Ende zu spielen, auch als Zeichen für Menschlichkeit, Vielfalt und Toleranz und gegen Rassismus verstanden wissen.
Die Vereinsführung des Gegners reagierte ebenfalls prompt: Der Täter sei identifiziert, aus dem Verein ausgeschlossen worden und habe ein lebenslanges Stadionverbot erhalten, teilte BU mit. Bei dem Mann soll es sich pikanterweise um einen ehrenamtlichen Fanbeauftragten der Barmbeker handeln.
Auf seiner Facebookseite nahm der Verein Stellung: „Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Beleidigungen und Rassismus und werden bei diesem Thema auch in Zukunft null Toleranz walten lassen. Außerdem entschuldigen wir uns beim Meiendorfer SV“, heißt es dort.
Gespannt sein darf man jetzt, wie der Hamburger Fußball-Verband mit dem Vorfall umgeht. Voraussichtlich wird sich das Sportgericht des Verbands am 27. Februar mit dem Fall beschäftigen. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Partie wiederholt wird. Möglich sind zudem eine Platzsperre für BU und eine Geldstrafe wegen des erzwungenen Abbruchs für die Meiendorfer. Verbandspräsident Dirk Fischer hat sich bereits zu Wort gemeldet. Er sagte: „Wenn sich die Vorwürfe als wahr erweisen, muss das Sportgereicht mit aller Härte vorgehen.“
Sportlich geht es für die Meiendorfer bereits am Sonnabend mit der Heimpartie gegen den SV Curslack-Neuengamme (15 Uhr, Meiendorfer Straße) weiter. (HA)