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Viel Bewegung für ein „Schlafdorf“ - Ausgabe 06.02.2019

Weitere Bürgervereinigung in Ohlstedt gegründet

Ohlstedt – Dafür, dass Ohlstedt gemeinhin als im Wortsinn wenig geschäftiger Stadtteil gilt, ist derzeit eine ganze Menge los.

„Forum für Ohlstedt“ heißt die Gruppierung, die am 27. Januar Bewohner des Stadtteils zu einer ersten Veranstaltung ins Landhaus Ohl­stedt einlud. Die Angaben zur Teilnehmerzahl schwanken zwischen 60 und 90 Bürgern. Per Wurfsendung waren Teile Ohl­stedts informiert worden, die Presse erfuhr erst hinterher davon. „Es war eine schnelle Ak­tion“, sagt Ingo Michael Schade dazu, 1. Vorsitzender des Forums, das sich als neuer Bürgerverein versteht.
Die Gründung, die bereits Anfang Januar beschlossen worden war, wirft manche Frage auf. Seit bald 60 Jahren existiert der Bürgerverein Duvenstedt/Wohldorf-Ohl­stedt, der schon dem Namen nach auch Ohlstedter Interessen vertritt. Warum nun also ein zweiter Bürgerverein in dem rund 4.500 Einwohner zählenden nördlichen Walddorf?

Konkurrenz oder
doppelte Schlagkraft?
Man verstehe sich keineswegs als Konkurrenz zum bestehenden Bürgerverein, versichert Ingo Schade gegenüber der Heimat-Echo-Redaktion. Vielmehr gebe es den Wunsch, selbst etwas tun zu können, einen Ort zu schaffen, wo sich alle inte­ressierten Ohlstedter treffen könnten, um in zentralen Fragen eine gemeinsame Lesart herauszuarbeiten. Demokratisch und offen solle es ablaufen, so Schade weiter.
Schon in der Pressemitteilung just im Anschluss an den Abend im Landhaus hieß es: „Der Verein sieht seine künftige Aufgabe darin, über örtliche Entwicklungen zu informieren, ­Hintergründe transparent ­aufzuarbeiten und über unvoreingenommene Diskussionen zu ­ausformulierten Positionen zu gelangen.“ Es gelte, den Ohlstedtern eine Stimme zu geben und dafür zu sorgen, dass die Bürger bei Veränderungen nicht ungehört blieben. Denn Hamburg verändere und entwickele sich sehr schnell – „das bekommen auch wir in den Randbezirken zu spüren. Vieles ist durchaus als begrüßenswert und positiv anzusehen, leider aber gibt es aber auch Entwicklungen, die umfassend diskutiert und einer kritischen Betrachtung unterworfen werden sollten. Dies betrifft unter anderem Bauprojekte, die Verkehrssituation und den Naturschutz.“
Beim Bürgerverein Duven­stedt/Wohldorf-Ohlstedt reagiert man verwundert. Zunächst sah man nur zwei nachvollziehbare Gründe, warum Ohlstedt einen zweiten „Bürgerverein“ benötigen sollte: Entweder hätten die Gründer nicht gewusst, dass es bereits einen Bürgerverein gibt, oder dieser habe nicht die Erwartungen der Neugründer erfüllt.
Beim „Forum für Ohlstedt“ heißt es dazu, bisher habe es vor Ort keine nur für Ohlstedt sprechende Stimme gegeben. Gern sei über Ohlstedt, aber selten mit den Ohlstedtern gesprochen worden. Das gelte es zu ändern, denn „als Endhaltestelle der U1, ganz am Rande des Bezirks Wandsbek gelegen, für Hamburger Verhältnisse relativ dünn besiedelt, weckt der Ortsteil immer wieder Begehrlichkeiten in Politik und Verwaltung“. Gerade bauliche Veränderungen sollten maßvoll vorgenommen werden, mahnen die Neugründer.
Vertreter des Bürgervereins Duvenstedt/Wohldorf-Ohlstedt waren im Landhaus Ohlstedt anwesend. Dabei sei klar geworden, dass der bestehende Verein durchaus bekannt sei, so dessen 1. Vorsitzender Hans-Detlef Schulze. Er empfand Ingo Schades öffentliche Äußerung, der bestehende Bürgerverein sei satt, als verletzend. Und als ungerechtfertigt, denn es sei eindeutig gewesen, „dass Gründer und Gäste die gleichen Probleme im Ortsteil sahen wie der Bürgerverein, der sich seit 60 Jahren darum kümmert und vieles schon erfolgreich gelöst hat“, verweist der gesamte Vorstand auf Themen wie den P+R-Parkplatz am U-Bahnhof, die Zukunft des Haspa-Gebäudes, Verkehrsberuhigung im Ortskern, allgemeine Bauentwicklung in Ohlstedt, Entwicklung des Marktplatzes, den B-Plan Wohldorf-Ohlstedt 13 und manches mehr. Schon im Flugblatt des Forums seien mehr oder weniger deckungsgleiche Absichten und Ziele mit dem existierenden Bürgerverein formuliert worden.

Wer spricht für wen?

Schulze verweist darauf, die fast sechs Jahrzehnte währende Zusammenarbeit des Doppeldorfs Wohldorf-Ohlstedt mit Duvenstedt habe sich bewährt. Ein ­„Forum für Ohlstedt“ könne zudem schwerlich etwa für den Wohldorfer Wald oder den Duvenstedter Brook sprechen.
Als „völlig unverständlich“ empfindet der Bürgervereinsvorstand Ingo Schades Argument, durch zwei Vereine würde die Schlagkraft gegenüber Politik und Verwaltung zugunsten von Ohl­stedter Belangen gestärkt.
Schade aber wünscht sich „jetzt Butter bei die Fische“. Er und seien Mitstreiter seien allesamt beruflich selbstständig. „Da kam der Umweg, sich einer bestehenden Organisation anzuschließen, weniger infrage.“ Selber machen sei die Losung, die die Gründer antreibe.
Manche Teilnehmer des Auftaktabends vermissten ein abgestimmtes und planvolles Vorgehen der Initiatoren, andere nahmen eine Aufbruchsstimmung wahr.
Der Bürgerverein Duven­stedt/Wohldorf-Ohlstedt kündigte gegenüber ­dieser Redaktion an, er werde, ­soweit es ihm möglich sei, „versuchen, einer erneuten Spaltungsgefahr innerhalb der Bürgerschaft Wohldorf-Ohlstedts und dem Stadtteil Duvenstedt entgegenzuwirken. Jeder Mitbürger kann und sollte seinen Beitrag dazu leisten. Konkurrenz fördert angeblich das Geschäft – Bürgervereinstätigkeit sollte aber eben nicht zu einer Geschäftsidee verkommen.“
Das „Forum für Ohl­stedt“ plant indes, zeitnah einen ersten Workshop mit Bürgern zu veranstalten. Zeit und Thema stehen noch aus.


fdjs