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Zu viel Licht kann schädlich sein

Naturverträgliche Stadtbeleuchtung gefordert - Ausgabe 05.12.2018

Satellitenaufnahmen von der Erde zeigen nachts ein strahlendes Lichtermeer. Wer jedoch von unten nach oben schaut, sieht oft nur noch wenige Sterne und Planeten. Schuld ist der steigende Lichtanteil – vor allem in den Städten. Trotz vieler Energiespartipps wird das Licht in der Nacht immer mehr – auch dank energiesparender LEDs - wie eine internationale Studie zeigt.
Zu viel Licht während der Nacht bringt nicht nur bei Tieren und Pflanzen den Rhythmus durch­einander. Auch Menschen werden auf Dauer krank. Denn alle Lebewesen sind auf die Unterschiede von Hell und Dunkel angewiesen. Auch Astronomen beschweren sich, dass sie vor lauter Streulicht kaum noch die Sterne beobachten können. Bei dunklem Himmel kann man etwa 3.000 bis 4.000 Sterne sehen, in einer hellen Stadt kaum 100.
Der Grund für die Helligkeit der Städte ist unsere Aktivität in der Nacht. Straßenbeleuchtungen, Gewerbe- und Industrieanlagen, beleuchtete Werbung und die Autos, die nachts unterwegs sind, sorgen nicht nur in den Städten für Helligkeit fast wie am Tag. Hinzu kommt, dass Architekturbeleuchtungen und Lichtinszenierungen nicht mit der Beleuchtung im öffentlichen Raum abgestimmt sind. Statt lediglich Akzente und Eigenarten des angestrahlten Objektes durch Kon­traste zwischen Helligkeit und Dunkelheit effektiv und ästhetisch in Szene zu setzen, werden Fassaden flächenhaft überbeleuchtet. Störlicht strahlt am Objekt vorbei in Wohn- und benachbarte Naturräume sowie in den Nachthimmel. Weitere Quellen solcher Lichtverschwendung finden sich zunehmend auch bei der privaten Außenbeleuchtung an Wohngebäuden, die energiesparenden LEDs machen es möglich..
Wissenschaftler vom Leibniz-Institut (www.fv-berlin.de) haben jetzt festgestellt, dass die Regionen, die einen starken Rückgang an Fluginsekten verzeichnen, auch unter einer hohen Lichtverschmutzung leiden. Viele Studien weisen bereits darauf hin, dass künstliches Licht in der Nacht negative Auswirkungen auf Insekten hat und dass diesem Umstand künftig mehr Beachtung geschenkt werden sollte, wenn es an die Ursachenforschung für das Insektensterben geht. Die Naturschutzverbände drängen daher die Kommunen schon seit langem, den verschwenderischen Einsatz von Licht zu begrenzen. „Eine energetische und naturverträgliche Sanierung der Stadtbeleuchtung in Deutschland kann dazu beitragen, pro Jahr rund eine Million Tonnen an klimaschädlichen Kohlendioxid zu vermeiden und gleichzeitig die Licht- und Aufenthaltsqualität deutlich zu verbessern”, so NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. (du)


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