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Leser-Echo

zum Artikel „Eine Volksdorfer Gretchenfrage?“ vom 19. Dezember 2018 - Ausgabe 09.01.2019

Verdienstvoll, dass das Heimat-Echo in einem gut recherchierten Artikel die St.-Gabriel-Problematik sachlich und umfassend darstellt. Die logischen und geradezu zwingenden Einlassungen von Pröpstin Isa Lübbers und dem obersten „Finanzer“ des Kirchenkreises, Jürgen Preine, lassen nur einen Schluss zu: Auf Dauer sind zwei Kirchengebäude in der evangelischen Gemeinde Volksdorf nicht zu halten. Die Zahl der Gläubigen wie der Pastores ist rückläufig, die Finanzentwicklung der Gemeinde defizitär. Es wäre in höchstem Maße anachronistisch und ignorant, an St. Gabriel festzuhalten. St. Gabriel wie die Rockenhof-Kirche müssen Sonntag für Sonntag keinesfalls wegen Überfüllung geschlossen werden.
Und selbst wenn es gegen alle Zweifel gelingen sollte, den Fortbestand von St. Gabriel „kostenneutral“ zu organisieren – eine Menge Geld müsste auf welche Weise auch ­immer aufgebracht werden. Hier sind die evangelischen Christen von Volksdorf gefragt: Braucht eine Kirchen­gemeinde tatsächlich ZWEI Kirchen im Abstand von gerade mal zwei Kilometern Luftlinie? Gibt es nichts Wichtigeres als den Erhalt von St. Gabriel, um den nun schon seit acht Jahren gestritten wird? Wäre es nicht vorrangig auch im Sinne der christlichen Botschaft, das viele Geld, das für
St. Gabriel aktiviert werden müsste, gegen das zuneh­mende Elend in nah und fern einzusetzen?
Für mich ist das eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Christoph Lütgert,
22359 HH-Volksdorf

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Dem Heimat-Echo ist ausdrücklich zu danken, dass es einen wichtigen Beitrag zum öffentlichen Diskurs der für Volksdorf so weitreichenden Fragen nach der Zukunft der Kirche im Allgemeinen und des Kirchengebäudes St. Gabriel im Besonderen geleistet hat.
Richtig ist, dass Kirche nicht nur eine Glaubensgemeinschaft ist, sondern einer Non-Profit-Organisation vergleichbar auch wirtschaftlich haushalten muss. Dies gilt aber nicht nur für die Kirchengemeinden. Ein großer Teil der Steuereinnahmen der evangelischen Kirche kommt den Kirchenkreisen zugute. Im Jahr 2019 wird der Kirchenkreis Hamburg-Ost etwa 1/3 der Steuereinnahmen erhalten, die in seinem Gebiet auf ihn und auf seine Gemeinden zu verteilen sind. Mit einem derart hohen Anteil an Mitteln zur Deckung von „overhead costs“ wäre eine andere Non-Profit-Organisation nicht lange überlebensfähig. Deshalb sollte zunächst dieser enorme „Überbau“ über den Gemeinden verkleinert werden. ­Neben der Generierung zusätzlicher Einnahmequellen wie z.B. durch Fundraising (dieser Gesichtspunkt steht seit etwa 10 Jahren im Leitbild der Gemeinde Volksdorf!) ist dies auch die wirtschaftlich richtige Antwort darauf, dass die Steuereinnahmen langfristig gesehen möglicherweise sinken werden, zumal es die haupt- und ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter in den Gemeinden an der Basis sind, die die Gemeindemitglieder (und damit auch die Steuerzahler) weiterhin an die Kirche binden. Anstatt den Gemeinden Mut zu machen und sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, hält es der Kirchenkreis Hamburg-Ost für richtig, dass in seinem Gebiet etwa 40 Kirchen geschlossen und teils – wie die Kirche St. Gabriel – sogar abgerissen werden. Etwa ein Drittel seiner gemeindlichen Standorte und seiner Gebäude hält er für nicht mehr förderungsfähig! Das demoralisiert die Basis.
Finanzsenator Dressel hat demgegenüber völlig recht, wenn er mit Blick auf das vom Fachausschuss St. Gabriel unter Mitwirkung der 1. und 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Frau Pastorin Frietzsche und Frau Annegret Schürmann, sowie Mitgliedern des Fördervereins St. Gabriel entwickelte Konzept zum Erhalt der Kirche St. Gabriel sagt: „Ich sehe mit gutem Willen auf allen Seiten weiter eine Chance für den Erhalt des Kirchengebäudes St. Gabriel, die Realisierung ­einer Kita und Wohnungsbau.“ Es ist zu hoffen, dass unsere Kirche die Kraft und den Mut aufbringt, das von allen Seiten – nämlich der Politik, der Gemeinde und der Bevölkerung – unterstützte Konzept zum Erhalt der Kirche St. Gabriel nun auch umzusetzen. Die Mehrheit der Gemeindemitglieder hat bei der letzten Wahl klar zum Ausdruck gebracht, dass St. Gabriel als Kirche erhalten bleiben soll. Und innerhalb weniger Monate konnte der Förderverein St. Gabriel Volksdorf knapp 2.000 Bürger dazu bewegen, eine Unterschrift für den Erhalt dieser Kirche abzugeben. Nicht zuletzt werden die Gottesdienste in der Kirche St. Gabriel, einschließlich dort stattfindender schöner Kindergottesdienste, vergleichsweise sehr gut besucht. Packen wir es also gemeinsam an und brechen auf. Seien wir zuversichtlich! Der Abbruch ihrer Gotteshäuser löst die Probleme der Kirche nicht.

Hinrich Ranck,
22359 HH-Volksdorf

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Vielen Dank für diesen Beitrag von Oliver Spatz. Einen so sorgfältig und umfassend recherchierten Artikel hätte ich in einem Anzeigenblatt kaum erwartet.
Die vielfältigen Herausforderungen der Volksdorfer Kirchengemeinde werden sehr realistisch verdeutlicht. Vor dem Hintergrund, dass das Gebäudemanagement nur eine von vielen Aufgaben des Kirchengemeinderats (KGR) ist, will ich hoffen, dass die weit überwiegend ehrenamtliche KGR-Arbeit nicht zu sehr durch die durchaus wichtige Gebäudefrage St. Gabriel dominiert wird. Keinesfalls dürfen die kirchliche Gemeindearbeit und der Zusammenhalt ­unter der unbestritten notwendigen Diskussion leiden.

Andreas Haase,
22359 HH-Volksdorf
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In seinem Artikel schreibt Oliver Spatz, dass nach Beurteilung der Wortmeldungen und dem Beifall für einzelne Redebeiträge die bei der Gemeindeversammlung der Ev.-Luth. Kirchengemeinde anwesenden Gemeindemitglieder überwiegend dafür gewesen seien, nicht um jeden Preis an der Kirche St. Gabriel festzuhalten. Ich kann diese Einschätzung keineswegs teilen. Es ging in der Gemeindeversammlung überhaupt nicht um den Erhalt der Kirche St. Gabriel, sondern überwiegend um die geplante Reduzierung der Gottesdienstanzahl in Volksdorf. Es ist geplant, ab März 2019 die Zahl der Gottesdienste von derzeit zwei auf einen zu reduzieren: im Wechsel am Rockenhof und in St. Gabriel. Dieser Sachverhalt wurde ausführlich und kontrovers dis­kutiert. Ich kann dem Autor zustimmen, dass von den an­wesenden Gemeindemitgliedern (etwa 200 der 7.000 Gemeindemitglieder) die Mehrzahl nach Beifall und Mei­nungsäußerungen mit der Reduktion der Gottesdienste notgedrungen einverstanden war. Es ging dabei aber nicht um den Erhalt der Kirche St. Gabriel.
Selbstverständlich würde niemand „um jeden Preis“ an einer Kirche festhalten, die den Erhalt der Gemeinde gefährdet. Die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Frau Pastorin Frietzsche, hat in der Gemeindeversammlung dargelegt, dass der Kirchengemeinderat derzeit intensiv ein vom Fachausschuss St. Gabriel vorgelegtes Konzept weiterverfolgt, das einen Erhalt der Kirche St. Gabriel durch Errichtung einer Kindertagesstätte durch Umbau und Anbau der Kirche sowie Neubau von Wohnraum auf dem hinteren Teil des Grundstücks ermöglichen soll. Diesen Beschluss hat der ­Kirchengemeinderat sicher auch vor dem entsprechenden finanziellen Hintergrund gefasst. Wie Dr. Spangenberg, Mitglied des Finanzausschusses, betonte, ist St. Gabriel weder die Ursache noch die Lösung der Finanzprobleme der Gemeinde. Der Betrieb einer Kindertagesstätte in bereits vorhandenen, derzeit aber wenig genutzten, denkmalgeschützten und naturnahen, verkehrsarmen Räumen, direkt am neuen Naturschutzgebiet, wäre allerdings sicherlich ein erheblicher Beitrag dazu, die Finanzen der Gemeinde langfristig zu sichern. Er ist allemal kosteneffektiver als ein entsprechender Neubau einer Kindertagesstätte am Rockenhof.
Weder Frau Pröpstin Lübbers noch Herr Preine vom Kirchenkreis Hamburg-Ost waren auf der Gemeindeversammlung anwesend. Deren im Artikel ausgeführte Einschätzung, dass ein Abriss der Kirche St. Gabriel und der darunter befind­lichen Jugendräume der Gemeinde zusätzliche Einnahmen bringen und deren Erhalt fördern würde, kann ich in keiner Weise nachvollziehen.

Dr. Clemens Kühn,
22359 HH-Volksdorf
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Wer den Artikel zwecks Faktencheck noch einmal nachlesen möchte: Die Ausgabe vom 19. Dezember ist weiterhin beim Heimat-Echo in der Eulenkrugstraße 27 erhältlich – und online auf www.heimatecho.de/artikel/10605 oder unter www.heimatecho.de/ausgaben