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Bürgermeister Tschentscher zu Gast im Alstertal - Ausgabe 12.09.2018

Beim politischen Brunch in Hummelsbüttel suchte Peter Tschentscher den Dialog mit den Bürgern

Von Doris Schultes

Hummelsbüttel – Rund 250 Bürgerinnen und Bürger waren in die Pausenhalle des Gymnasium Hummelsbüttel zum politischen Brunch mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher gekommen und nutzten die Gelegenheit, ihn mit ihren Fragen und Anliegen zu konfrontieren.
„Wir suchen den Dialog mit Ihnen und werden Ihre Fragen und Anregungen mit auf den Weg nehmen“, versprach der SPD-Abgeordnete Tim Stoberock bei der Begrüßung, unweit der Grundschule, in der er selbst einmal die Schulbank gedrückt hat.
Zwei Stunden hatte sich der Bürgermeister an diesem Sonnabendvormittag für die Belange und Interessen der Bürger Zeit genommen. Doch bevor es in die Fragerunde ging, umriss Peter Tschentscher einige Punkte seiner Politik und ging dabei besonders auf die Themen Wohnungsbau und Verkehrspolitik ein, die für alle in Hamburg bedeutsam sind und somit natürlich auch die anwesenden Hummelsbüttler und Alstertaler betreffen.

Bezahlbarer Wohnraum für alle

Wenn mehr Menschen in einer Metropole wie Hamburg leben wollten, als Angebote an freien Wohnungen zur Verfügung stünden, führe das natürlich zu einem großen Druck auf den Wohnungsmarkt, so der Bürgermeister. Die Folge seien ansteigende Mieten. „Deshalb haben wir 2011 damit begonnen, Wohnungen zu bauen“, so Tschentscher. Mittlerweile seien 45.000 Wohnungen bezugsfertig und 70.000 insgesamt genehmigt worden. „Wichtig ist dabei die Mischung aus Sozialwohnungen, städtischen Wohnungen, und Genossenschaftswohnungen. Außerdem soll für den Durchschnittsverdiener bezahlbarer Wohn­raum auf günstigen städtischen Grundstücken geschaffen werden – all das zusammen verringert den Druck auf den Wohnungsmarkt und ermöglicht bezahlbaren Wohnraum für alle“, so
der Bürgermeister.

Moderner Mobilitätsmix

Das zweite Thema, dem sich Peter Tschentscher widmete, waren die Verkehrspolitik und die Mobilität. Wenn in Hamburg alle gut an ihr Ziel kommen wollten – ob mit dem Bus, der Bahn, dem Fahrrad oder dem Auto, brauche es einen modernen Mobilitätsmix. Weil die schienengebundenen Verkehrsträger die wirklich leistungsfähigen seien, soll dieser Sektor gestärkt werden. Den Bau der neuen U5 bezeichnete Tschentscher als ein Jahrhundertprojekt, das zehn Jahre dauern werde. „Doch wir bauen jetzt schon U-Bahn Stationen dort, wo bereits eine U-Bahn Linie ist, wie beispielsweise in Oldenfelde und eine neue S-Bahn Station in Ottensen“, so Tschentscher. Um kurzfristig mehr Mobilität zur Verfügung stellen zu können, werden mehr und längere S-Bahn-Züge bestellt und kombiniert mit größeren Gelenkbussen auch häufiger eingesetzt, um die Aufnahmekapazität zu erhöhen. „Damit wollen wir schrittweise ab Dezember beginnen, um das Mobilitäts-Angebot zu verbessern und das, was wir bereits an leistungsfähigen Verkehrsträgern haben, auszubauen“.

Die letzte Meile

„Das nächste was wir angehen, ist die letzte Meile“, sagt Tschentscher. Dabei geht es um die letzten Meter bis zur Haustür. Ein Projekt, das in Altona beginnt, soll hier die Lösung schaffen. „Über sein Smartphone gibt man ein, wo man sich befindet, und wohin man möchte und wird dann von einem Van eingesammelt und unabhängig vom Fahrplan direkt an die Haustür gebracht“, erklärt der Bürgermeister. „Wenn das klappt und für ganz Hamburg realisierbar ist, ist das eine wunderbare Sache, und es werden noch mehr Menschen U-Bahn, S-Bahn und Busse benutzen.“

Park and Ride, Fluglärm und die Schul- und Bildungspolitik

Schwerpunkte in der Fragerunde bildeten die Themen Fluglärm – durchaus verständlich aus Sicht vieler Hummelsbütteler und Langenhorner Bürger – außerdem Park and Ride-Gebühren sowie die Schul- und Bildungspolitik.
Die Einführung von Park and Ride-Gebühren passe nicht ins Mobilitätskonzept und führe dazu, dass viele Bürger aus Verärgerung darüber nun doch wieder mit dem Auto fahren würden, stellte ein Bürger fest und bat darum, diesen Vorschlag noch einmal zu überdenken. Dazu merkte Peter Tschentscher an, dass der Sinn der Park und Ride-Gebühren gewesen sei, die Park and Ride-Anlage durch die Einnahmen attraktiver zu machen. Er habe sich die Zahlen angesehen und festgestellt, dass die Nutzungszahlen teilweise sogar noch gestiegen seien. Da wo die Park and Ride-Anlagen wirklich leer stünden, müsse man sich das noch mal genauer angucken und evaluieren. Er würde dieses Thema mitnehmen, wisse aber, dass die Zahlen je nach Standort unterschiedlich seien.

Flugverspätung: heißes Eisen

„Tun sie mehr, damit das aufhört“, so die Forderung eines verärgerten Bürgers, der es als unerträglich bezeichnete, welchem Lärm er trotz Nachtflugverbot durch die an- und abfliegenden Flugzeuge ausgesetzt sei.
Es sei bereits alles Erdenkliche unternommen worden und trotzdem komme es zu Verspätungen, weil es Ereignisse gebe, die den gesamten Luftraum in Europa belasten, erklärte Tschentscher. Alle Beteiligten wollten sich noch einmal an einen Tisch setzen und klären, wie und weshalb es zu diesen Verspätungen komme und dann sollen Lösungsvorschläge auf den Tisch, die wirklich etwas bewegten und bewirkten. Allerdings, so gab Tschentscher zu bedenken, sei der Flughafen eine Säule unserer Erreichbarkeit und damit unseres Wohlstands und unserer Wirtschaftskraft. Gleichwohl …“müssen wir das mit den Verspätungen in den Griff bekommen, da bin ich völlig mit Ihnen einer Meinung“, so Tschentscher.

Zwei Milliarden Euro in den Schulbau investiert

„Wie sieht Ihre Vision von einer gelungenen Bildungspolitik aus, wenn weiterhin die Platzkapazitäten in Schulen reduziert werden?“, fragte eine besorgte Bürgerin. Es werde darüber gesprochen, dass man sich auf einen starken Zustrom einrichten müsste, gleichzeitig würden aber Schulen geschlossen.
Dazu Tschentscher. „Seit 2013 haben wir zwei Milliarden Euro in den Schulbau investiert, neue Schulen gebaut und die, die es schon gab, und die in einem schlechten Zustand waren, saniert und modernisiert“. Weil aber die Schulen nicht immer da seien, wo auch die Schülerinnen und Schüler lebten, mussten auch dort, wo es keine oder nur wenige Anmeldezahlen gab, Schulen geschlossen werden. Insgesamt seien jedoch mehr Schulen gebaut als geschlossen worden. „Am Ende sind wir sicher, dass wir alle Schülerinnen und Schüler mit guten Räumen und auch ausreichend Lehrerinnen Lehrern versorgen können.“

Die grüne Lebensqualität bewahren

Wie kann man trotz Verdichtung die grüne Lebensqualität bewahren? Um diese Frage ging es nicht nur besorgten Bürgern vom Verein zum Erhalt der Hummelsbüttler Feldmark. „Uns treibt nicht um, dass gebaut wird, sondern wie gebaut wird“, so eine Bürgerin. Wenn im Landschaftsschutz gebaut werde, müsse die Stadt Ausgleichsflächen vorhalten. Diese aber seien knapp und würden teilweise schon doppelt belegt.
Mit der Einführung des Naturcent werde ein ökologischer Finanzausgleich für Flächenverbrauch infolge von Bauprojekten geschaffen. Seit 2011 seien dadurch drei neue Naturschutzgebiete ausgewiesen und dauerhaft gesichert worden.
Im Hinblick auf die Befürchtungen, in der Hummelsbütteler Feldmark könne eine weitere Bebauung folgen, meinte Tschentscher, dass es Versprechen gebe, dass dies nicht so sei. Grundsätzlich würde versucht, die grünen Züge in Hamburg eben nicht anzutasten, sondern an den Achsen zu bauen, wo schon U-Bahnen, S-Bahnen und Straßen seien.
Tim Stoberock fügte ergänzend hinzu, dass in der Hummelsbüttler Feldmark zwar acht von 800 Hektar in Anspruch genommen worden seien und die Gebäude jetzt bereits stünden, es aber eine Verpflichtungserklärung gebe und eine Bestandsgarantie hinsichtlich der Feldmark verankert worden sei.


fdjs