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Leser-Echo - Ausgabe 13.02.2019

Zum Artikel „Viel Bewegung für ein ,Schlafdorf‘“
vom 6. Februar 2019

Mit Verwunderung habe ich o. g. Artikel gelesen. Ich habe an der beschriebenen Veranstaltung teilgenommen und einen gänzlich anderen Eindruck gewonnen als Ihr Redakteur. Noch nie habe ich eine derartige Aufbruchsstimmung in Ohlstedt erlebt wie bei dieser Veranstaltung. Das mag seinen Grund darin haben, dass die Bevölkerung des „Schlafdorfs“ zunehmend
den Eindruck gewinnt, Entscheidungen über Bauvorhaben und Verkehrsangelegenheiten liefen an ihr vorbei, ohne dass sie Einfluss darauf nehmen könnte. Das „Forum für Ohlstedt“ ist aus dem Wunsch gegründet worden, genau diesen Eindruck aufzugreifen und tätig zu werden. Verständlich, dass das dem Vorsitzenden des bislang einzigen Bürgervereins sauer aufstößt, ist er doch der Ansicht, alles für seine Ohlstedter gemacht zu haben. Unverständlich, dass der Autor des Artikels dieser Ansicht sehr großzügig Raum gibt. Fragt sich abschließend, woher der Autor seine Informationen bekommen hat. Mich ärgert dieser Artikel sehr!

Wolf Schaedlich,
22397 HH-Wohldorf-Ohlstedt

Vielen Dank für Ihren Artikel. Ich finde, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe an dem ersten Treffen des Forums teilgenommen. Daher bin ich beeindruckt von Ihrer Recherchequalität und hohen Realitätsnähe, obwohl Sie ja offenbar mangels Einladung nicht teilnehmen konnten. Schade, aber der Vorstand des Forums wird den Einladungsverteiler ja sicherlich künftig entsprechend erweitern.
Für mich ist es nicht verständlich, warum sich künftig zwei ähnliche Interessengruppen für dieselben Themen einsetzen. Ich sehe hier sowohl in der Lösungserarbeitung als auch gegenüber den Hamburger Behörden weit mehr Vorteile und Effizienz, als wenn zwei Interessengruppen an denselben Themen nebeneinanderher- oder ja – nach der Erfahrung von Sonntag – möglicher­weise sogar gegeneinander arbeiten. Prominente Beispiele dafür sehen wir bei der schweren Konsensfindung z.B. aufgrund einer zu hohen Zahl von Gewerkschaften bei der Bahn oder auch in Frankreich. Auf jeden Fall hätte ich erwartet, dass der Vorstand des Forums vor seiner Gründung zumindest mal den Kontakt zum Bürgerverein gesucht hätte, um über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Vermeidung von Doppelarbeit und Ergänzung und mögliche Synergien zu sprechen. Aber einfach nur zu sagen, dass der Bürgerverein zu „satt“ für gute Arbeit sei, halte ich für unprofessionell. Und es enttäuscht mich, zumal die zu bearbeitenden Themen meines Erachtens für Ohlstedt wirklich wichtig sind. Muss ich hier eine Hintergrundagenda oder persönliche Einzelinteressen oder gar offene Rechnungen aus vergangenen Projekten vermuten? Ich wünsche uns Ohlstedtern im Sinne unserer Sache eine starke Interessenvertretung und Konsensorientierung auf dem Weg zu guten Lösungen!

Prof. Dr. Sven Wanser,
22397 HH-Wohldorf-Ohlstedt


Ich bin Ohlstedterin. Mit Neugier und Interesse habe ich an der Informationsveranstaltung des neu gegründeten Bürgervereins „Forum für Ohlstedt“ e.V. teilgenommen. Meine Wahrnehmung findet kein Echo in Ihrem Artikel. Auf der sehr gut besuchten Veranstaltung wurden durchaus unterschiedliche Ansichten und Anmerkungen zu der Neugründung geäußert. So war es zu erwarten!
Es ist ein basisdemokratisches Ur- und Bürger-Recht, sich zu gemeinsamem Handeln zusammenzuschließen. Und darum geht es auch schon. Ohlstedter wollen gemeinsam diskutieren, gestalten, handeln. Es geht um Verkehr, Raum für Kinder, Umwelt, Städtebau – in Ohlstedt, in unserer Nachbarschaft, auf dem Schulweg unserer Kinder. Ohlstedter hatten das Bedürfnis, einen Bürgerverein zu gründen. Ich hätte es begrüßt, wenn Sie an dieser Stelle der Stimme des neuen Vereins und seiner Mitglieder mehr Platz gegeben hätten, das Grundanliegen zu erläutern.
Nun räumten Sie Herrn Schulze, dem Vorsitzenden des
weiteren Bürgervereins, viel Raum ein, seiner ­Enttäuschung über „Konkurrenz“ Ausdruck zu verleihen – ist „Bürgerverein“ denn seine „Geschäftsidee“, die keine Konkurrenz verträgt? Und woher droht erneute Spaltungsgefahr? Wieso überhaupt und warum erneut? Da wird mal wieder – und nicht freundlich – über Ohlstedt gesprochen statt mit den Ohlstedtern. Und so beantwortet Herr Schulze selbst, warum sich der alte Bürgerverein nicht als geeigneter Ansprechpartner für aktuelle Belange der Ohlstedter anbietet. Wer Ohlstedt als „Schlafdorf“ versteht, über das man reden und verhandeln kann, darf sich nicht wundern, wenn die wachen Ohlstedter ihre Belange künftig selbst in die Hand nehmen. Das war die überwiegende Stimmung am 27. Januar hier in Ohlstedt!
Gertje Schütt,
22397 HH-Wohldorf-Ohlstedt


Ihr Bericht zeigt viele Aspekte auf. Die Frustration des Herrn Schulze über die Gründung des „Ohlstedter Forums“ kann ich mir nur aus einem eigenwilligen Verständnis von Demokratie erklären. Jede Gruppierung kann jederzeit einen Verein, Verband oder ein anderes Konstrukt gründen.
Wenn in Ohlstedt zu Bürgerthemen eine neue Organisation gegründet wird, geschieht das sehr wahrscheinlich, weil der bisherige Bürgerverein Bedürfnisse nicht abdeckt oder z.B. irgendwie unter Verdacht steht, einseitig Interessen zu vertreten, oder die Akteure vielleicht zu dicht an Parteien agieren – egal, jedenfalls geht das Angebot am Bedarf vorbei.
Die von Herrn Schulze genannten bisherigen Erfolge haben wohl die Mehrheit der Bewohner nicht überzeugt. Das Berufen auf ein 60-jähriges Bestehen des Bürgervereins ist noch lange kein Gütezeichen und impliziert keinen Alleinvertretungsanspruch.
Von dem erfahrenen Vorsitzenden eines alteingesessenen Vereins erwartet man eine souveräne Haltung gegenüber Veränderungen, Bereitschaft zur Selbstkritik und keine ­Beschimpfungstirade, die den neuen Verein ­verunglimpfen soll. Insofern zweifle ich am echten Willen des Herrn Schulze, die Interessen der Mehrheit der Ohlstedter im Auge zu haben.
Niels Hanßen,
22359 HH-Bergstedt

Leserbriefe geben die Meinung des Einsenders wieder. Die Redaktion behält sich vor, sie zu kürzen oder Auszüge wiederzugeben.

Anmerkung der Redaktion:
Dass es unterschiedliche Auffassungen zum „Forum für Ohlstedt“ und zum Verlauf von dessen Informationsabend gibt, ist klar und wurde im Artikel auch erwähnt. Indes wäre es eine unmögliche und nicht zielführende Aufgabe für Redakteure, jeden Leser/­Bürger zufriedenzustellen. Es gehört zum möglichst sauberen journalistischen Arbeiten, sich ein breiteres Bild der Lage zu machen, auch andere Stimmen anzuhören und gegebenenfalls zu Wort kommen zu lassen. Dies gilt umso mehr, wenn im Vorfeld des Ohlstedter Auftaktabends keine Information an die Presse ging und es also keine Chance gab, als Pressevertreter persönlich teilzunehmen.
Nach Gesprächen unter anderem mit Vertretern des neuen Vereins, des Bürgervereins Duvenstedt/Wohldorf-Ohlstedt und einigen anderen Ohlstedtern haben die institutionellen Akteure den wesentlichen Raum im Artikel erhalten. Denn ob man es Konkurrenz nennt oder anders – ein vielschichtiges persönliches und institutionelles Spannungsverhältnis besteht in Ohlstedt offensichtlich. Damit beantwortet sich auch die Frage, woher die Informationen im Artikel stammen: aus verschiedenen Quellen. Von einseitiger Berichterstattung hat nach meiner Überzeugung niemand etwas. Oliver Spatz