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Folgen eines Hitzesommers - Ausgabe 06.02.2019

Der Borkenkäfer macht Baumbeständen in den Walddörfern zu schaffen

Walddörfer – Die Bäume schlafen. Aber das typische Geräusch der Motor­sägen hallt in diesen Wochen häufig durch die Wälder.

Die drei ­Revierförstereien Wohldorf-Ohlstedt, Duven­stedt und Volksdorf haben, so unterschiedlich ihre Gebiete auch beschaffen sein mögen, in der laufenden Forstsaison weitgehend mit den gleichen Herausforderungen zu tun. Planmäßig stehen keine großen Fällmaßnahmen an. Und anders als in der Saison 2017/18, als drei schwere Herbststürme schwere Schäden angerichtet und allein in der Försterei Volksdorf für weit über 1.000 Festmeter (!) reines Holz gesorgt hatten, ist es bisher vergleichsweise ruhig geblieben. Zentrale Aufgabe ist die reguläre Verkehrssicherung, Bedarf hierfür gibt es wie immer mehr als genug.
Etwas aber ist doch anders: Langzeitfolgen der ausgeprägten Hitzeperiode 2018 machen sich bemerkbar. Während man in der Landwirtschaft Ernteverluste relativ zeitnah beziffern kann, fallen Schädigungen durch Trockenheit in der Forstwirtschaft oft erst später auf. Schwächere Bäume im Bestand sterben. So kam es etwa nach dem Jahrhundertsommer 2003 in den folgenden drei, vier Jahren signifikant zu Trockenheitsschäden, vor allem in Form von Totästen.

Erschreckende Befunde

Ähnlich wird es auch diesmal sein. Doch eins kommt hinzu: Nach dem ungewöhnlich langen, überaus heißen und wasserarmen Sommer 2018 zeigt sich derzeit immer mehr Borkenkäferbefall. Entsprechende Kalamitäten seien massiv, vor allem in
den Fichtenbeständen, erklärt Volksdorfs Revierförster Johannes P. Noffke.
Wie massiv, zeigt sich bei einem der zahlreichen Arbeitseinsätze der ­Försterei: Östlich des Volksdorfer Friedhofs sind ­Vorarbeiter Bernd Finnern und sein Team bei diversen verkehrssichernden Maßnahmen im Einsatz. Dabei wird zunehmend das Ausmaß der erwähnten Schäden sichtbar. Was dem Laien zunächst entgehen mag, erkennt Finnern mit dem Blick des Experten auch auf einige Entfernung: braune Partien, hängende Zweige. Großflächig hat der Borkenkäfer – insbesondere seine Unterarten Kupferstecher und Buchdrucker – die hiesigen Fichtenbestände befallen. Manch ein befallener Baum sieht von einer Seite noch gut aus, auf der anderen Seite fehlt zum großen Teil schon die Rinde.
Finnern geht zu einem gefällten Baum und nimmt ein Stück der erst auf- und dann abgeplatzten Rinde in die Hand: „Der Specht klopft ganz leicht das ab, was der Borkenkäfer porös gemacht hat.“ Hier ist erschreckend plastisch das zu sehen, was Förster Johannes Noffke vorher in der Theorie erläutert hat: „Der Borkenkäferfraß schält den Baum ringsherum, der Baum hat keine Chance und erstickt schließlich.“

Käfer riechen
Baumstress
Normalerweise werden gesunde Bäume nicht befallen, aber der vergangene Sommer bedeutete auch für sie enormen Stress. Dadurch strömten sie einen besonderen Duft aus, den die Borkenkäfer wahrnahmen, wahllos die Bäume beflogen und sich ob der guten Bedingungen massenhaft vermehrten, was für noch stärkeren Befall auch vitaler Bäume sorgte. Ein katastrophaler Kreislauf.
Entdeckte Käfer­nester gilt es schnellstmöglich zu entfernen. Im Winter schlafen die Insekten, entweder unter der Rinde oder im Erdreich. „Erst ab etwa 17 Grad Celsius erwacht der Borkenkäfer, dann kann man ihn zum Teil sogar im Baum knabbern hören“, berichtet Finnern, der bei aller sachlich-nüchternen Betrachtung ein durchaus desaströses Bild zeichnet: „Im Frühjahr und Sommer werden viele dieser Bäume absterben“, prognostiziert der Fachmann bitter. Vermutlich muss hier in diesem Jahr großflächig gefällt werden, will man den Aufenthalt im Wald nicht zu einem Risiko werden lassen.
Wenn sich die Befürchtungen weiter bestätigen, wird man den vertrauten Sound der Kettensägen in den nächsten Monaten wohl noch oft zu hören bekommen – nicht nur in den grünen Walddörfern.


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