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Wasserrahmenrichtlinie ist eine große Chance

Ökologische Qualität der Alster wird verbessert - Ausgabe 05.12.2018

Sandbänke finden sich nicht nur in der Nordsee, sie sind auch natürliche Bestandteile von Bächen und Flüssen. Normalerweise treten sie aber nur lokal und zeitweise auf. Wie im Meer verändern sie sich beim nächsten Hochwasser. Der Sand wird weggeschwemmt und lagert sich woanders wieder ab. Das passiert meist in Flussbiegungen an den flachen Gleithängen. Bei vielen Bächen und vor allem in der Alster funktioniert dieses System jedoch nicht mehr, weil die Alster künstlich vertieft und begradigt wurde, um sie schiffbar zu machen. Dieser Eingriff macht dem Fluss noch heute Probleme
Aber auch die privaten Gärten engen die Alster an vielen Stellen ein. Die Bebauung rückt immer näher an sie heran und viele private Grundstücke sind bis an das Ufer aufwändig gärtnerisch gestaltet. Vielerorts wurden künstliche Uferbefestigungen errichtet, die auf Kosten eines natürlichen Ufers gehen. Natürliche Gleithänge oder Überschwemmungsflächen sind selten an der Alster.
Der Sand gelangt durch die Kanalisation, durch Regensiele oder durch Erosion in die Alster und bewegt sich wie eine „Walze“ über das Bachbett. „Da der Sand nicht an bestimmten Stellen abgelagert werden kann, deckt er wie in der Wüste das gesamt Bachbett und damit alles Leben zu“, sagt Andreas Lampe vom NABU. „Die für viele Tiere lebenswichtigen Kieslückensysteme werden zerstört und der hier abgelegte Laich wird durch den Sand erstickt.“
Mit vereinten Kräften

Die Aktiven beim Projekt Lebendige Alster bemühen sich seit vielen Jahren um eine bessere Qualität des Hamburger Stadtflusses. Daher wurde vor fünf Jahren ein erster künstlicher Gleithangsandfang angelegt, der seitdem gut funktioniert und inzwischen durch den Bewuchs auch ganz natürlich aussieht. Im letzten Herbst ist in der Nähe der Mündung der Minsbek in die Alster ein zweiter Gleithangsandfang dazugekommen. Das Projekt Lebendige Alster hat hier wie schon so oft mit dem Bezirksamt, der Umweltbehörde und der Stiftung Lebensraum Elbe vorbildlich zusammengearbeitet. Mit vereinten Kräften wurde der Steilhang an der Flussschleife mit dem Bagger abgetragen, eine Kiesterrasse angelegt und eine Zufahrt zum Fluss geschaffen. Der hier angespülte Sand kann später einfach abgefahren werden. Der neugeschaffene Hang wurden mit einer standorttypischen Wildblumenmischung eingesät.
Seit 2011 ist es das Ziel des Projektes Lebendige Alster, den Fluss im Herzen der Hansestadt als gemeinsamen Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen aufzuwerten. Dabei hilft den Aktiven von BUND, NABU und der Aktion Fischotterschutz die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (WRRL), die Ende Dezember 2000 in Kraft trat. Bisher hat Hamburg 200 Maßnahmen umgesetzt und insgesamt 25 Milliarden Euro verbaut. Werden die Ziele der WRRL nicht erreicht, droht der Stadt eine Strafe von mehreren 100.000 Euro. Angestrebt wird ein Zustand der Gewässer, der sich durch Natürlichkeit und stabile Lebensgemeinschaften auszeichnet.
Da viele Gewässer in Hamburg in der Vergangenheit aber erheblich verändert wurden, kann ein vollkommen natürlicher Zustand nicht erreicht werden. Die Maßnahmen zielen unter anderem darauf, die Durchgängigkeit für Fische und andere aquatische Lebewesen wiederherzustellen und die Gewässerstruktur zu verbessern. Darüber hinaus sollen die Belastungen durch den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen und durch hydraulischen Stress, wie er durch schnell abfließendes Wasser bei Starkregen entstehen kann, verringert und der Umgang mit Regenwasser verbessert werden. Mit dem Projekt „Lebendige Alster“ wollen die Naturschützer dazu beitragen, dass der Alsterlauf mit seinen Nebengewässern zu einem Vorzeigeprojekt der Wasserrahmenrichtlinie wird. Wichtig ist den Naturschutzverbänden aber auch, den Bürgern den Gewässerschutz nahe zu bringen und sie in ihre Arbeit mit einzubeziehen. „Die WRRL ist eine große Chance für die Stadt, die Renaturierung der Fließgewässer voranzubringen“, ist sich Eike Schilling, Referent für Gewässerschutz des NABU sicher.
(du)


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